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Der Israelit · 1887-09-15 · Heft 72 (15.9.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 72 (15.9.1887)
Date
1887-09-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1324 in allen Lä rdcrrdetürkischen Reiches die Israeliten den andern Konfessionen vollständig gleichgestellt sind. Al- Gesandter der amerikanischen llicgicrung und als Israelit freue ich mich, die Wahrnehmung zu machen, daß dieser Geist der Freiheit feste Wurzel gefaßt hat und Niemand wegen seiner Geburt und feines Glaubens eine Zurücksetzung finden kann. Ter Sultan wie die hohe Pforte werden zweifellos dieses Prinzip stets zu ihrer Richtschnur machen, was dem Reiche nurzum Besten gereichen nurt»." Tie Ginnehmen betrugen in diesen drei Monaten 1 »‘.9,807 Piaster, die Ausgaben I75,7ö7 Piaster. Ter Fehlbetrag von .'»,‘.»29 Piaster wurde leihweise ausgenommen. Der Bericht bringt eine »vezisieine Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben. Tie Vorrede verbreitet sich ausführlich über dir Verhandlungen, die wegen des Modus der Verrheilung der Rolbfchild'schcn Spende von 12.000 Frs. starrgcfimden haben, welche ganz im Sinne der Spender und zur Zufriedenheit der Empfänger vorgcnommkn wurde, llubegrustich ist cs daher, wie einzelne jüdische Zeitungen und Personen, angesichts solch' sorgfältiger Erwägungen seitens des Eomircs, sich erkühnen konnten, gegen die Verwaltung ehrenrührige Verdächtigungen auSzusprcchcn. wie sie in jüngster Zeit von verschiedener Leite vorgekommen und. Erklärlich ist dies nur unter der Annahme, daß eben solche Leute von einer ausgest'7''chcnen Voreingenommenheit gegen alle paläftrncnü.scheu Angelegenheit beseelt sü:d und jedenfalls kein warmes Gefühl für die bedaueruswerrhen Armen der hl. Stadt besitzen. Dem Rcchcnfchastsbcrichr ist cm Aufnif an die edlen Glaubensgcncven des Auslandes zur nachhaltigeren IlnierstnSurrg angcfügr. Während durch d:e stcre Einwanderung auswärtiger Glaubensgenossen sich die Ausgaben stets vermehren, sind die Einnahmen feit Jahren im Rückgänge begriffen. Alle Zionsfrcnndc werden daher gewiß gerne die Gelegenheit ergreifen, bei den hcranuatzcnden hohen Feiertagen dahin zu wirken, daß die Spenden für die Armen Jerusalems reichlich stießen. Feuilleton. Die verschwundene Erölchaft. oinr orrädtunz r-cn B. Hrrrrie. VI. Vierzehn Tage waren bereits feil der Beerdigung dcS Tr. Rüben verflossen und noch wohnte Thcrcfe mit ihrer Tienstmegd allein in der von ihrem Datcr iunegehabren Wohnung. Sic konnte sich nur schwer entschließen, an? den Räumen zu scheiden, in welchen ihre Eltern gelebt haben und in weichen jede« Plätzchen ihr *u>f£ heiliger, aber auch voll schmenbewcgcudcr Erinnerung war. Hier fand ihr Leid immer wieder Anlaß zu neuen, heftigen AnSdrüchen. zu neuen, gewaltigen Thräucrrcrgüssen! Dem mußte Abhilfe werden! Es hatte bereits diefcrhalb eine VeNlaudssitz'mg startgcfuuden. Ter erste Vorsteher, Rathau Weil, ein sehr gebildeter, wohlhabender nud wohlwollender Manu, hatte die Erklärung abgegeben, daß er Therese unentgeltlich in sein Hau» aufnchmcn und die Sorge für ihre Bedürfnisse bizur Vollendung ihrer Studien übernehmen wolle. Zugleich schlug er vor, eine Eollcctc in der Gemeinde vorznuchmcn, um der bedaucrnswcrlhcn Verwaisten wenigstens einen kleinen Thcil des abhanden gekommenen Vermögens zu ersetzen und die eingehende Summe bis zu ihrer deremfrigcn Berheirarhnng sicher anzulcgen. Bei aller Liebe und Verehrung, die man dem Tr. Rüben allgemein der feinem Leben gezollt hatte und auch jetzt nach seinem Tode noch zollte, traf dieser Vorschlag doch auf Widerspruch. Es gibt engherzige Geister, welche stets bemüht sind, eine in ihnen und Anderen aufstcigendc. opferheischende Begeisterung durch das kalte Sturzbad ihrer kleinlichen und kleinlichsten VerstandcSbcrechnungcn niederzndonchen. An solchen Geistern fehlte cs auch im Vorstände der israelitischen «Gemeinde zu M. nicht, und zwar machten sic di: Mehrheit auS. Ter gutgemeinte Vorschlag mußte also fallen gelassen werden. Man haue gegen denselben oorgcbrachr, die Gemeinde sei sowohl in numerischer, als auch in vermögendlichcr Beziehung viel zu sehr im Rückgänge begriffen und den uothweudigstcu Ansprüchen kaum mehr gewachsen, a!S daß die Mitgliroer jetzt eine einigermaßen ansehnliche Summe, um die cS sich doch hier handle, ohne sehr fühlbare VcrmögcnSschüdignng hcrzugcbeu im Staude wären; zudem sei cs ja höchst unwahrscheinlich. daß die Wenhpapiere des Tr. Rüben nicht noch anfgefnndcn werden sollten. Es fei daher auch gar nicht einmal nörhig, sich in dieser Sache zu überstürzen. Sollten die Verhältnisse der Gemeinde sich wieder bessern, so wäre ja dann noch immer Zeit, in dieser Richtung etwas zu thnn. da ja durch die Erklärung dcS^ ersten Vorstehers für die uothwendigsten Vedürfnine der Tochter dcS verstorbenen Rabbiners auf mehrere Jahre hinaus gesorgt sei. TaS war allerdings eine kühle, sehr versrandesmäßige Auseinandersetzung, die sich bei allen Mitgliedern, mir Ausnahme des Vorsitzenden,

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