Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 62 (11.8.1887)
- Date
- 1887-08-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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awnran« . 1121 durch feinen Botschafter in Paris erfahren, unser Ldcrrabbincr habe vor einigen Tagen an die „Alliancein Paris tclegraphirt und ihr angczcigt, daß im Bezirke Zaho fünfhundert Israeliten dem Hungerlode erlegen seien. Sc. Majestät beauftragte sogleich telegraphisch unfern General-Gouverneur Tachsin Pascha, unfern Lbcrrabbincr vor sich zu laden und ihn zu fragen, „mit welchem Rechte er eine solche falsche Nachricht, welche nur dazu bestimmt ist, den Sultan und seine Minister zu compromittireu,- au die „Alliancezu tclcgraphiren. Tachsin Pascha ließ nun unverzüglich unseren Obcrrabbiner sammt den Parnassim in den Palast bescheiden, worauf Erstcrcr dann unter Thronen cingestand, daß er blos zu dem Zwecke diese Allarm- Tcpeschenach Paris und London geschickt habe, um das Milleid der dortigen Glaubensgenossen in einem höheren Grade zu erregen und von ihnen so reichliche Geldspenden zu erhalten. Seine Nachricht sei ganz falsch und reducire sich darauf, daß fünf oder sechs jüdische Familien Zaho, J)cr dort herrschenden Hungersnot!) halber, Verlagen haben und nach einem andern Distrikte anSgcwandcrt seien, llebrigens haben auch diese wenigen Familien eine gehörige Unterstützung von der Negierung erhalten. Tachsin Pascha ließ nun über diesen Vorfall ein Protocoll ausnehmen und von unserem Oberrabbincr und den Parnassim unterfertigen, rvorauf er dasselbe nach Konstantinopcl schickte. Tie (Entschlüsse des Sultans werden daher stündlich erwartet. Feuilleton. Eine jüdische Forschungsreise in A r a § i e n.*) (Fortsetzung.) Das Wort Etiquctte kennt man noch nicht an den Höfen der kleinen arabischen Fürsten, und wer dort den Laudesücrrn sprechen will, der braucht nicht erst schriftlich um eine Audienz anzusuchen, sondern verfügt sich ganz einfach in dcpcn Behausung oder um uns hofgemäß auszudrückcn, in dessen Rcsidcnzpalaft, wo er dann ohne Weiteres feinen Fürsten sprechen kann. Auch auf die Tageszeit braucht man da keine Rücksicht zu nehmen, denn in diesem Punkte sind die arabischen Tnodczsürstlcin ungemein nachsichtig und empfangen sie zu Mittag und um Mitternacht, Früh und ÄbcndS. Am licb- Ucn empfangen sic jedoch nach Sonnenuntergang, *) Licht?kr. 44 drS .Israelis. wenn die Abendkühle schon herangebrochen ist, denn um diese Zeit haben sie daS „böse Augeönn pp) nicht zu fürchten. In Europa würde man es kaum glauben, welche gewaltige Furcht der Orientale, zumal ein Araber, vor dem „bösen Augehat. Letzterer macht daher nur mit Unwillen seine Einkäufe am hellen Tag und selbst ein Geschenk nimmt er da ungern an. denn daS „böse Augekönnte daran hasten bleiben und ihm so Unglück ins HauS bringen. Der Scheikh der Karawane begab sich daher am Abend nach Sonnenuntergang in Begleitung einiger seiner Reisegefährten, zu denen auch einer unserer beiden jüdischen Reisenden gehörte, in da? Haus des türkischen Gouverneurs, wo bekanntlich der Sultan von Ghar abgestiegen war, um sich demselben vorznsiellcn. Sie trafen ihn inmitten seines Gefolges und einiger Lakirs (Schriftgelehrten) von El-Hofuf, wie sie eben um einen Tisch herumsaßen und laut den Koran studirten. Man hätte sich beinahe iu ein jüdisches Bcth- Hamidrasch versetzt glauben können. Obenan saß der Sultan, dann die übrigen Gäste und jeder von ihnen hatte seinen geschriebenen Koran vor sich liegen. Jeder fromme Moslim trägt bekanntlich ein Koran-Exemplar in einem Beutelchcn an dem Halse, so daß er jeden Augenblick dasselbe zur Hand hat. Ter Srrltan und die Personen seines Gefolges hielten dabei zugleich ihre entblößten . Schwerter in der Hand, um so anzudeuten, daß sie jeden Augenblick bereit seien, für die Lehren Mohamed's in den Krieg zu gehen. Beim Eintritt deS Schcikhs und seiner Gefährten verhüllte der Sultan schnell, ebenfalls des „bösen Augeswegen, sein Gesicht mit seinem Mantel, von dem nun nur noch die Augen frei waren. Seid gegrüßt, Gläubige! rief er den Fremden zu und reichte ihnen dann einen Zipfel seines Mantels zum Kusse hin. Ter Scheikh bat nun, der Sultan möge gestatten, daß sich die Karawane seinem Gefolge anschlicße, um so mit diesem zugleich nach Ghar zu ziehen, eine Bitte, die auch augenblicklich gewährt wurde. Besteht euere Karawane au? lauter Moslimsfrug nun der Sultan, oder gibt es auch Ungläubige darunter? Der Scheikh crwiedcrte, daß mir Ausnahme von zwei HaibarS (Juden), *) die übrige Reisegesellschaft auS *) Tie Araber nennen die Juden ruweüen auch .Haibar' d. b. Abkömmlinge jene- Stammes. der mit dem-Propheten Modamed in fonwährendem Kampfe gelebt und auch dessen Lebre verworfen haue. Besonders im Innrrn Arabiens ist der )t'ame .Haidar' für Jude ungemein statt verbreitet, da sich dort noch Ucderrefre von dem einstigen jüdischen Stamme Haibar vorsinden, auf die vir bald zu sprechen kommen werden.