Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 67 (29.8.1887)
- Date
- 1887-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXYm. Jahrgang. M G7. «l» Zentral - Organ für das ortßodore Zudenthum. Herausgcgebcn vsn Br. Lehman« in Mainz. Montag, de« SS. August S647 (1887). Leitende Artikel. Die Sprüche der Wler. Drittes Buch. XXXVIII. Mainz, 25. August. :c"s«n » nry „(rinc gröbere Bevorzugung ist es, daß ihm kuudgcthan wurde, dab er im Ebenbilde Gottes ist erschaffen worden, wie es heißt: denn im Edendilde Lottes machte er den Menschen." So Jemand einen großen Schatz besitzt, er weiß aber nichts davon; derselbe liegt vergraben in seinem Garten oder ist eingcmauert in der Wand seines Hauses, so ist wohl die Möglichkeit vorhanden, daß er den Schatz auffinde; aber solange dieses nicht geschehen, ist es, wie wenn er ihn gar nicht besäße. Wie oft gehen große Talente zu Grunde, well sie nicht rechtzeitig entdeckt werden'. Ein Knabe besitzt eine herrliche, herzerfrenende Stimme; aber seine Umgebung hat keinen Sinn dafür: ein anderer hat ein hervorragendes Talent zum Zeichnen; er wird jedoch von den Scinigen : vur gescholten, weil er Bücher und Wände mit! seinen, wie sie es nennen, Kritzeleien bedeckt; ein i dritter hat die besten Anlagen, ein großer Gelehrter - Zu werden, wird aber schon in zarter Jugend zu; einem Schreiner oder einem Zimmermaun in die i -ehre gegeben — alle diese Talente verkümmern, ' ^il sie nicht richtig und rechtzeitig erkannt worden. | Lo wichtig also ein Borzug auch sein mag, seinen I wahren. Werth erhält er erst dadurch, daß man | M erkennt und zu schätzen weiß. Daher sagt Rabbi \ ulrda mit Recht: Bevorzugt ist der Mensch, da er % uu EderrbUde Gottes ist erfäanen worden; einen I fingeren Werth erhält diese Thatsache dadurch, daß es ihm kundgethan ist worden, daß er im Ebenbilde Gottes ist erschaffen worden. Dieses Kundthun erfolgte, als Noach und die Seinen nach der Sündflurh die Arche verließen. „Und es segnete Gott den Roach und seine Söhne, und Er sprach zu ihnen: -Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde. Und die Furcht vor euch soll sein aus allem Gewild der Erde und auf allem Gesinge! des Himmels, auf Allem, was sich regt auf dem Erdboden und auf allen Fischen des MeereS, ln eure Hand sind sie gegeben. Alles, was sich regt, was da lebt, euch soll eS sein zur Speise, wie das grüne Kraut habe ich euch Alles gegeben.... Jedoch euer Lebensblut werde Ich fordern, von der Hand alles Lebendigen werde Ich cS fordern, und von der Hand des Menschen, von der Hand eines jeden Menscheubruders werde Ich fordern die Seele des Menschen. Wer Menschenblut vergießt, durch Menschen soll sein Blut vergossen werden, denn im Ebenbilde Gottes harEr gemacht den Menschen." Aus diesen Bersen ersehen wir, daß Gott den Menschen hoch emporgchoben hat über alle anderen Geschöpfe. Nicht allein, daß Gott den Menschen zum Herrscher eingesetzt hat. Er hat ihm auch gestattet, die Thiere, Bögcl uud Fische zu tobten und zu verzehren. Dagegen hat Gott auf's Strengste verboten, einen Menschen zu tödten, und der Allmächtige bedroht denjenigen mit der härtesten Strafe, der cs dennoch t'hnt. denn im Ebcubilde Gottes ist der Mensch erschaffen worden. Ter im Ebenbilde Gottes erschaffene Mensch soll seinem Schöpfer dienen, seine unsterbliche Seele vervollkommnen und nach den höchsten Zielen streben. Wer ihn daher zur Unzeit hinwcgrafft, der vergeht sich nicht nur gegen den Körper, sondern auch gegen die Seele des Menschen, die er daran hindert, Gott zu dienen und sich zu vervollkommnen. -- Rabbi