Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-08-29 · Heft 67 (29.8.1887) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 67 (29.8.1887)
Date
1887-08-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449764--27091-2516951
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXVIIL Iahrgau-. erläge zu Nr. 67 -es Israelit. Leitender Artikel. Das israelitische Hemeindekeöen in 'Rumänien. Ursache und Wirkungen (4.) Bon Dr. Elynee X. Connsn. Im Einzelnen ist über das jeweilige Bilden, Bestehen und Vergehen von aschkcuastschen Gemeinden in Rumänien, was fast jedes Jahr und oft ein paar Mal im Jahre in derselben Gemeinde geschieht, Folgendes zu sagen: Wenn sich ein Verein bildet, um die Gemeindeangelegenheiten in die Hand zn nehmen, so hat er von vornherein nur auf wenige Gleichgesinnte und auf gar keine Autorität zu zählen. Respekt wird nicht gegeben und da auch kein äußerer Zwang vorhanden, so liegt die Rothwendigkeir sich in heilsame Anordnungen zu fügen, nicht vor. Tic Obsorge über alle Angelegenheiten der Gelucindc nimmt sich der Verein gar nicht vor, sondern zunächst nur das, was ihm möglich werden wird. Sodann sind Synagoge und Kultus von vornherein ausgeschlossen. Endlich ist cs eigentlich nur die Absicht das von Alters her vorhandene Gemcindevermögen nicht zu Eirunde gehen zu lassen, welche das Eintaglcbeu des Gcmeindcvcrcins Hervorrust, um nach gcthancr Arbeit wieder das Leben auszudanchcn. Direkte Einzahlungen, Beiträge, Spenden zu Gemeindezweckcn, wie anderwärts oder wie bei den »Spaniolen" gibt cs bei den Aschkenastern nicht, Legate kannte man nur in der guten alten, patriarchalischen Zeit. Und doch ist dieser Existcnzmodns sehr nothwendig. Tenn einerseits, besonders seit dem berühmten Berliner Vertrage, ist ein ungeheueres Elend über die rumänischen Israeliten licreingcbrochc», von welchem, wie schon gesagt, die Aschkcnasier, der in Betracht kommende viel reichere Theil ist. Andererseits gibt es eben in Rücksicht ans die große Ueberzahl in der Moldau auch im Verhältnis mehr Reich e, welche direkt mehr beitragen könnten — wenn sic nur wollten. Es ist in der Thal sehr traurig, daß die Reichen uud Vcrwöglichen sich zu direkte» Einzahlungen nicht verüben, sie bei den vorhandenen Flcischabgabcn im . Verhältnis; gerade so viel beitrage», wie der Aermste und damit diesem das in Rumänien schon ohnehin allgemein kärgliche und untergeordnete Leben nur noch mehr verkargeo. Zu Gemcindcbeitragszweckeu gibt es nur eine indirekte, sehr problematischeBesteuerung, nämlich die F l e i s ch t a x e (Gabelle). Es ist dies eine Abgabe vom Fleisch verkauf (einige Eentimes von der Oka fl'/«.Kilogramms Fleisch, die vom Fleischhändler erhoben werden) und eine andere Abgabe vom Geflügelschächten (einige Centimes, die vom Schachet, je nach Art des Geflügels erhoben werden, auf Grund von Geilügclzetteln, die im Aufträge der Gemeinde vor dem Schächthofe dcs Geflügclschochcts verkauft werden.) Wie mau sieht, tritt der Verein inS Leben ohne andere Aktiva als seinen eigenen guten Willen, falls eS nicht gleich im Anfang unter ihnen Ambitiöse gibt, die sich das »Recht" oder die Fähigkeit, dieses oder jenes Amt zu bekleiden, beimessen und beanspruchen. Außerdcnt ist er auf den guten Willen der Flcischhändlcr angewiesen, daß sie sich, unbeschadet der Konkurrenz, gegen ihren uni etwas iheuercru Flcischvcrkauf, zur Erhebung des Taxausschlages verstehen. Versteht sich, gehört auch Treu' und Glauben dazu, daß sie die Tarerträgniffe richtig und an die zuständige Stelle abliefern. Das liegendeVermögeu der Gemeinden, wenn vorhanden, besteht in den Hospital-, Schul- und Wohngebäuden. Von denselben kann jedoch selbstredend kein Ruhen gezogen werden. Tenn, selbst wenn die Schule jahrelang unbenutzt dasteht und mit den anderen Gebäuden zu Wohnungen vermicthet wird, so gibt cs auch Leute, welche die Miethe jahrelang — nicht entrichten. Diese gerichtlich zu fordern oder die Betrcssendcn zu exmittiren, gibt cs keine Möglichkeit, weil die „Gemeinde" ein staatlich anerkannter Verein mit Korporatiousrcchtcn nicht ist, und ein Privatvcrcr'n nicht klage» kann, die einzelnen Personen des Vereins noch weniger. - Ans begründeter Furcht für das Gemeindcvermögcn aber geht, in dem blos interne» Verkehr, nur der Gesammtvercin Verträge ein. Ich habe gesagt, daß die »Rumäne»", »Russen", »Polen" sich nicht als geschlossene Parteien gegen» übersrchc». Es sind nur einzelne diesen Ursprungsländern augchörige Streber »ud Jutriguavten, welche Streitigkeiten auzetteln. Diese bringen von anderswo einen Sckwchct und machen einige Fleischhändler abwendig, die umso lieber von der Ouasi-Gemeinde adspringen, als ihnen die Fleischtaxe theilweise er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.