Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 62 (11.8.1887)
- Date
- 1887-08-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVIH. Jahrgang. ■+ ZertuvgSnachrichteu tmb CorresponVenzen. Ceficrr.«Ungar. Monarchie. Budapest. Das „Ludapcster Tagblatt^ pnblicirt den Wortlaut einer Rede, welche Gras A p - pouyi anläßlich der RcichstagSwahl in Tuna- Szerdahcly hielt. Der Führer der ungarischen Opposition sagte: Es gibt eine Fraktion, ich weiß nicht, ob man sie eine Partei nennen kann, welche sich auf die Leidenschaften der großen Menge berufend, darin ein Wundermittel zu besitzen glaubt, daß sic GOO.OOO Einwohnern des Landes den Krieg erklärt. Auf diese Partei könnte ich den Spruch anwendcn: „Peior medicina morbo.4 Hc&cricgcn wir cs nur, daß wenn wir gegen einen Thcil der Einwohnerschaft des Landes so verfahren, wenn wir eine solche Art der Mcdicin anwendcn, welche negative Privilegien schafft, der zweite Schritt folgen wird, daß nämlich jener edle Geist verschwindet, welchem wir j alle Wohlrhatcn verdanken, welchem der Landwirth den freien Grundbesitz, die Rechtsgleichheit verdankt. Wenn wir diesen Geist an einem Punkte verleugnen, verletzen wir nach und nach unsere gcfanunlcn Rcchtsinslitutionen und wir werden nicht wiffcn, wo daS enden wird. Denn Freiheit und Gleichberechtigung sind große Princi-! pien, welche für Jedermann da sind. Sobald sie in Bezug auf den Einen verletzt werden, gehen sic nach und nach für Alle zu Grunde. Die Autisemirenpartei beruft sich auf gewisse sociale Hebel: daß der Landmann zn Grunde gehr, daß in der Geschäftswelt Betrug und Schwindel herrschen und andere ähnliche Nebel. Daß diese Nebel zu finden sind, das werde ich nicht leugnen, ja sic bestehen, aber man muß die Mittel studiren, durch welche ihnen abgeholscn werden kann, damit Jener strenge bestraft werde, der solche Tinge verübt. Man muß die Gesetze strenger machen und auf diese Weise den Krankheiten der '.-.cicltsmaft abhelsen, aber sagen ivir es nur heran , ist daS die Weife, wenn wir die Juden als Juden verfolgen? Sollen wir denn den Ehristcn nicht bestrafen, wenn er ein Verbrechen verübt? Ich will gegen die Tinge, gegen die Schurkerei kämpfen, aber nicht Legen eineu losgelösten Thcil der Menschheit. Man muß die schlechten Dinge ansmerzen, aber nicht einen Thcil der Menschheit verfolgen. Es ist nicht die kleinste Sünde des AntiseulitiSmus, daß er die gesellschaftlichen Reforni-Bestrebungen compromittirt und dadurch aufgchaltcn hat. Eben deshalb halte ich den Antisemitismus für eine unheilvolle Krankheit. welche die großen Principicn angrcift, die alltnciue Freiheit, den Frieden des Landes, die Sicherheit der Gesellschaft gefährdet. Wo diese Partei ausirrtt, können ihre AgilarionSmittcl kaum andere sein, als die Schiftung des persönlichen Hasses gegen die israelitischen Mitbürger. Und daS ist ein gefährliches Nebel, welches Revolution in sich birgt. Ern wahres Gegenmittel gegen den Antisemitismus ist eine solche Finanz- und Bcrwaltungspolirik, welche auf dem Gebiete der Ordnung des (Kreditwesens den ärmeren Klaffen der Bevölkerung und ihren Nebeln Abhilfe bringt. Ferner daS Zusammenhalten der intelligenten Bürger des Vaterlandes ohne Partciuntcrschied gegenüber dieser gefährlichen Richtung, nicht aber ausnahmsweise Verfügungen, wclchedic allgemeine Freiheit beeinträchtigen. Fürwahr, nicht a!S Parteimauu komme ich hierher, denn dann würde mir ja allcS recht sein, waS gegen die Regierung geschieht und zu ihrer Schwächung dient. Mir schwebt jedoch die heilige Ideedes Vaterlands vor und Gott beschütze mich davor, daß ich aus solche Weise, mit solchen Mitteln meinen Zweck erreiche. A u st r a l i e n. Eine von den jüdischen Gemeinden in Süd» Australicu an die Königin zu ihrem Jubiläum üpci jdjidte Grarularioris - Adresse hat besonderes Au,'lenen hervorgerufen. Siehatte die Form einer Tho.arolle, aber anstatt des Pergamentes und der hölzernen Rollen war sic ganz aus Silber im Gelaichte von 65 Unzen gefertigt und an beiden Handgriffen mit je einer goldenen Krone versehen. Arabien. Dschiddah. (Schluß.) Aber auch während der großen Wallfahrrszeit kn der täglich einige Dampf- und Segelschine mit Pilgern hier eintreffen, halten wir uns soweit als thunlich von den Landungsplätzen fern, um die Pilger bei ihren verschiedenen religiösen (Zeremonien nicht zu stören. Die eigentliche Wallfahrt beginnt mit dem Ersten des