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Der Israelit · 1887-08-29 · Heft 67 (29.8.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 67 (29.8.1887)
Date
1887-08-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1225 Fräulein ganz roch geworden wäre, als sie chr er. zählt habe, daß Nosalie nicht mehr Alex Braut ist. Stunden verstrichen, den Glücklichen erschienen sie wie Minuten. Das Tiner, das Frau von Lilienfeld ihnen hknaufschickic, kam nahezu unberührt wieder herunter. Der Bater konnte nicht müde werden, sein liebliches Kind zu bewundern. „Wie schön bi» Tu, wie wunderbar schön.- Und zum ersten Mal im Leben freute sich Marina recht von Herzen ihrer seltenen Schönheit. Sie mußte dem Bater ihren ganzen Lebenslauf erzählen: von ihrem Leben im Kloster, ihrem Aufenthalte im Hause der Gräfin Walcwska, - wie dieselbe sie eigentlich für das Kloster bestimmt hatte und nur unter der Bedingung davon abgestanden, daß sie ihre Schülerinnen den Lehren der christlichen Religion zugänglich mache und sie allmählich zur Taufe vorbereite. Daß sie jedoch statt dessen die Lehren der jüdischen Religion kennen und lieben gelernt, und wie sie am ersten Abend des Uebcrschreiumgsscstes, den sie im Streife der Familie Lilienfeld zubrachte, durch Zeremonien, denen sic beiwohnte, sich erst wieder emmert habe, daß sic dicfclbcn auch in ihrem väterlichen Hause gesehen und es dadurch ihr zum Bewußlscin gekommen, daß sie als Jüdin geboren und daß sie seit jener Zeit wissentlich keines der jüdischen Gebote uiehr übertreten. Heiße Thräucn entstürzten den Augen des glücklichen Vaters und seine bebenden Lippen flüsterten ein inniges Tankgebct. Marina hatte ihm auch erzählt von all der Freundlichkeit und Liebe, die sie in der Familie Lilienfeld gesunden; noch sprach sie davon, als Frau von Lillienfcld am Arme ihres Sohnes, gefolgt von ihren beiden Töchtern in das Zimmer trat. ES dulde die .Linder nicht länger unten, sagte sie, und auch sie dränge es, den Wiedcrvereinten ihre herzlichsten Glückwünsche darzubringcn. Sie hatte dem Bater die Hand gereicht, die er mit nahezu krampshastcr Heftigkeit drückte. „Ich möchte Ihnen so gerne danken, gnädige Frau, für alle die Liebe und Güte, die Sic rneirrem .Linde erwiesen haben — aber ich vermag es nicht, die Worte fehlen mir.- Frau von Lilienfeld erwiderte, „daß von Tank seinerseits nicht die Rede sein könne, daß vielmehr sie und ihre Kinder sich seiner Tochter verpflichtet fühlten.- Tann stellte sie ihm ihre .Linder als Marina'S Schülerinnen vor und fegte sich zu ihm, sich mit ihm zu unterhalten. Alexander war inzwischen zu Marina getreten. „Dürfte ich Sie bitten, Fräulein, mir einen Augenblick in's andere Zimmer zu folgen, ich habe Ihnen eine Mittheilung zu machen.- Sie entsprach seinem Wunsche, und als sie sich!m Nebenzimmer befanden, drückte iT die Thür fest in's Schloß. Sie blickte fragend zu ihm auf. „Ter Sanitätsrath hat so eben nach Ihnen gefragt, er kam von Frau Heiligenfels, sie liegt im Sterben, dürste die nächste Stunde vielleicht nicht überleben und unablässig verlangt sie nachJhnen.- Das junge Mädchen entfärbte sich, einen Moment zögerte sie, dann aber sprach sie entschlossen: „Ich gehe sofort hinunter.- Sie eilte zur Thür, er glaubte jedoch sie wanken zu sehen und war im Nu an ihrer Sekte und als ob sich das von selbst verstünde, hatte er ihren Arm in den seinen gelegt. „Sie erlauben, daß ich Sie begleite, Fräulein, ich kann Sie einen derartigen Weg nicht allein gehen lassen. Mama und die Stinder bleiben indcgen bei Ihrem Bater, damit er Ihre Abwesenheit nicht so rasch gewahre.- Marina murmelte einige dankende Worte, ihr Herz pochte laut, die widersprechendsten Gefühle drohten es zu zersprengen. Sie ging an seinem Arm, — hätte sie sich je dieses Glück träumen lassend und sie ging an das Sterbebett jener Frau, die ihre Seele hatte verschachern wollen. Leise ohne anzuklopfe», öffnete Alexander das Krankenzimmer und sie traten ein. Es war bereits Abend, im Hintergründe der Zimmers auf dem Tische brannte die Lampe, ihr greller Schein fiel auf das Antlitz der Sterbenden. Marina fand es zum Entsetzen verändert, sett sie es zuletzt gesehen. Tie Rase schien spitz hervorzutrcten und um Nase und Mund schimmerte es bleiern. Tic Hände zuckten unablässig, fuhren wie suchend auf dem Deckbett umher, während ihr Blick in höchster Seelenangst ans die Thür geheftet war. Als sie das junge Mädchen erkannte, begann es in ihrem Gesicht furchtbar zu arbeiten. Alexander suhlte Marina'S Arm erbeben, unwillkürlich drückte er ihn fester an sich und langsam traten sie näher, ganz nahe zum Bette. In der Brust der Sterbenden röchelte es furchtbar. „Verzeihung!- schluchzte sie „Verzeihung!- „Ich verzeihe Ihnen,- envidcrte Marina mit bebender Stimme, und als sie da-Z Zucken der Hände gewahrte, wähnte sie, die Sterbende wolle ihr die Hand reichen, und sie überwand ihr Grauen, erfaßte die eine zuckende kalte Hand und drückte sie.

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