Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 97 (15.12.1887)
- Date
- 1887-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1729 überwachte. Ja demselben wurde gemeldet, daß Rahel erkrankt sei und daß deßhalb ihre Uebersiedelnng nicht bewerkstelligt werden könne. Tie Baronin ließ sofort anspannen und fuhr uach dem Pachtgute. Frau Hindcle führte den voruehmeu Gast in das Schlafzimmer Rahels und ließ dann Mutter und Tochter allein. Nahe! lag im Bette und sah sehr blaß und angegriffen aus. Tic Baronin warf sich über das junge Mädchen und küßte eS. »Mein tfinb," schrie sie, »meine Tochter, Du bist krank, bist ernstlich erkrankt?" „„Gnädigste Frau Baronin . . . ."" „Sage doch Mutter! Laß mich diesen süßen Namen don Tir hören!" ..„Meine Mutter,"" sagte Nahe! und blickte die Baronin liebevoll an. „Mein Kind, meine heißgeliebte Tochter, sage mir, was Dir fehlt." . „„Ich fühle mich so schwach und angegriffen. Alle diese Aufregungen.."" „Es ist ja natürlich, daß die Dich angegriffen haben. Ich will Dich in's Schloß bringen laßen und selbst Dich pflegen, damit Du bald wieder ganz gesund werdest." Rahel erschrak. „„Meine Mutter, wenn Sie mich ein wenig lieb haben „Sage Du zu mir!" „ „Wenn Tu mich ein wenig lieb hast, so laffe mich hier, wenigstens so lange, bis ich ganz wieder hergestellt bin."" „Du liebst mich nicht?" „„Doch, ich liebe Dich, weil Du meine Mutter bist und weil der allmächtige Gott befohlen hat, daß man feine Mutter lieben soll."" „Nur deßhalb?" „„Gnädigste Frau Baronin — meine Mutter, wollte ich sagen, erst gestern habe ich mit Bestimmtheit erfahren, daß Du meine Mutter bist, und heute schon sollte ich Dich so lieben, wie die Mutter, die mich erzogen, die mich als kleines, hilfloses Kind gehegt und gepflegt, in .Krankheit um mich gesorgt, in bangen flächten an meinem Bettchcn gesessen, mich belehrt und zu allem Guten angehalten hat!"" „Du hast Recht; allein, — ich werde Deine Liebe erringen; ich werde Dich mit Liebe uvd Zärt. lichkeit überhäufen." „„Und auch ich will Dich heiß und innig liebe», wenn Du mich nicht zwingen wirst, dem Jüngling zu entsagen, der mir mehr gilt als mein Lebe». Mutter, Mutter, Tu willst Dein Kind, »»glücklich macheu!"" Rahel brach in Thränen aus. „Beruhige Dich, liebes Kind," sagte die Baronin. „Rege Dich nicht noch mehr auf. Werde erst wieder gesund. Du wirst dann Deine kindische Neigung überwinden und mir danken, daß ich Dich den niedrigen Verhältnissen entreiße, au die Du jetzt gewöhnt bist." Nahe! weinte still vor sich hin. Tie Baronin küßte ihr die Thränen von den Augen. Das junge Mädchen sah so krank und angegriffen aus, daß cs Sidonie ins Herz schnitt. Unwillkürlich mußte sie der eigenen Jugend gedenken und der Macht hi*r WihMiiffi/itt hti» Ha hi* hnifutehnrrnf förüftn in die Arme eines Niedrigstehendcn geführt hatte. »Schlafe, mein Kindchen," sagte sie im zärtlichen Tone; »wenn Du gestärkt erwachen wirst, so will ich Dein Gefühl berücksichtigen und Dir vielleicht eine beglückende Mitthcilung machen." Rahel sah die Baronin dankbar an; sie fühlte sich so schwach, daß sie gerne den ihr ertheUteu Rath befolgte. Sie legte sich in die Kiffen zurück mid schlief ein. Die Baronin entfernte sich leise und begab .sich in das Familienzimmcr, wo man sich gerade zum Mittagessen medersctzen wollte. Alle bückten sich tief vor der Eintretendcn. »Ich wünsche mit Ahron Krakauer zu reden," sagte die Baronin. Ter junge Mann trat vor und verneigte sich schweigend. Die llebrigcn verließen das Zimmer. »„Wollen die gnädigste Frau Baronin sich nicht nicdersetzcn?"" fragte Ahron, dcu Lehnstuhl des Vaters vorschiebend. Die Baronin setzte sich; Ahron stand vor ihr. Er war ein schöner, junger Manu mit schwarzem, lockigem Haar, schwarzen, glänzenden Augen und gebogener, aber wohlgestalteter Rase. Nicht konnte man daran zweifeln, daß er dem jüdischen Stamme entsprossen. „Junger Mann," sagte die Baronin, „Ihr wißt, daß Eure vermeintliche Schwester Rahel mir nahe steht Ym „„Mein Vater hat es mir gestern mitgetheiü.""