Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 64 (18.8.1887)
- Date
- 1887-08-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449761--27026-2516883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
***«»'' -1^<r'. •yxg.v.^ •——£••. XXVJIL Jahrgang. Erste Beilage zu!lr. 64 Les Israelit. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Würzburg, 15. August. Im hiesigen „Fränkischen Äolksblatt", einem antisemitischen Hetzblatt, findet sich folgende Non;: „In Wien starb kürzlich, wie die Bloch'sche „Israelitische Wochenschrift" initthcilt. ein Hebräer, der als vermögensloser Anfänger im Tarife von 20 Jahren nahe weniger als 100 Häuser in seinen Besitz gebracht. — Auch die Zeitschrift der „Israelit" verzeichnet diese und ähnliche Erscheinungen mit Befriedigung und bemerkt dazu, „daß bei gleicher Fortentwicklung der Ver- - dältnifse in Galizien schon binnen 10 ° Jahren es keinenBesitz in nichtjüdischeu ' Händen mehr geben werde, denn heute j \ schon gehören dort80Procent d eSEigeni? rhums den Juden." Schreiber dieses, der ein * fleißiger Leser Ihrer Zeitschrift ist, fand aber nichts! von Borstchcndem erwähnt. I GS wäre erwünscht, wenn eine verehrliche Nc- % tection hierüber Aufschluß geben wollte. 1 (soweit die obige Notiz den „Israelit" i cirin, so ist dieselbe erlogen und aus der Luft gegriffen. (5s ist jener Satz (oder auch nur entfernt AehnlichcS) niemals im „Israelit" veröffentlicht worden. Ticstlbc Lüge wurde bereits im Jahre is$2 von anrüemilischcn Blättern colportirt und im Jahre 1tz8:r sogar im Lcsrerr. Reichstage vorgcbracht, was uns damals veranlaßte, in den gelefeustc» Wiener Blät-! : :ern die Erfinder und Verbreiter dieser Lüge als Lügner und Verleumder zu kennzeichnen. — Wir : ersuchen den geehrten Herrn (5orrcspondcnten, dafür zu sorgen, daß diese unsre Erklärung in die Zcitnngcn der Gegend gelange, in welcher das „Fränkische Volksblan" feinen Leserkreis hat. — Tic Redamon des „Israelit", Tr. Lehmann.)? . Wrcfchcn, 14. August. Ein Tovvclmord ist f vergangener Woche nahe der wcstrussischen Grenze I vorgrkommen, welcher die Anverwandten in hiesiger; in große Bctrnbniß versetzt. Tie Kanflente? Rogatsch, ttleezcwski aus Zagorowo und Fricdlän-; ‘fr ans dem Torfe bei Persern begaben sich nach Lodz, um Einkäufe zu besorgen. Unterwegs wurden dieselben in eineni Walde von vermumulren Individuen angegrift'cn, der Baarschaft beraubt und Nogatsch, sowie itlcczcwSky ermordet, Friedländcr erhielt arge Verletzungen, doch kam derstlbe noch glücklich mit dem Leben davon. Tie russische Behörde ist zwar sehr dahinter, die Mörder ausfindig zu machen, doch aber scheint cs, daß die ruchlose That uncnrdcckt bleiben wird. Ter Kutscher des Gefährts wurde sofon verhaftet, da angenommen wurde, daß derselbe mit den Raubmördern im Einvernehmen gestanden. — Tie Mord-Afsaire Slrchlitz in Trcmcsicn beschäftigt noch immer die Behörde mir der Nachforschung nach dem oder den Mördern. Zwar sind Personen dicscrhalb verhaftet, aber die Verdachlsmomenle sollen durch einen AlibibewciS erschüttert sein. Ist dies der Fall, so scheint über dieser Schreckensrhat ein Tunkcl zu schweben. Rußland. Warschau. Tie russischen Repressalien gegen die dcnlschcu Ausweisungen nehmen einen immer größeren Umfang an. TaS Herüber- und Hinüberschicben der beiderseitigen Staatsangehörigen will kt in Ende nehmen. Tie fremden feindliche Strömung in Rußland, die ein wenig nachzu'asicn schien, ist neuerdings schärfer zum Durchbruch gckonimcn. Darüber klagt ein Warschauer -torrcspondent der „Post", welcher berichtet: „Auf Antrag des hiesigen General-Gouverneurs ist cs gestattet worden, daß diejenigen ausländischen Juden, welche ihr Gildenpatent bis zum I. Januar k. I. bezahlt haben, bis zum Abläufe dieses Termins ihre Geschäfte sorttreibcn können. Eine weitere Verlängerung der Gilderrparentc ist aber bisher nicht zngcstatlden und alle dcsfallsigen Gesuche, selbst die von dem General-Gouverneur defürwotteren, sind' von dem Finanzminisicr abschläglich beschieden worden. IleberdieS ist in den Anttvottschrciden deS Finanzministeriums auf diese Gesuche noch ausdrücklich bemerkt, daß die jüdischen Bittsteller nach Ablauf des obenerwähnten Termins Rußland zu vertanen därtcn. Für diejenigen unter ihnen, welche hier Besitz haben und seit langen Zeilen, hier wohnen, wird die Ausführung jener Maßregel eine besonders hatte sein. Ueberhaupt ist cs schwer er sindliÄ, was zuletzt die Juden, Ausländer und Inländer, anfangen sollen, wenn die bestehenden