Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 64 (18.8.1887)
- Date
- 1887-08-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1161 unserer Weisen: rsn "!2i c"\h (Es ist eine Pflicht, die Worte dcS Tobten zu vollziehen), dasselbe demjenigen zuzuscndeo für den cs eigentlich bestimmt war. Ehre dem Ehre gcbühtt! Ter Sultan hat neulich 300 Stück LrdenSdecorationen mit den betreffenden Diplomen dazu nach Krem gesendet, um sie an die dortigen Bewohner vcrthcilcn zu lassen. Einige dieser Tecorationcn wurden auch an Israeliten verliehen. Serbien. Jur Warnung der Oricntrciscndcn veröffentlicht das „Neue Wiener Tagblatt" eine vom 9. d. M. datirre Zuschrift aus Nifch in Serbien, welche ein entsetzliches Schlaglicht auf die in völlig Milans Reich herrschenden LicherheitSzustände wirst. Wie alljährlich, kam vor zwei bis drei Wochen ein au» Rußland gebürtiger Teppichhäudler, Namens Josef Abramowitsch, nach Pirol, um feine Einkäufe in den hier wunderschön hcrgcftelltcn Teppichen zu besorgen. Er kam, mit ordnungsmäßigen Neifedokumeurcn versehen, über Sosia-Saribrod um 7 Uhr Abends nach Pirot und logirte sich in einem ihm bekannten Gasthause ein. Seine von früher ihm bekannten Tcppichfabrikautcn erfuhren bald von seiner Ankunft und saßen mit ihm dis nach '0 Uhr fröhlich beisammen. Kurz darauf erschienen zwei Gcnsdarmcn diensteifrig, den Abramovitsch auffordcrnd, ihnen zum Präfekten sofort zu folgen. Adramovitsch, ganz überrascht, sträubte sich energisch gegen diese nächtliche Vorladung und verheuerte, daß seine Reiscdokumcnlc in Ordnung seien, sowie, daß er am andern Morgen zeitig dabin kommen werde. Die zwei Gendarmen wollten jedoch davon nichts wüten, sondern bestanden darauf, ihren angeblich vom Präfekten erhaltenen Befehl durckizusührcn. Sic schleppten Abramovitsch fort, welcher leider nicht mehr znrückkchreu sollte. Am folgenden Tage um 5 Uhr Morgens kamen einige Tcppichfabrikantcn in das Gasthaus, den Abramovitsch zu suchen, denen aber der Wirth nur das Abends Geschehene '.miuheilcn konnte. Inzwischen wurde cs 2 Uhr Nachmittags — und Abramovitsch war noch nicht da. Ten guten Leute» erschien dies räthsclhast, woraus sie sich zum Präfekten begaben, um Auskunft zu erhalten. Ter Pomotfchnik (Vertreter des Präfekten, welch Letzterer auf Urlaub in einem Bade war), hierüber ganz erstaunt, sagte ihnen, daß er von diesem ganzen Sachverhalte nichts wisse, und daß ihm bezüglich einer Verhaftung Abramovmchs nicht mitgethcilt wurde. Ter unglückliche Reisende blieb verschollen; aber nach ungefähr 14 Tagen fanden Kauern auf dem Felde, an einer Stelle, wo im serbisch-bulgarischen Kriege Schanzen errichtet gewesen waren, in der Nähe von Pirot, seine verscharrte Leiche. Nunmehr wurden die betreffenden zwei Gendarmen verhaftet; dieselben machten folgende Aussage: Im Aufträge ihres Lieutenants brachten sie um U Uhr Nachts den Abramovitsch zur Polizei. Ein vom Lieutenant verfertigter Befehl mit Amtssiegel, daß man Abramovitsch wegen Verdachts der Spionage sofort an die bulgarische Grenze befördern solle, wurde dem Abramovitsch vorgelcsen und ihm bedeutet, daß seine im Gasthanse zurückgelasscnen Essekren bereits dahin crpedirt worden seien. Ein einspänniger Wagen (Eigenthum des Lieutenants) stand schon vor der Thüre, Abramovitsch wurde hinaufgcschleppt, drei Gendarmen blieben bei ihm, und so fuhren sic gegen die bulgarische Grenze. Vor dieser bogen sic aber rechts zu den erwähnten Schanzen ein, schlachteten dort den Abramovitsch ab, ihm seine Baarschaft von 1500 Imperials abnehmend, und begruben ihn daselbst. Nachträglich sollen sic auch cingcstandcn haben, daß derselbe Gcnsdarmericlicutcnaut im Einverständnisse Ulit seinen fünf Gensdarmcn schon seit zwei Jahren dieses Mörderhandwerk betreibe, und cs sollen ungefähr sechzig Personen auf solche Weise ermordet worden sein; 22 goldene Uhren fammt Ketten, Brillant- Ohrgehänge, Medaillons re. wurden bei ihnen vorgcfundcn. Zwei französische Korrespondenten, die während des Krieges in Pirot waren und von da ihren letzten Brief dalkrten, sollen auch diesen Kopfabschneidern zum Opfer gefallen sein. Ter französische Gesandte aus Belgrad ist vor drei Tagen direkt nach Pirot gereist und soll einen Ring von den Ermordeten gesunden haben. Er ließ einen WachSabdrnck des Ringes anfertigen und sandle ihn nach Frankreich. Ein Stallmeister dcS Fürsten Alexander von Bulgarien, der im vorigen Jahre von Sofia über Zaridrod-Pirot-Nifch-Lclgrad in feine Hcimath reifen wollte, ist gleichfalls von dieser Bande ermordet worden. Im Februar laufenden Jahres war auch ich — d. h. der. Bricffchrciber des genannten Wiener Blattes — in Pirot und wurde von demselben GensdarmerieUcutenant um 10 Uhr Abends auf offener Straße streng aufgefordcrr, mich zu legitimiren. Ich sagte ihm, daß ich ein Rischer Kaufmann bin, daher keinen. Paß benölhigc, worauf er mich mit Gewalt zur Polizei führen wollte. Ta aber dies gerade vor meinem Logirhaufe war, sprang ich hinein, fing,zn lärmen an und lcgitimirtc mich durch die daselbst beim