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Der Israelit · 1887-10-31 · Heft 84 (31.10.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 84 (31.10.1887)
Date
1887-10-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1501 Mutter in gleicher Weise gebetet hatte, schlug sie die von ihrem Vater bczeichuete Seite auf. Sie erschrak, als sie am mnern Längcnrande des Blattes einen, an den beiden äußersten landen festgeklebten, schmalen Streifen weißen Papiercs erblickte, auf welchen von der Hand ihres Vaters Folgendes geschrieben war: ^Äu meine liebe Tochter Therese! Lo?e die »»erden Enden dieses Va^rerstreisens vorsichtig ab, dann wirft Du auf der Innernscitc eine wichtige Mittheilung finden.- - Therese that also. Sic hatte kaum einen Blick auf die dichlbcschricbcne Innenseite geworfen, als sie einen lauten Schrei aussticß. Sic wäre zu Boden gefallen, wenn der in der Nähe stehende Wolf nicht schnell hcrbcigesprnngen wäre und sie in seinen Armen anfgefangen dätte. Dieser vermochte bei dem Blicke auf die leichenblaß anssehende Therese vor Schrecken kaum die Frage hcrvorznbringcn, was ihr fehle. Sic reichte ihm, keines Wortes fähig, schweigend den schmalen Papicrftreiscn. Wolf las das auf demselben Niedergeschricbene und ries: „Großer Gott, wie wunderbar! Gott sei Lob und Tank!" Tann las er den Inhalt seiner Braut halblcise vor: „LicbcS Kind! Im Falle Gott beschlossen haben sollte, mich plöelich aus diesem Leben abzurufcn, sei Dir Folgende« kund gcthan: Am untern Rande der in meiner Schlafstube befindlichen, mit Schnizzcrcicn verzierten Kiste ist an der rechten Seite die zweite Rose nicht ans dem Stücke geschnitzt, sondern angrschranbt und läßt sich von rechts nach links abschraubcn. Unter dieser Rose befindet sich ein eiserner Knopf. Wenn man auf diesen drückt, springt der eiserne Boden bis zur Mitte der Kiste in die Höhe. Ta die Seitcuwäude ein wenig schräg liegen, so läßt sich der Boden hier umlegen, wenn man ihn mit einem langen Nagel oder mit einem Halen an der Seite faßt. Wenn Tu dieses thust, wirft Tu unten in der Kiste die Wertbpapiere und das Geld finden, das Dir als Dein elterliches Erbrhcil angehört. Möge es zur rechten Stunde und zum Segen in Deine Hände gelangen! Gott segne Dich, mein liebes Kind!" Auch Mendel hatte den Aufschrei Thcrcscn's gehört und war herbcigecilt, war aber in einiger (fntfcninng stehen geblieben, als er sah, daß Wolf mit ihr sprach. Wolf ging auf ihn zu und erzählte ihut das Wunderbare, das sich so eben ereignet hatte. Mendel war erst starr vor ln staunen: dann schrie er: „Hab' ich's nicht gewußt, daß es so kommt i Hm? Gelt, der Mendel ist doch nicht so dumm? Ja, ja, ich hab's immer gesagt, es kommt noch! Gorr sei Dank, daß cs sich erfüllt hat! Nun geht Ihr doch in die Stadt, nicht wahr?" Therese nickte bejahend. „So,- sagte er, ^Herr Wolf, hier haben Sie den Schlüssel, seien Sie so gut und schließen Sie zu, wenn Sie fettig sind, und bringen mir den Schlüssel.mit in die Stadt! Ich muß in die Stadt und muß das erzählen! Das kann ich nicht länger bei mir behalten!- Gr gab Wolf den Schlüssel und lief eilends davon. Einige Israeliten, die gerade auf der Straße standen, als Mendel so angestürmt kam, sahen verwundert auf und sagten: „Was hat der Mendel wieder vor? Der läuft ja, wie ein Schnellläufer!- „Er wird wieder einen Traum gehabt haben," sagte Einer aus der Gruppe. „Wir werdeu's gleich hören!- erwidette em Anderer. „Da kann man auch sagen: „Hinci baal hachalaumans halose boh!"*) Mendel hatte diese Bemettnng gehött und rief: Ja, ja, der Baal hachalaumans kommt und hat auch Recht behalten. Die Wetthpapiere des Dr. 9! üben sind gefunden!" „Nicht möglich!" riefen Alle. „Es ist aber doch möglich!- schrie Mendel. „Bei Gott ist Alles möglich!" Er erzählte ihnen den Hergang. Alle waren starr vor Berwunderung. Wie ein Lausseucr verbreitere sich die Nachricht in der Stadt und machte auf Jeden einen mächttgcn Eindruck. Das Geld hätte sich ja, da sein Versteck in der angegebenen Weise ausgezeichnet war, doch einmal finden müssen; aber die Umstände, unter welchen es jetzt geschehen war, gaben dem Vorfälle das Gepräge des Wunderbaren. Es war zur rechten Stunde gekommen. Das galt Allen als eine glückliche Vorbedeutung für Therese und ihren Bräutigam. Therese und Wolf hatten Mühe, allen Glückwünschcndcn ihren Tank ausznsprechcn, so massenhaft strömten diese in der Stadt ihnen entgegen. Juden und Ehristcn zeigten sich glcichschr erfreut. Thercsen's Augen wurden gar nicht trocken vor Rührung. Sie gingen auch in das Hans ihres Lheims, trafen ihn aber nicht, da er über Land gegangen war. Tie Kinder sprangen ihr mit jauchzender Freude entgegen: die Frau aber zeigte sich kühl. Sie reisten Nachmittags nach N. zurück. Am Bahnhöfe in N. trafen sie Herme Nathansohn. Dieser ging sogleich aus sie zu und sagte zu Wolf: „Meia lieber Herr Wolf, ich vermag Ihnen kaum zu sagen, wie leid eS mir Ihut, in der Angelegenheit Blumeuthal Nichts für Sie erreicht zu haben. ') Sicht, da fomntt der Träumer her. (I. B. 2R. 37, iS.)

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