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Der Israelit · 1887-08-22 · Heft 65 (22.8.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 65 (22.8.1887)
Date
1887-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1187 1 Ccficrr. * Ungar. Monarchie. Prag. Tiefer Tage langte die behördliche Bewilligung zur Errichtun» ciricS Friedhofes auf dem von der israelitischen Beerdigungs-Brüderschaft angckauflcn Grundstücke nächst dem eine Stunde von Prag gelegenen Crtc Llraschnitz herab. Tie boacessioa erfolgte unter Feststellung mehrerer sanitätspolizeilichcr Bedingungen und zwar, daß jede Reiche ein selbstständiges Grab erhalten müsse, dessen Timeusion genau vorgcschriebcu wurde. Tie ortSxolizciliche Aufsicht über den neuen Friedhof wurde der LradtgcmcindeZizkow übertragen. Aach Ablauf der Nctursfrist werden die Borarbeiten zur Adoptirung des Friedhofes eingclcitet. (Jsr. Gemztg.) Die ConverLiLiu. Bon Friedrich Rott. (Fortsetzung.) ES war in der Thal Marina'S Stiefmutter, die gleich nachdem sie den Gatten verlassen, die Taufe empfangen und den Namen Hcilkgcnfcls angenommen hatte. Turch ein schändliches hier nicht näher zu bezeichnendes Gewerbe, hatte sic sich rin nicht unbeträchtliches Bcrmögcn erworben. Ihr einziges, reines Gefühl war ihre leidenschaftliche "rede für ihr Kind. Als ihr dieses jedoch in solch entsetzlicher Weise cntnsicn worden, da war zum cNten Mal das Gcwinen in ihr erwacht und seitdem tobte es fort und fort in ihrer Brust, Konnte ne auch das an ihrem Galten begangene Bcrbrechen nicht wieder gut ruachen, so hoffte sie doch durch Mirrheilung der Persönlichkeit, der sie sein Kind übergeben hatte, ihn in den Stand zu setzen, mit Erfolg nach demselben zu forschen. Tarum hatte «c durch einen Advokaten sich nach seinem gegenwärtigen Aufenthaltsort erkundigen lapen, und e!s es ihr zu lange wähne, bevor sie Antwort ermclt. wollte sie die Anwesenheit der Frau von -Jluriifdö oder ihres Lohnes benützen, um möglicherwene durch sie Auskunft zu erhalten. Alexander hatte das noch immer bewußtlose. junge Mädchen hinaus in den Korridor getragen, wo er seine Schwestern traf. Sie wollten laut aufschreicn, als sic ihr geliebtes Fräulein lcichen. ähnlich in ihres Bruders Armen sahen. Doch Alexander winkte ihnen, sich ruhig zu verhalten. „Zeiget mir Euer Zimmer," flüsterte er, „ich will sie dorthin tragen, ich hoffe, sie wird rasch wieder zu sich kommen." Ioscfine eilte voraus und öffnete die Thür ihres Zimmers, Gabriele aber eilte zuvor in das Zimmer ihrer Mutter und eutuahm von dort einige Flacons mit stärkenden Essenzen, dann eilte auch sie schleunigst in ihr Zimmer, wo ihre Geschwister die Ohnmächtige auf das Sopha gebettet hatten. Alexander sprengte kaltes Waffcr in das bleiche Angesicht, Gabriele rieb ihr Stirn und Handgelenk mit deu Essenzen und schon nach tbenigcn Minuten schlug sie die Augen auf. Alexander trat rasch zurück, sie sollte seine Gegenwart nicht sofort gewahren. Josefine aber streichelte ihre Wangen und küßte sie. „Wie geht cS Ihuen, liebes Fräulein? — ach, Sic haben so arg auSgcsehen — ist es Ihnen jetzt wieder besser?" Gabriele winkte der kleinen Schwätzerin, sie möge schweigen, befeuchtete eine Eompreffe mit Eau de culogne und legte sie der Gouvernante auf die bleiche Stirn. Diese athrnete tief auf, dann richtete sie sich aus und saß einige Minuten schweigend da. Wiederholt fuhr sie sich mit der Hand über die Stirn, alS suche sie sich an'das Borgefallcne zu erinnern. „Habe ich denn geschlafen?" wandte sie sich an die Kinder, „daß es mir geträumt hätte?" „Was hat Ihnen geträunrt, Fräulein?" fragte Josenne neugierig. Marina fuhr sich abernrals mit der Hand über die Stirn. „Hätte ich's wirklich nur geträumt? — C, ich war sö glücklich! —" „Nein, liebes Fräulein," sprach Alexander, näher tretend, mit bebender Stimme, „nein. Sie haben nicht geträumt — cs ist Wirklichkeit." „kr lcbt!" schrie sic. aufspringend, „mein Bater lebt! — wo? — wo? — um Gottes Barmherzigkeit willen, sagen Sie eS mir? —" Sie war zu ihm gestürzt, hatte seine beiden Hände ergriffen, die sie mir krampfhafter Heftigkeit drückte, ihre wunderbar schönen Augen hob sie flehend zu ihm empor, während helle Thränen ihnen cmstürzren, „wo ist mein Batcr? — wo? —" Sie sinterte fo heftig, daß die Kinder sie umschlangen, sie fürchteten sic auf's Neue umsinken zu sehen.

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