Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 62 (11.8.1887)
- Date
- 1887-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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U2a »Ich werde Mama sagen, daß Du gekommen bist,* rief Ioscfine, und rannte davon, die Allee -munter, an deren Ende sie Frau von Lllicnfeld noch erblickte. »Mama ist mit Nosalie fortgegangen*?* fragte Alexander. »Vor wenigen Minuten/ entgegnete Gabriele, »Fini wird sie gleich treffen. Mama wird sich herzlich freuen, daß Du da bist, ftomm einstweilen hinein.* Sie zog ihn mit sich in'S Hötel in Frau von Lilienfcld's Zimmer und bemühte sich dem Angekommenen gegcnüver die Honneurs zu machen, indem sie ihm den Ucbc^iehcr abnahm, den er über dem Arm trug und eben war sie im Begriffe, ihm Erfrischungen anzubietcn, als Nosalie mit ausgebreirctcn Armen in das Zimmer stürzte. »Alex! mein Geliebter! welch' freudige Ucberrafchung!* Er entging der Umarmung, indem er sich höflich grüßend verneigte. Sie lachte hell auf.' »O, Du närrischer Junge Du! als würden wir unS heute zum ersten Mal sehen!* Tann schlang sie ihren Arm um ihn und drückte einen herzhaften Kuß auf seine Wange. In diesem Augenblick trat Frau von Lilienfeld in das Zimmer. »Herzlich Willkommen, mein lieber Sohn!* Alexander entwand sich den Armen des jungen Mädchens und eilte zu seiner Mutter, deren Hand er an die Lippen drückte. »Ta sehe mir einer den Ungalantcn!* lachte Nosalie, halb im Aerger, halb im Scherz, »Manm küßt er die Hand und mir nicht. Geschwind küsse mir auch die Hand!* »Ich möchte zuvor Mama um die Beantwortung einer Frage ersuchen,* entgegnete Alexander. Gabriele in ihrer zartsühlendeu Weise hatte inzwischen das Zimmer verlassen und hatte auch die Schwester, die mit der Mutter zugleich eingctreten war, mit sich gezogen. »Komm.* sagte sie, »ich sehe unser Fräulein im Hof, lass' uns jetzt an den Strand gehen.* »Ach, was!* entgegnete Ioscfine, »Alex ist soeben gekourmen, da werden wir doch nicht ausgehen.* »Doch.* sagte Gabriele, »lass' uns gehen, Alex har mir Mama und Rosalic allem zu sprechen.* »Hat er das gesagt?* »Nein, aber ich weiß es.* »Was weißt Tu?* fragte Zosefine hastig. '»Schrei doch nicht so. ich werde eS Dir vielleicht später sagen. Aber, jetzt lass' unS gehe«, da ist unser Fräulein* Sie eilten Marina entgegen, die den Hof durchschritten hatte und eben im Begriffe war, in das HauS zu treten. 7 . »Fräulein, Fräulein, Alex ist gekommen!*^ rief Ioscfine. »Herr von Lilienfeld ist angekommcn?* fragte Marina überrascht, indem dunkle Gluth auf einen Augenblick ihr Antlitz überzog. »Waren die gnädige Frau und das Fräulein noch zu Haufe?* »Nein,* versetzte Ioscfine, »sie waren beinahe schon am Ende der Allee, aber ich bin ihnen »achgelaufen und habe sie zurückgcholr.* - »Das ist schön.* sagte Marina, »dir Damen werden sich berzlichst gefreut haben.* »Wir haben üns"auch herzlich gefreut,* sagte Ioscfine ärgerlich, »aber jetzt haben sie drinnen so viel mit einander zu sprechen, und Gabi meint, wir könnten nicht dabei sein. Da wollen vir lieber an den Strand gehen.* Tie Kinder hängtcn sich, wie gewöhnlich jede in einen Arm der Gouvernante und alle drei machten sich aus den Weg dem Meere zu. Gabriele war heute ungewöhnlich schweigsam, Ioscfine hingegen plauderte nmnter drauf loS. »Sie waren heute lange drüben, Fräulein, wie geht es der armen Frau Heiligeufels?* »Nicht gut, gar nicht gut,* erwiderte Marina, »sie hat mich heute durchaus nicht fortlaffen wollen. Zuweilen scheint es beinahe, als hätte das schreckliche Unglück ihr den Verstand verwirrt.* »Wirklich?* rief die.Kleine erschreckt, »aber da sollten Sie nicht allein zu ihr gehen, Fräulein, sie könnte Ihnen am Ende etwas zu Leide thun.* »O, nicht doch,* erwiderte Marina, mitleidig lächelnd, »die arme Frau ist ja so schwach, sie kann kaum aufrecht fitzen.* »Und Sie glauben wirklich, daß sie den Verstand verloren hat?* »Ach nein, das möchte ich doch nicht behaupten, zuweilen spricht fie ganz venrünftig. Ader zuweilen hat das. was sie spricht, absolut keinen Sinn.* »Was spricht sie denn?* fragte Ioscfine neugierig, »ich meine, was spricht fie, das keinen' Sinn har.* »Das ist sehr verschieden. Am häufigsten klagt sie, daß sie ihr Kind ermordet hätte.* »Das kann man nicht gradezu sinnlos nennen,* meinte Gabriele, »Sie habe» doch erzählt, Fräulein, daß Sie sie wenige Minuten zuvor gewarnt hättet«, sie möchte nicht zugcdcn, daß ihre Tochter sich so