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Der Israelit · 1887-08-18 · Heft 64 (18.8.1887) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 64 (18.8.1887)
Date
1887-08-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVJULL Jahrgang. 71« 64. El» Kentrak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegcbcn von l>r. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den IN. August 5647 (1887). Leitender Artikel. Are Spruche der Mter. Drittes Buch. XXXV. Mainz, 15. August. npw :"D. „2ic Mauer für die Weisheit ist — Schweigen!" — Die (Erklärer unsrer Maßcchta werfen die Frage auf, warum der Weise in diesem Schlußsätze seines Ausspruches die Wortstellung umkchrt; in den Vordersätzen nenul er inimer dasjenige, welches die Mauer bildet, zuerst: die Maßorah ist eine Mauer für die Thora, die Zehnten sind eine Mauer für denRcichthnm, die Gelübde sind eine Mauer für die Enthaltsamkeit, und hier sagt er: eine Mauer für die Weisheit ist das Schweigen. Viele Erklärer meinen, cS fei das nur des Wohlklangcs wegen geschehen. Andere dagegen meinen, Rabbi Aklba habe damit die hohe Wichtigkeit des Schweigens für die Erhaltung der Weisheit ganz besonders hcrvorhcbcn wolle», und diese Ansicht scheint die richtigere zu sein. Weisheit zu erlangen, ist außerordentlich schwer. Durch Kleist und gute Artlagen kann man sich eia großes Maß von Ztenntuinen erwerben: aber viele «cnntnisie verleihen nicht immer die Weisheit. Ter Weife muß viel gelernt haben: aber derjenige, welcher viel gelernt hat, ist dcßhalb noch fein Weiser. Roch schwerer als die Weisheit zu erlangen ist cs, die Weisheit zu crhalten. Ein gutes Gedächtnis bewahrt getreulich die rnancherlci.stcirmmsic, die man erworben hat; aber cs genügt nicht, um die Weisheit zu erhalten. — Wer wahrhaft weise werden will, der muß cs verstehen, seinen Geist nicht allein zu einem viclumsüsicndcn zu gehalten, der muß sich auch in die Gegenstände, die er erlernt, vertiefen, nach den Gründen ihres Daseins forschen, ihre Entstehung prüfen, ihre Wesen erfaffcu und ihren Endzweck begreifen. Alles, was Rabbi Akiba in den Vordersätzen dieses seines Ausspruches lehrt, sind nur Vorstufen für die Erlangung und Bewahrung der wahrhaften Weisoeil. „Spiel und leichtsinniges Betragen führen allmählich znr Unsinl'chkcit." Wer weise werden will, muß frühzeitig auf die Gcnüffc dieser Welt verzichten lernen. Wenn Andere dem Vergnügen nachjagen, muß er selbst den unschuldig scheinenden Vergnügungen zu entsagen wissen; er muß bedenken, wohin sie führen; denn nicht kann wahrhaft weise sein, wer der sittlichen Reinheit entbehrt. — „Tie Ucbcrliefcrung ist eine Mauer um die Thora." - Schon in dem hebräischen Worte Massorerh liegt gerade so wie in dem deutschen Worte Ucberlieferung die Bedeutung, daß man die Thora nicht ans sich selbst schöpfen kann, sondern daß man sie überliefert bekömmt. Moscheh cmpsing die Thora von Gott und überlieferte sie dem Iosua, Iosua den Aeltesten und so fon bis auf unsre Tage und bis in Ewigkeit weiter. Wie das Vermelden von Schcrzreden. vorn Spiel und Tanz, wie die Erhaltung der strengsittlichen Reinheit die erste Vorbedingung zur Erlangung der wahrhaften Weisheit ist, so ist der Eifer, die Uederliefcrung aufznnchmen, die zweite Vorbedingung. Rabbi Äkiba hat eS durch fein Beispiel bewiesen. Scchszehu Jahre lang saß er zu den Füßen seiner großen Lehrer, hörend, schweigend, lediglich bemüht, ihre Lehren in sich amznnchmen. — „Tie Zehnten sind eine Mauer für den Reichlhum." Viel mehr als die Arnnlth hält der Reichlhum die Menschen von der Erlangung der Weisheit ab. Derjenige, welcher die Rcichthümer, die Gott ihm verliehen hat. nur für sich verwenden will, wird niemals weife werden. Wer aber einen Tdcil derselben den Armen zuwendet, beweist dadurch, daß sein Herz

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