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Der Israelit · 1887-08-29 · Heft 67 (29.8.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 67 (29.8.1887)
Date
1887-08-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1229 beiden Statmtrn, Reparaturen, Beleuchtung und andere Bedürfnisse der betreffenden Synagogen im Aufträge der Mitglieder durch die Gabbaim bestritten. In kleineren Städten ist cs noch nicht einmal so. Aus dem Grunde aber, weil die Mitglieder mit ihren Stände- und anderen Geldern „ihre" Synagoge aufrcchterhaltcn, fühlen sic auch keine Verpflichtung zu einer großen G e s a m m t g e m c i» d c bciznttcncrn. die noch mehr Pflichten hat. Sic halten cs für genügend, wenn sic auf das bischen Fleisch, welches sie pro Tag brauchen, den von der Gemeinde mit den Bcrkäufern vereinbarten Aufschlag — nothgcdrungen entrichten, weil der Fleischer die wenigen lsenlirncs schon selbst abzieüt. Aber der Aufschlag ist nicht ausreichend für alle Gemeindcbcdürfniffe, wenn sic voll und ganz befriedigt werden sollen und schon gar nicht, wenn man auf europäischem Fuße eingerichtet wäre. Was dann ans allen Gcmeindcanflaltcn wird, wenn Zerwürfnisse cintrctcn, kann man daraus entnehmen, das; bei solcher Bcranlaffung auch der Aufschlag aushört und damit das ganze Gcmcindeleben. Zeitungsnachrichten nnd (Korrespondenzen. Deutschland. Kempen. (Posen), 2r. August. GS muß einen jeden cdcldcukcudcu Menschen mit Freuden erfüllen, wenn er sicht, daß auch unter den Ghristen in der heutigen Zeit, wo der Antisemitismus so frech seinHaupt zu erheben wagt, Männer austrctcn, welche diese Bewegung als eine mittelalterliche verdamme» und selbst energisch für die Jnicrcffcu der Juden entstehen-; um so betrübender «ruß cs sein, wenn ein solcher Man», der, wiewohl ein Ghrift, den Inden stets wohlgesinnt war und sich ihrer annahm, durch den Tod von seiner irdischen Laufbahn abberuscn wird. Zu diesen Man-- ncrn gehörte der allgemein geachtete und beliebte Propst Herr Joseph JwaSzkicwicz in 5kcmpen. Zur Zeit, als die Finthen dcS Antisemitismus hoch gingen, bczcichncte er von der .Kanzel herab den Antisemitismus als eine Schmach für das neunzehnte Jahrhundert und für die Gesittung der Menschen überhaupt nnd ermahnte zu wiederholten Malen seine Zuhörer, mir den Juden in Frieden und Eintracht zu leben und sich an ihrer unerschütterlichen Frömmigkeit, ihrem moralischen Wandel nnd ihrem gottgescgnctcn Familienleben ein Beispiel zu nehmcn. Während ferner vor nicht langer Zeit der katholische Pfarrer in der russischen Rachbarstadt Wicrußow gegen die Juden loSzog und e? den Lciuigc» streng untersagte, bei den Juden in irgend einen Dienst zu treten, hatte ganz im Gegensätze zu ihm der verstorbene Herr Josef JwaSzkicwicz in einer seiner Predigten den christlichen Mägden cS warm empfohlen, sich gerade bei den Juden zu vcrmicthc», weil sie von ihnen gut behandelt würden und am ehesten ihren religiösen Geboten obliegen könnten. Zu jeder Zeit, auch im Privatleben, hat sich Herr Jwaszkicwic; den Juden gegenüber höchst wohlwollend erwiesen, und eS ist zürn großen Theil seinem Einflüsse zu danken, wenn in hiesiger Gegend Inden und Christen zum Segen beider in Frieden nnd Eintracht leben. Tic Juden der hiesigen Stadt wußten dies auch zn schätzen, und als er krank darnicderlag, besuchten ihn die Angesehen' sten der jüdischen Bürgerschaft und ließen ihm die größt mögliche Pflege angcdeihen. ES wurde sogar auf seinen Wunsch in der Synagoge e^nr gesagt nnd unter die jüdischen Armen eine von ihm den Vorstehern übergebene Spende vcrthcilt. Seinem Leichenbegängnisse folgte eine große Anzahl von Inden, unter ihnen die Vertreter der jüdischen Gemeinde. Auf dem Kirchhofe dankte ein Geistlicher den „Löhnen Israels" für die Liebe und das Wohlwollen, welches sic stets dem Todtcn entgegen» gebracht. Wir wünschen nur, daß zum Rachfolgcr des verstorbenen Propstes Herrn Jwaszkicwicz ein Mann ernannt werde, der von denselben edlen Gcflunnngcu wie er stets beseelt sein möge. M. Ocstcrr. - Ungar. Monarchie. Wien, 2t». August. Wie seinerzeit geuieldet wurde, haben sechzehn bei der Linzer Advocatcn- .Mcmmcr eingetragene Goncipicnten — im Ganzen zählt die Kammer 22 Eoncipicntcn in ihrer Liste, von denen drei Inden sind — eine Petition an die Kammer gerichtet, die mit einer antisemitischen Begründung in der Bitte gipfelte: „Ter hochlöbliche Änsschus; der obcröstcrrcichischcn Advocarcn-Kammcr geruhe, den in Dbcrösterrcich domicilirendcn Advocaten zu empfehlen, keine jüdischen Advocaturs- Eandidatcn zu verwenden." Wie man heute aus Linz tclcgraphirt, hat die Advocatcn-Kammcr in ihrer gcßrigcn Sitzung diese Pctirion wegen J ncompctenz abgcwicscn. Es ist vorläufig jedoch der Wortlaut der .Kammer-Entscheidung noch nicht bekannt. England. London, 2.°*. August. Ter gestern Hingerichtete Lipski heißt eigentlich Lobulsk und ist aus Warschau; er hat drei Schwestern und zwei Brüder

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