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Der Israelit · 1887-09-22 · Heft 73-74 (22.9.1887) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 73-74 (22.9.1887)
Date
1887-09-22
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1357 Unter den Pariser Industriellen ist seit einiger Zeit eine Bewegung in Tvlufi gerathcn, deren Zweck rs ist, die ausländischm Konkurrenten auS der Lcineftadt zu verdrängen. Tie einheimischen Industriellen bieten daher alles Mögliche auf, um sich die Ausländer vom Halse zu schaffen. So erklärten dieser Tage auch die französtschen Arbeiter -er Fabrikanten Rufficr TcS Aimes u.Cie., welche cm 4oo Leute, darunter 170 Ungarn und Oesterreicher beschäftigen, daß sie mit den Ausländern nicht mehr beisammen arbeiten wollen. Tic er. wähnte Firma sah sich demzufolge veranlaßt, am t. d. die 170 Ausländer zu entlassen. Tiefe entsendeten nun in ihrer Verzweiflung eine Deputation zu dem äußerst populären und angesehenen Grandrabbin Zadoc Kahn, welchen sic um seine Intcrocntion augingeu, damit sic wieder Arbeit finden. Ter Grandrabbin nahm sich der Sache der armen Arbeiter auch an und sciucn Bemühungen ist es;u danken, daß der größte Thcil der Entlassenen bei der erwähnten Firma wieder angestellt wurde. Auch nach einer anderen Seite hat die Intervention! des genannten Rabbiner» ihre Früchte getragen. xui der Versammlung, welche unsere Lanoslcnic einbcricfcn, um die Mittel zu besprechen, durch welche ihre Lage verbessert lvcrdcn könnte, erschien auch der verantwortliche Redakteur der «.France- Herr A. Picard, welcher die Arbeiter zur Ruhe und Ausdauer ermahnte und ihnen versprach, sich ihrer gerechten Sache nach besten Kräften aunehmcn;u wollen. In Duua-Szerdahcly ertönte gestetii um Mitternacht die Lturmglocke. In unmittelbarer Aähc der Richterswohming, in der Rcmcsßcggaffc, ttandcn zwei Häuser in Flammen, die auch bis auf den Boden adbrannten. Eine Wcilcrvcrbrcitung des Feuers verhinderte die rastlos arbeitende Bevölkerung, bereu Bemühung sonst auch von schö- I «cm und nlhigem Weiter unterstützt war. TaS s Feuer in Tuna-Szerdahcly scheint von ruchloser j Hand gelegt worden zu sein und eigentlich dem Bci sitze des Richters Rikolans Skmctb gegolten zu I habe», der wegen feiner judcnfreundlichcn Haltung (von antisemitischen Elementen der Ortschaft bereits wiederholt Drohbriefe erhalten hat. r Griechenland. | Korfu, 8. September. Tic uns bcvorstehenf den heiligen Tage geben schon jetzt dem jüdischen; Leben ans dem griechischen Fcstlande und seinen f Zahlreichen Inseln einen neuen Impuls, der jedoch am stärksten hier, wo sich die älteste, größte und reichste jüdische Gemeinde dcS Königreiches befindet, verspürt wird. Von ollen Seiten treffen hier schon Bestellungen auf Sidurim, Machsorim, Talesfim, Zrzith u. s. w. ein, die nrm selbstverständlich schien» nigst erpcdirt werden nrüffen. Aber auch in Tcphilm und Mesusoth findet jetzt ein großer Absatz hier statt, da die r>nn yj (besonders Frourmen) die jetzige weihevoll gestimmte Zeit dazu benützen, um Umschau in ihrem Hause zu halten, und alle reit* giöscn Bcüclssmittcl,,die schon alt, gebrechlich oder abgenützt sind, schleunigst durch neue zu ersetzen. Auch die hiesige griechische Synagoge (nicht zu verwechseln mit dem italienischen Tempel) wird jetzt rcnovirt, um sie für die herannahenden hohe« Feiertage wieder auf den alten Glanz hcrzustcllen, Ta wird nun auf allen Seiten in diesem ehrwürdigen Gorteshause gezimmert, gehämmert, geweißt und getüncht. Eine eigene Commission, von der ein jedes Mitglied seinen Verpflichtungen aufs Gewissenhafteste uachkommt, überwacht die Arbeiten. Heißt cS doch: vpry n-2 rs non? (TaS Ansehen unseres Gotteshauses zu erhöhen.) Ucbcrhaupt herrscht auf den griechischen Inseln noch ein wahrhaft jüdisches Leben, das sich nicht nur am Nosck-Halchanah und Jom Kipur, sondern auch am Tischah-Bcab in seiner ganzen Kraft zeigt. Wer daher am vergangenen «.». Ab unsere Synagogen besucht hätte, der hätte sic am Abend und Morgen vollgepfropft gefunden mit Andächtigen, die alle ihre weltliche Bcschäftigung für hcme eingestellt hatten, um die Zerstörung Jerusalems und des heiligen Tempels zu beweinen, daß fast dir meisten dieser Andächtigen an diesem Tage auch gefastet, dies wollen wir nicht besonders hcrvorhcbcn. Bor. einigen Tagen verschied in Ancona daS ehemalige Vorstandsmitglied unserer italienischen Gemeinde, Herr Massimo Usiglko, nach einer schmerzhaften vicrinonatlichcn Krankheit. Terselbe war fest 1857 Vertreter deS österreichischen Lloyd und einiger österreichischen Assccuranzgcscllschaftcn auf hiesigem Platze und seit i.s63 saß er auch im Vorstande unserer italicuischcu Gemeinde. Ter Verstorbene war ein streng religiöser Jude und ein Mann von höchst ehrenhaftem Charakter. Vor einigen Tagen verschied hier der erste Gabai unserer Chebrath „Gemilurh Haffadim- Herr Mandolin Lcvy, ein zwar armer, aber ciu streng rechtlicher Mann, der sich des Vertrauens und der Hochachtung aller unserer Gcmcindcmirglieder erfreute; ihm folgte bald in'S Grab nach der Gabai unseres italienischen Tempels, Herr Matatia Rissim, der seine Amtspflichten aufS Gewiffenhasteste erfüllte und hatte er auch zu jeder

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