Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 72 (15.9.1887)
- Date
- 1887-09-15
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Herr und Frau Baron Edmund v. Rothschild in Jerusalem.*) I>en ersten Besnch des Herrn Baron mii I seiner Gemahlin in Begleitung des Herrn Nissim Bechar, galt dem unter Leitung des Herrn Dr. Herzberg stehenden deutsch-jüdischen I Waisenhause. Die Reinlichkeit des Hauses und | das gute Aussehen der im Hofe spielenden Kinder! machte ihnen viele Freude. Von da gingen sie j nach der Evelin v. Rothschild’sehen Mädchenschule. Sodann setzten sie ihren Weg nach der Stadt fort; besuchten den Überrabbiner Panisil, Rabbiner J. 8. Elischar und die übrigen „Chachamim“ der sephardischen Gemeinde, die sich im Hause des Herrn Ober- > rabbiners zu ihrem Empfange versammelt hatten. | Der Herr Baron unterhielt sich mit ihnen ein- - gehend über die Nothwendigkeit einer grösseren j Reinhaltung der Judengassen, und legte ihnen 1 ans Herz, die. jüdischen Bewohner Jerusalems; unablässig daran zu mahnen, dass die Torah j schon gebiete, und dass solche im Interesse unj seres ganzen Volkes liegt, indem eine Geringhai- | tung Jerusalems mit einer Geringschätzung ganz! Israels gleichbedeutend sei, da ja die Augen ganz; Israels auf die heilige Stadt gerichtet seien, ja; auch die Andersgläubigen den Wohnungen der - Juden in Jerusalem grosse Aufmerksamkeit sehen-! ken und jede Ungehürigkeit hier eine Schmach ] für die Gesammtjudenheit sei. Er habe, so hej merkteer, desshalb auch mit dem Pascha über die Sache gesprochen und denselben ersucht, die > Judengassen mit einem guten Strassenpflaster zu ■ versehen, worauf der judenfreundliche Pascha j ihm das Versprechen gegeben, alles in seinen j Kräften Liegende für die Sache zu thun, dass es aber auch Pflicht der Rabbiner sei, das j Ihrig« für die Reinhaltung der Strassen zu j thun. Hoflen wir, dass diese eindringliche Ermahnung aus dem Munde eines jüdischen Fürsj ten, der nur die Ehre und das Wohl seiner { Nation anstrebt, ihre Wirkung nicht verfehlen I werde. Da es war, gingen sie zur brr.“ und von da zu fiZZi? in die Synagoge' -penn HT-T '* r.2~r',Z und1 beteten daselbst, die Baronesse selbstverständlich in der Frauensynagoge. Der Baron sagte für , seine verewigte Mutter. Der Vorbeter machte j einen *2 Rif den Baron und dessen Gej mahlin, sowie für den Vater «ler Baronin. Herrn! Baron Simon Wolf v. Rothschild in Frankj furt a. M. und für die ganze Familie. Von da { gingen sie in die Sj'nagoge p,'z,, woselbst j •) Am Mangel in Baom unlieb Teiltet. 1). Ked. i gleichfalls für sie und ihre ganze Familie ein *2 gesprochen wurde. Des anderen Tages, am Sabbath-Morgen nämlich, ging der Baron in Begleitung des Herrn Nisim Bechar in die grosse Synagoge der sephardischen Gemeinde und sprach daselbst den Wunsch aus. dass einer der anwesenden Rabbiner über die Reinlichkeit predigen möchte, worauf Rabbiner J. S. Elischar eine eindringliche Rede über diesen Gegenstand hielt. Von da ging der Baron in dieSynagoge JV.R2r* wa Herr Nissim den Wunsch anssprach. <!a>s auch hier einer der Herren Rabbiner über die Bedeutung der Reinlichkeit spreche. Dieser Auftrag, wurde dem bekannten Verfasser des U'Z2? übertragen, worauf derselbe auch nach dem Wunsche des Herrn Barons zuerst über Reinlichkeit sprach, bald aber zu einem anderen Gegenstände überging, in dessen Behandlung er u. A. sagte: Die Hauptsache sei, die jüdische Bevölkerung Jerusalems von einer anderen Unreinheit zu befreien, nämlich — vom Erlernen der französischen Sprache. (!.’). Nach beendigtem Gottesdienste besuchte der Baron verschiedene wohlthätige Institute. Nachmittags empfing er in seiner Wohnung den Pascha, der ihm und seiner Gemahlin einen Besnch abzustatten kam. Der Baron und seine Gemahlin nahmen ihn sehr freundlich auf und freuten sich sehr, nun mit eigenen Augen gesehen zu haben, was ihnen längst berichtet worden war, dass die Angelegenheiten Jerusalems einem hochherzigen einsichtsvollen Manne anvertraut sind, der das Recht liebt und aufrichtig bestrebt ist, die Angelegenheiten seines Amtsbezirkes auf das Bestmöglichste zu regeln. — Nachdem der Pascha sich verabschiedet hatte, besuchte der Baron Herrn Uberrabbiner Galant. Des Abends nach Sabbathausgang statteten die angesehensten Rabbiner Jerusalems. die Herren Panisil, Salant und Elischar dem Herrn Baron und seiner Gemahlin einen Besuch ab und wurden von den hohen Herrschaften aufs freundliclrste empfangen. Der Baron sagte zu ihnen u. A. . „Ich freue mich, •lass die Aeltesten Jerusalems, die Aeltesten an Weisheit und an Jahren hier, mich mit ihrem Besuche beehren, und ich bin Ihnen noch besonders dankbar, «lass Sie sich vor die Stadt hinaus zu mir bemüht haben.** Darauf bemerkten die Rabbiner: „Weit dankbarer müssen wir Ihnen und der Frau Baronin sein, die Sie sich von Paris nach Jerusalem bemüht haben“, worauf der Baron erwiederte: „In Anbetracht der Liebe zu unserer Mutter Jerusalem, die von