Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 82 (24.10.1887)
- Date
- 1887-10-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449776--27365-2517268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVM. Jahr, an». J\TS KÄ. Der Israelit. / «r, KenLrat - Hrgan für das orthodore ZudenLHum. Herausgcgcbcn voa vr. Lehman, in Mainz. * . best 24. Oclober 5647 (1887). Leitende NrtikeL Kur die Wahrheit hat dauernden Erfolg, m. Mainz, 20. Oktober. Es gibt zweierlei Gesetzes Übertreter: solche, die Gottes heilige Gebote verlegen, um ihrem Mangel abzuhelfen oder ihre Nochdurst zu befriedigen, und solche, welche aus Lust an Bösem sündigen. Wer z. B. ein Brod stiehlt, um seinen Hunger zu stillen, ist viel eher zu entschuldigen, als der reiche Mann, welcher lügt und betrügt, um seine Schätze zu mehren; wer, von der Leidenschaft fortgcriffen, ein Littlichteitsgebot Übertritt, ist nicht so hart anzuklagen, wie derjenige, welcher aus Lust am Bösen die heiligsten Verbote verletzt. Wir haben oben nachgewiescn, daß das Ge» schlecht, welches vor dem Hereinbrechen der Sündfluth lebte, gleichsam selbst zur Lüge geworden war, das Böse um des Bösen willen vollbrachte und aus bloßem Ucbermuthe widernatürlichen Lastern fröhnte. Nun kömmt, in unsrer Parabel, die Lüge und verlangt Einlaß in die Arche. Eie ganz und gar zurückzuweisen, ist nicht möglich: denn der Mensch soll die Freiheit der Wahl besitzen, soll, nach seinem freien Willen, der Wahrheit huldigen oder der Lüge stöhnen können. Deßhalb spricht Noach: Die Luge an und für sich, die Lüge als Selbstzweck, weise ich zurück; denn sie ist die Ursache der Vernichtung des Menschengeschlechts geworden; aber suche dst, o Lüge, einen Gefährten, der sich mit dir vermähle; daun magst du iu die Arche eintreten. damit auch du kommenden Geschlechter im Kampfe gegen das Böse ihre geistigen und sittlichen Kräfte entfalten. — Und die Lüge ging aus, sich einen Gefährten zu suchen; fand aber Niemanden, der sich mit ihr verbinden wollte, als den Mangel, und auch dieser wollte nicht bedingungslos die Verbindung eingehes. Da verhieb ihm die Lüge, ihm alles zu geben, waS sie erwerben würde. Die Lüge dachte wohl bei sich, daß dem Mangel bald abgeholfen werden könnte, und sie dann große Schätze aufzuhäufen im Stande wäre. Allein, darin hatte sie sich getäuscht; der Mangel bleibt immer Mangel. WaS die Lüge auch erwirbt — eS wird vom Mangel verschlungen. All die großen Schätze, welche die Lüge aufzuhäufea vermeint, fallen ftüher oder später der Vernichtung anheim, rat« "ws yns jrm yv rfoys nsnj; jwn Was der Bösewicht auch thut, es hat keinen bleibenden Erfolg, während die Saat deS Guten aufgeht und reist für die Ewigkeit. — Großes hatte Noach nunmehr erreicht; das für die Freiheit der Menschen nothwendige Vorhandensein der Lüge blieb erhalten; aber nicht die Lüge an sich, sondern nur die mit dem Mangel verbundene und auS ihm hervorgehende, das Heißt, die Sünde, welche aus einem vorhandenen Bedürfnisse entspringt. Und noch ein Drittes war erreicht worden: der Lüge hastet immer der Mangel (die Verringerung, die Vernichtung) an, damit die Menschen sehen und erkennen, daß die Lüge keinen dauernden Erfolg zu erlangen vermag, und sich von ihr abwendeo. Auch nach der Sündfluth war die Lüge noch nicht aus der Welk geschasst, und die meisten Menschen neigten derselben sich zu; denn die Lüge ist gar schwer zu überwinden, weil böZ ist der Tri« des menschlichen Herzens von Jugend auf. DaS Höchste aber ist die Wahrheit, uod nur der kan» vollkommen sein, welcher die Wahrheit zum Endziele seines Sttcdens und Denkens macht. Iu diesem