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Der Israelit · 1887-08-22 · Heft 65 (22.8.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 65 (22.8.1887)
Date
1887-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1190 einzelnen Mitglieder unter das einmal Beuchende und neu ^efiaeicötc zu festigen. 3ic frfilicfjcn konsequent jcdeS Mitglied ans, welches in der Gemeinschaft Mißhelligleiren bervorzl'.rufcn sucht und ersticken damit die Uneinigkeiten im Keime. Alke zur Rcligionsgenossenschaft gehörigen Institute, die Snnagoge, welche überall nur eine ist, die Gbewra-Kadiscka, Schul- und Wohlthätigkeitsanstalten, sind in der Hand eines Gomitc's centralisirt, welches dann nach eigenem Grmcnen die Ucbcrwachnng der einzelnen Theile an geeignete Personen überträgt. Neu in einer Stadt uch niederlassende Angehörige derselben Dichtung »tönen stch in die Gemeinde eintragen lasten, ans die Gefahr hin von sämmtlichen Institutionen derselben, sogar von der Synagoge auSgeschlonen zu bleiben, und da» die Kultnsbeamten sich au den freudigen oder traurigen Anlässen solcher Familien nicht bethei'igeu. Zum Unterhalt der Gemeinde sind direkte Taren und Einzahlungen eingerichtet, die nach Stand und VermögensverlZlNiisien so abgcschätzt sind, das; sie Niemandem schwer fallen, die Reichen unter den Spaniolen aber sind die eigentlichen Gr- Halter der Gemeinde und sind stets zu Cyfcrn für diesen Zweck willig — im Gegensatz zu den Aschlenasiern. Ter früher auch bei ihnen üblich gewesene Ausschlag auf das lonsnmirende Fleisch, ist, weil er zu Intrignen und Reibereien geeignet ist und seitdem er gesetzlich nicht mehr geltend gemacht werden kann, ja nicht mehr erhoben werden darf, gänzlich abgeschafft. So sind die moralischen und materiellen Bedingungen für die Gristenz der spaniolischen Gemeinden vorhanden. Mit den Aschkenasicrn mischen sich die „Franken^ in keiner Weise, weder in religionsgerneindliclKT Beziehung, noch in der Gesellschaft. Seiten kommt eine Ghe unter den beiden Riten vor und dann ist bei einer solchen „Mischehe" der oder die „Polnische", wie sämmtlichc Aichkenasier ohne Unterschied von den Sevbardiern genannt werden, der leidende Theil. Solche Verbindungen sind nicht glückliche, weil die Spaniolen sich für etwas Besseres halten und ihren Glanbensgenoncn vom occidentalifchen Ritus denselben Ha» oder Perachtnng emgegcnbringen; wie die christlichen Rumänen. Gerechtfertigt ist ja die 'Absonderung in religionsgenostenschastlicher Beziehung nur zu sehr, da dieselbe bei der Unordnung der aschkenasischen Gemeinden geboten ist. Allein d es ist der Grund nicht, sondern einzig der Stolz, wenn ich so sagen soll: der „Ra»enversckiiedenheit": ganz so. wie mir 1880, in .... ... einem belgischen Eisenbahnwagen reisend, ein rusfifcher junger Mann, aus meine Bermuthung, daß er Israelit wäre, stolz erwi derte, „was, ich bin »laraite!" Ihr Stolz hat aber darum keine Rechtfertigung, weil die Spaniolen in der Bildung tief hinter den „Polnischen" zurückstehen. Während die Aschkcnasien eine große Zahl Prkvatgelehrter im Hebräischen und eine noch größere Anzahl akademisch Studiner haben, besitzen die Spaniolen selbst im Bcrhältuiß zu ihrer Minorität nur Wenige dort beiden. Auch religiöse Differenzen sind der Grund nicht, denn, von ihrer geringen gottesdienstlichverschiedenen Form abgesehen, sind sie in allem übrigen israelitischen Leben gerade so fromm oder unfrontm, tvie ihre Gegenfüßler. Ihr vornehmes Fernhalten von ihren eigenen Ltammesgenoffen hat aber bedauerliche Folgen nach verschiedenen Richtungen hin. Zunächst bildet sie ein unüberste'gliches Hinderniß für die Gntwickelung und das Fortschreiten der KultnSgemeindcn in der Wa lachet. Wenn auch die Besorgnis; nabeliegt, daß sie durch Bereinigung mit den Aschkenasieru zu einer Rcligionsgenostenschast an ihrer bisherigen Ordnung Schaden nehmen könnten, so ist es ebenso naheliegend, daß sie, mit der gebotenen Reserve eine Berbindung eingehend, das gute Beispiel, ihre straffe Organisation, als Bedingung und Grundlage ihres Ginttittes, bei den Afchkenasicrn cinsührcn könnten. Ihr größerer Reickthnm, obwohl sie in der Minderzahl sind, würde ferner zu der moralischen Unterlage die materielle hinznsügen, und ist diese einmal vorhanden, so kann die Gemeinschaft als Ganzes existiren und immer mehr gefestigt werden. Biel intensiver aber ist die Wirkung ihres ZurückhaltenS auf das Verhalten der Negierung den Israeliten als G e sa mm th ei t gegenüber. Tenn ihre Absonderung bestärkt in mehrfacher Beziehung die Regierung in ihrem feindseligen Anstreteu und erleichtert es ihr. Das feindselige Verhalten der Spaniolen zu den Polnischen und Letzterer unter sich, wie ich im Folgenden zeigen werde, ist, nach dem letzten Ministerialbeschluß vom Jahre 1868 mit ein Grund, der, ich kann es nicht genug wiederholen. die politische Lage herausbeschworen, der seit über zwanzig Jahren sie immer mehr verschlimmert und unerträglich gemacht hat.

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