Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 62 (11.8.1887)
- Date
- 1887-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Malter. Während fein Herz von Trauer über die Misternte erfüllt war,, fuhr eia Wagen vor sein Hau-, von welchem seine nächsten Verwandten, geschmückt mit ihren FcsrtagSgewändcrn, fröhlich bcrniederstiegen, um ihn zu beglückwünschen. — Ihr wollt mich verhöhnen! rief ihnen der Hausherr mißmnthig entgegen. — Nicht doch, antworteten die Freunde, wir wollen dich nur beglückwünschen ob des Wunders und de» Zeichens, die Gott au dir gcthan. Bisher warst du der Eigcnthümcr und Gott der Empfänger, denn daS, was man den Armen gibt, das gibt man Gott. Jetzt aber, da dn den Zehnten znrückgcdalten, ist Gott der Eigcntbüincr, und dn bist der Arme geworden, der von Gott nur so viel erhalten hak, wie sonst der Zehent betragen hätte. — Ta ging der reiche Mann in sich, und er gab nunmehr den Zehnten, wie eS sein Barer gcthan hatte, und die Felder brachten wieder den reichen Ertrag wie ehedem. Tic Pflicht,' den Zehnten zu geben, einmal vom Vermögen und immer vom Einkommen, lehnen unsre Weisen an den Ausspruch unsre» Vater» Jakob an (1. B. M. ($. 28. B. 22) -rs >21 ■p *. „Und Alles, was Tu mir geben wirst, werde ich verzehnten, vcrzchuten Tir." Aus dem gedoppelten Ausdrucke „Verzehnten" folgern unsre Weisen, daß derjenige, welcher im reichen Mas;c den Armen spenden will, doch nicht mehr geben soll als zwei Zehntel fein Fünftel) seines Vermögen» (einmal) und seine» Einkommens (immer). Tiefe Beschränkung gilt jedoch nur für den Lebenden; testamentarisch, auf die Zeit nach dem Tode, darf man für Almosen und wohlthätige Zwecke bestimmen. so viel man will. Nieinals wird Jemand durch Almofengebcn verarmen; jeder, der sich der Vcdürfrigc» erbarmt, wird auch bei Gott Erbarmen finden. Es soll sich der Mensch zu Herzen nehmen, dast er, selbst wenn er reich ist, zur Erhaltung seine» Nerchrbum» des göttlichen Beistandes bedarf, und wie Gott sein Flehen erhört, so soll er auch ans die Bitten der Armen hören, und wenn c» ihm möglich ist, ste erfüllen. Wohlthun behütet den Wobllhäter vor allen bösen Dingen; c» rettet vom Tode und verlängert das Leben. Der fromme Biujamin, so erzählen unsre Weisen im Tracrat Baba Barhra (11 a.), war Verwalter der Rlmoscukasse. Ginn brach eine schwere HungerSnoth aus. Ta kam zu idm eine Frau und bat um Unterstützung. Aber die Almoseukasse war vollständig geleert. Und die Freu versicherte weinend, daß sic und ihre sieben kleinen .Kinder Hunger» sterben müßten. Der fromme Binjamin erbarmte sich der Unglücklichen und versorgte sie und ihre kleinen aus seinen eigenen Mitteln, bis die Hungersnotvorüber war. Später erkrankte der fromme Binjamin und kam dem Tode nahe. Ta vcrsamntcltcn sich die Engel an Gottes Thron und sprachen: Soll in der Blüthe seiner Jahre der fromme Binjamin sterben, der mit schweren Opfern jene Frau und deren sieben Kinder vom Hungertode errettet und am Leben crhal tcn hat? — Und Gott erbarmte sich, und dem frommen Binjamin wurden zu dem ihm bestimmt gewesenen Lebensziele noch zweiundzwanzig Jahre hinzugesügt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Berlin. Unter den 13.866 Ehen, welche im Jahre 1885 kn Berlin geschloffen wurden, waren 12,013 Ehen gleicher Konfession, 76» evangelische Mischehen (76» Evangelische hciralheten 7'7 Katholikinnen, 43 Jüdinnen und 8 Tissidcntische), 91)5 katholische Mischehen (995 Katholiken bciratheten 989 Evangelische. 5 Jüdinnen und I Tissidcntische), 67 jüdische Mischehen (67 Juden hcirathctcn 63 Evangelische und 4 Katholikinnen), und 22 Tissidcutischc Mischehen (22 Tissidentcn heirathcten 19 Evangelische, 1 Katholikin, 1 Jüdin und 1 ohne Angabe). Posen, 8. August. Von der jüngst stattgehabten Fachgewerbeansstellung für da» Gastwirthfchaftswesen zu Königsberg i. Pr. bringt das „Mcmcler Tampfboor" folgende Mittheilungen: „Ans dem Gebiete der Konscrvcn-Ertrakle :c. erhielt nur die Firma. Krüger in Barth an der Ostsee für Heringskonserven die goldene Medaille, während Herr Tr. Papilsky aus Posen für seinen Fleischcrtrakt die silberne Medaille erhielt, den in Bezug auf diese Branche ersten Preis. Ta diese Fabrik die einzige in Europa ist, während Liebig's und Kemmerich'» Ertrakte au» überseeischen Fabriken stammen, dürfte die Analyse dcS vereideten Königsberger Chemikers Tr. Zarnow, welcher der Prcisjury als Sachverständiger bcigegeöen war, nnr so mehr von einigem Interciic fein, als die Fabrik des Herrn Tr. Papilsky in Poffckwa (Litthauen) liegt. Tic chemische Analyse stellt fest, daß der von Herrn Tr. Papilsky fabrizkrre und ausgestellte Extrakt einen scdr reine» Geschmack im Vergleich zu den andern im Handel vorkommcnden Fleischerrrakrsorrcn besitzt, während der Preis derselben ca. 30 Proceut billiger ist. Herr Tr. Zarnow glaub»