Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 73-74 (22.9.1887)
- Date
- 1887-09-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449770--27235-2517101- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rawicz 1× ep/1048078
OCR text
9 XXVilL Jahrgang. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Berlin, N. September. Der Bericht des Rabbiner-Seminars über das letzte Berwaltungsjahr (1885/86) wird, durch de» späten Abschluß der Rechenschaftslegung verzögert, unmittelbar nach dem Feste endlich zur Versendung gelangen. Ter Bericht liefert auch dieses Mal nach jeder Seite diu ein recht günstiges Resultat. Genauere Angaben über die Bilanz werde ich Ihnen mitthcilen, wenn die Schlußzahl vorlicgt. Die Anstalt wurde in dem verflossene« Bcrwaltuugsjahre von ueu nunddreißig Zöglingen besucht, von denen sechsirndzwauzig der deutschen, neun der ungarischen und v i er der ru ssischcn Nationalität arigcliörtcu. Man weiß, daß diese Zahl inzwischen bedeutend gestiegen ist. Bon bm Hörern des Seminars ist Tr. Ol itzki nach Köthen berufen worden, Tr. Landau zum' Stiftsrabbincr in Hannover und der Rabbiner von Samtcr, Dr. Lö b, zunr Rabbiner in Rawitsch. Tic talumdischcn Vorlesungen wurden im vergangenen Jahre vom Rektor! und Herrn Tr. Hoffman in verschiedenen Abtheilungen geleitet, außerdem las dcr crsterc noch Ritualcodiccs, letzterer Ritualcodices. Pcntatcuchcrcgcse und Einlcirung in die Mischna. Herr Rabb. Tr. (5ohn leitete die homiletischen Vorlesungen. Herr Tr. Berliner las Literaturgeschichte, Midrasch Tanchuma, Jüdische Geschichte und Praktische Einführung in die Massora, Herr Proseffor Barth Exegese, Rcligionsphllosophic und Grammatik. Herr. Tr. Hirsch! Hildcsheiulcr las altjüdische (beschichte und Geographie Palästina's. lieber die innere Organisation 1 der Anstalt läßt sich der Bericht des Rektors in i folgenden Worten aus: »Durch den erheblich stci-! gcnden Zuwachs sah sich das Tocentcn-Collegium; veranlaßt, eine genauer als früher durchgcführte j Trennung der Vorlesungen, welche nur für die rcir fcrcn Hörer bcstiuunt sind, durchzuführen. Während; diese Thcilung von Anfang an nur für die talmu- I dischen Tisciplincn bestanden hatte, wurde sie nun f euch für die Exegese, die jüdische Geschichte und l Literatur durchgeführt, derart, daß für die ersten l Tcmcstcr auf eine umfaffcndcre Aufnahme von Stoff f und eine weitere Umschau, für die späteren dagegen auf ein tieferes Eingehen uud das Bewältigen schwererer Materien Bedacht genommen wird. — Mit dankbarer Genugthuung erfüllt es uns, daß die Frequenz der Anstalt von Semester zu Semester steigt, obgleich wir nach wie vor an den von vornherein festgcstcllteu Aufnahmebedingungen festhalten, um ein gleichmäßiges Lcunluistniveau bei de» eiatretenden Hörern zur Grundlage einer gedeihlichen Lchrthätigkcit zu haben. Eine nothwendige Folge dieses erfreulichen Zuwachses an Hörern ist aber auch das Bcdürfniß eines weit höheren Stipendienfonds zu deren Förderung, als ihn die Anstalt thatsächlich besitzt. Voraussetzung eines ergiebigen Studiums ist möglichste Eoricentration auf die geistige Arbeit. Sind die Hörer gcuöthigt, für den immerhin nicht unerheblichen Unterhalt zeitraubenden Nebenarbeiten, wie z. Ä. zu vielen Privalstunden, ihre Zeit zu widmen, so ist die Energie und der Erfolg des Studiums sehr beeinträchtigt. Das Seminar hat darum von jeher nach seinen Kräften möglichst ausgiebige Stipendien für seine Hörer ausgeworfen. Bei der jetzigen Anzahl derselben würde, dies die Anstalt nicht entfernt in dieser Höhe zu thttn vermögen, wenn sie nicht durch besondere hinreichende Zuwendungen aus dem reise ihrer Freunde in die Lage gebracht wird, den wachsende» Aufgaben auch mit wachsenden Mitteln begegnen zu können." Das Euratorium bittet in seinem Berichte die Freunde der Anstalt, »auszuharren. so lange eS nöthig, ja durch immer gesteigerte ^Leistungen, namentlich auch in. Förderung von Fondationcu bei außerordentlichen Gelegenheiten der Freude oder der Trauer, die Anstalt in den Stand zu fetzen, nicht wie bisher, noch so oft das Äölhkge versagen zu muffen, wo ein Mehr zu bicrcn im höchsten Jntercffc deS uns gesteckte» Hochzieles ist." Wir schließen mit den Worten des Berichtes: »Ter schöne Lohn wartet Ihrer dann: das Bewußtsein, zur Wicdcrcrstchuttg der alten Thorawerkstätten, verbunden mit allen wiffenschafrlichen Anforderungen des Jahrhunderts, bekgctragcu zu haben." Bl. Berlin, l l. September. Der erste Vorsteher der israelitischen Synagogengemeinde Adaß-Iisroel, Herr Samson Rosenberg, ist nach langem Leiden im Alter von 72 Jahren am letzten Donnerstag in Pankow verstorben. Herr Rosenberg hat mit hinaebender Treue achtzehn Jahre lang der Gemeinde bis zur Erwirkung ihrer bürgerlichen Frei-