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Der Israelit · 1887-08-25 · Heft 66 (25.8.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 66 (25.8.1887)
Date
1887-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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„Ich habe es jetzt eben erhalten, in zwei Stunden wird Ihr Bater hier fein.* Ein Freudenschrei entfuhr ihren Lippen, während rin Strom von Thräueu ihren Augen cntstürzte. „Pater!* schluchzte sie, „Luter!“ und wieder erfaßte sie ein heftiges Zittern. Alexander schüttelte den Kops. „Fassen Sie sich, liebes Fräulein, suchen Sie diese Schwäche zu überwinden; ich glaube, Sic können es, wenn Sie den festen Willen dazu haben.* Er reichte ihr ein Glas Wasser und bat, sie möge es trinken; sie entsprach seiner Aufforderung, dann athmcte sie tief auf. „Ich danke Ihnen — Sie haben recht, ich muß diese unzeitgemäße Schwäche überwinden — und ich werde es auch. — In zwei Stunden kommt nrein Vater,* fuhr sie mit leicht vibrircnder Stimme fort, während ein glückseliges Lächeln ihre Lippen umspielte, „mein Later! — mein Later! —* „Werden Sie zur Bahn gehen, Fräulein?* fragte Jofefine. „Gewiß, gewiß —* „Ich glaube nicht, Fräulein, daß Sie das wagen dürfen,* fiel Alcrander ein, „Sic dürfen Ihrem Later nicht vollständig unvorbereitet cmgcgcmreten. Gegenwärtig ahnt er noch' nicht einmal, daß Sie sich hier befinden, er hofft nur, hier Nachricht über Sie zu erhalten.* „Sie haben recht,* finsterte Marina, „aber —* „Ich werde Ihren Later an der Bahn empfangen, werde mir ihm hierher ins Hotel fahren und ihn allmählich auf das Glück vorbereitcn.* „Sic sind so gut, so gut — ich werde Ihnen nie genügend danken können — aber bitte, wenn Sie mit mcincnl Vater von der Bahn herfahren, nehmen Sie einen offenen Wagen — ich werde in einem Wagen vor dem Bahnhof warten und dann dicht hinter Ihren! Wagen fahren, so werde ich doch wenigstens meinen Later gleich sehen.* „Tiefe Gefälligkeit erweise ich Ihnen um so lieber, als Mama schon dieselbe Idee geäußert bat. Mama wird sich sogar das Vergnügen machen. Sie zum Bahnhof zu begleiten.* Manna eilte in überströmeuden Dankgcfühle in Frau von Lilienfelds Boudoir und drückte deren Hände an ihre Lippen. Frau von Lilienfeld jedoch zog sie freundlich an sich und küßte sie und forderte sie auf, recht bald Toilette zu machen, da cs schon bald Zeit sein werde zum Bahnhof zu fahren. Tiefe freudige Theilnahme an dem Geschick des intereffantcn, jungen Mädchens that den Nerven der zuweilen wirklich leidenden Frau überaus wohl und überdies erblickte sie in ihr bereits die zukünftige Verlobte ihres Sohnes, der jedes freundlich theilnehmende Wort, das sie an Marina richtete, mit dankendem Blicke ihr lohnte. Zur bestimmten Zeit befanden sich die Dameu vor dem Babnhofe, während Alexander auf dem Perron der Ankunft des Zuges harrte. Jetzt vernahm man ein. langgedehntes Pfeifen, dann das Schnauben des Dampfrosses, das Raffel» der heranrollenden Wagen, dann folgte verhältnißmäßige Stille. Besorgt blickte Frau von Lilienfeld in daS gcisterhaftbleiche Angesicht des jungen Mädchens, das mit weit aufgerissenen Augen die auS dem Bahnhof herausströmenden Menschen musterte. „Kind, liebes Kind,* bat Frau von Lilienfeld, indem sie Marina's kalte Hand innig drückte, „nehmen Sie sich zusammen, ich bitte dringend darum.* Diese nickte mit ihren farblosen Lippen lächelnd ihr zu. Doch gleich darauf sprang sie auf. „Dort!* flüsterte sie, „dort! —* Auch Frau von Lilienfeld blickte dorthin und gewahrte an Alexanders Seite, der eben die vom Bahnhof zum Trottoir führenden Stufen herunterschrill, einen hochgcwachsenen, bleichen Mann, deffeu allerdings etwas leidende Züge unverkennbare Aehnlichkcit mit Marina's lieblichem Angesicht, zeigten. „Barer!* flüsterte Marina, „Later!* — „Ruhig, Kind! um Gottes willen, ruhig!* bat Frau von Lilienfeld, indem sie die Zitternde zurück in die Kiffen des Wagens zog. „Sie müssen sich ruhig verhalten, Sie dürfen seine Ausmerksamkeil nicht auf sich ziehen, er scheint etwas leidend.* Marina drückte die Hand der freundlichen Dame, ihre ganze Seele aber lag in ihren Blicken, die au dem Manne hingen, der mit Alexanders Hilfe eben in den Wagen vor ihnen stieg, und dann setzten beide Wagen sich in Bewegung. Frau von Lilienfeld hielt die Hand Marina's, die hochaufgcrichtet neben ihr saß und unablässig auf ihren Later blickte. Heber ihre bleichen Wange» glitten Thräncn auf Thränen und dennoch strahlte ihr Antlitz wie verklärt. Endlich hatte inan das Hotel erreicht. Alexander stieg zuerst aus, half dann feinem Gefährten aus dem Wagen und geleitete ihn i» daS HauS. Frau von Lilienfeld und Marina folgten. Frau von Lilienfeld forderte das junge Mädchen auf, sie in ihr Zimmer zu begleiten; Marina jedoch, so lange sic nicht zu ihrem Bater konnte, fand jede Gesellschaft unerträglich und eilte dankend in ihr eigenes Zimmer.

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