Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 70 (8.9.1887)
- Date
- 1887-09-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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- 1' r l SXV1IL Jahrgang. Zweite Beilage zu!ir. 70 des Israelit. Zeitungsnachrichten nub (Korrespondenzen. Lesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Skach der Meinung der Antisemiten wlltc den Juden nicht nur Bildung und Aufklärung, sondern auch körperliche Kräftigung entzogen, nicht nur die geistige, auch die leidliche Stärkung verwahrt, nicht nur Universität und Lehranstalt, sondern auch die Turnhalle verschlossen werden. Ta» war auch das Ziel des „Ersten Wiener Turnvereins", als er die jüdischen Mitglieder in brutaler Weise aus feiner Mine ausstieß. Allein damit war den jungen Leuten noch nicht genug. Als vor 14 Tagen inttrcms ein Turucrfcst abgcl,allen wurde, welchem verschiedene Turnvereine beiwohnten, arranairrcn die Wiener Turner euren gcnlcincn Skandal, der ihrer ganz würdig ist. Selbst die christlichen Mitglieder, die nicht antisemitisch gesinnt sind, wurden beschiurpft. Mit den Rusen „Zud," ,.Fndcnacnosse." „Zudcnkucchte" wurden hervorragende Persönlichkeiten angegriffen, und als der Prager Turnverein aufzog, wurde er mit dem Zuruf empfangen: „ftiti Heil. Tu koscherer Turnverein". Tiefes schändliche Benehmen har auch nicht verfehlt, überall die tiefste Entrüstung hcrvorzuruscn, und mehrere Vereine nehmen mm Stellung gegen dieses wüste Treiben. So veröffentlichte der Turnverein von Sr. Pölten folgende Üundmachung: 3n Folge verschiedener in Umlauf gcscyrcr Gerüchte, als befasse sich der hiesige Turnverein mit antisemitische:! Hexereien, sicht sich der gcscrtigtc Turnrath veranlaßt, die Erklärung abzugcbcn, daß der Turnverein Sr. Pölten mrr keinen derartigen Bestrebungen in Verbindung steht und entschieden Verwahrung cinlcgt, mit den gegenwärtig hier ihr Unwesen treibenden Agitatoren in Zusammenhang gebracht zu werden. Wien, 7. September. (T e l e g r a m m .) Kaffer Franz Josef bar soeben dem Umcrstaatssecrciär im egvptischcn Finanzministerium, Blum Pascha (ein gebürtiger ungarischer Jude), das Großband das Franz-Zoscf-Ordcus verliehen. Türkei. Konstautiuopel, 2. Septeniber. Soeben ist hier der berühmte Orientalist und Professor der hebräischen Sprache und Literatur an der Sorbonne in Paris, Herr Joseph Halcvy, cingerroffen. Ter- , selbe wurde vom Tircctor des kaiserlichen Museums, j Mahmud Bey, breher berufen, um die phönrcrsche» Zuschriften auf den kürzlich in Saida aufgesundenen Särgen, die sich nun in diesem Museum befinden, zu entziffern, da die Regierung dieselben auf Staatskosten der Oeffcntlichkeit übergeben will. Mittel - Asie n. Lrhiwa. Tie schon beschlossen gewesene Reise unseres Emirs Said Mohamcd .Khan nach dem Abcndlande mußte abermals und zwar jcpl schon zum zweiten Male vertagt werden. Diesmal geschah dies jedoch nicht ans politischen, sondern aus Eliqncttegründcn. für die man auch an den Höfen Mittelasiens sehr empfänglich ist. Ter Emir wurde nämlich von seinen Ministern darauf aufmerksam gemacht, daß er. da das Khanat Khiwa unter russischer Oberhoheit steht, oder in Europa wenigstens so betrachtet wird, sich au allen Höfen des Abendlandes von den dort beglaubigten russischen Botschaftern oder Gesandten werde vorstcllcn lassen müssen. Diese Perspective wollte aber unserm Emir durchaus nicht Zusagen, da er gerne überall als souveräner Fürst austrilt und so zog er cs vor, lieber daheim zu bleiben, statt als Rußlands Lchensträger die Fürsten Europas zu besuchen. In unserer Gemeinde, welche noch vor zehn Jahren zu den entlegensten und abgeschlossensten MirrclassenS gehörte, vollzieht sich nun eine kleine Umwälzung und zwar in Betreff ihrer Klcidcrtracht. Früher trugen sich nämlich unser Emir,-alle seine Beamte und Ossicierc und selbstverständlich auch die Untcrthanen ohne Unterschied des Geschlechtes und der Eonfcssion rurkomcnisch, d. h. der lange Kaftan und die Lchassclmüye spielten dabei die Hauptrolle. Seit der Rückkehr unseres Emirs aus Petersburg, wo derselbe 18*1 der Krönung De» jcxigen Ezarcn angewohnt harte, hat derselbe jedoch eine große Vorliebe für die europäische Tracht gewonnen und zwingt er auch seine Offiziere und Beauilcn, die neuen europäischen Kleider und Sitten anzunehmen. Ten Ofsiciercn und Beamten machen eS jedoch die Bürger und die wohlhabenden jüdischen Karrilcute nach, die nun ebenfalls anfangcn, sich wie die Ehristen zu tragen. Tics ist aber ein großer Rachthcil für zahlreiche jüdische Familien unserer Stadt, die sich bisher vom Kteiderhaude! austündig ernährten und die nun jcxl der täglich mehr An-