Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-08-11 · Heft 62 (11.8.1887) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 62 (11.8.1887)
Date
1887-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449759--26968-2516823
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXVIII. Jahrgang. EA. (Sin KenLrat - Organ für das orthodoxe Iudenthum. Herausgcgeben von vr. Lchmau«!u Mainz. Donnerstag, den II. August 2617 (1887). Leitender Artikel. Iie Sprüche der Mter. Drittes Buch. XXXIII. Mainz, 8. August. nnjft jwo rr.zrjc. Tie Verzchntungcn sind eine Mauer um den Rcichthum, d. h. der Reichthum kann nur dadurch erhalten und geschützt werden, daß der Mensch ihn nicht für sich aüciu verwendet, sondern einen Theil desselben Andere mitgcnicßcu läßt, wie unsre heilige Religion cs vorschrcibt. Bo» den verschiedenen Lehnten, Priester- und Armcngaben, welche einst von unsren Voreltern gegeben werden mußten, ist uns, außerhalb des heiligen Landes, nur noch der Zehent übcrgeblicbcn, den wir einmal von unsrem Vermögen und später von unsrem Einkommen für Arme oder für wohlthärige Zwecke zu verwenden haben. So Jemand ein Vermögen ererbt oder eine 'Mitgift erhält, so muß er den zehnten Theil davon den Armen geben oder wohlrhätige Anstalten damit unterstützen. Später nmß er von dem, was er erwirbt oder gewinnt, den zehnten Theil in ähnlicher Weise verwenden, (vr wird dadurch nicht ärmer, im Gcgcntheile, sein Rcichthum wird dadurch geschützt, ja sogar noch vermehrt. Wie das Fleisch durch Einsalzcn vor Fäulniß bewahrt wird, so schützt der gutangcwandre Lehcnt vor Verlust, und der allgütige Gott, dem Alles gehört, segnet das Thun des wohlthätigcn Mannes und vermehrt seinen Rcichthum. So lehn auch Rabbi Iochanan (Thaauilh 9) "ry r^iry, ^verzchme, verzchme, d. h., verzchnre, aus daß du reich werdest." Rabbi Iochanan fragte ciust das .kleine Kind feines verstorbenen Schwagers Rabbi Schimeon den Lakisch: Sage wir, bis zu welchem Berst der heiligen Schrift du gllangt bist? Und das Kind sprach: neyn "»arj?; erkläre mir die Bedeutung! — Darauf R. Iochanan: Äerzehnte, auf daß du reich werdest. — Woher w.'ißt du das? — Gehe hin und versuche eS. — 2'r es denn erlaubt, den Heiligen, gelobt sei Er, auf die Probe zu stellen? Heißt eS doch (5. B. M. E. 6. B. 16): Ihr sollt nicht auf die Probe stellen den Ewigen, Euren Gott! — Also hat Rabbi Oschiah gesagt: Das Lerzcdnten macht eine Ausnahme, denn so heißt cs (Maleachi E. 3. V. 10): Prüfet ulich doch.mit. diesem (daß Ihr.mämlich vollständig den Zehnten gebet), hat gesprochen der Ewige Zebaoth, ob Ich euch nicht öffnen werde die Schleusen des Himmels und auf euch binabströmen laste Segen in reichster Fülle ohne Maß. — Da sprach das Kind: Hätte ich diesen Vers schon gelernt, so hätte ich dich und deinen Lehrer Rabbi Oschia nicht gebraucht. — In den Tosaphoth am angeführten Orte wird uns nach dem Midrasch die nachfolgende Geschichte erzählt: Ein reicher Mann hatte viele Felder, die ihm einen jährlichen Ertrag von tausend Maltern brachten. Gewissenhaft gab er stets den Zehnten. Als er alt und krank geworden war, rief er seinen Sohn zu sich und sprach: Siehe, ich hintcrlaffe dir meinen ganzen Besitz. Meine Felder bringen jährlich tausend Malter Weizen; gib auch du stets gewistenhaft den Zehnten, wie ich es immer gethan habe. — Der Vater starb, und der Sohu wurde der Besitzer seiner Güter. Im ersten Jahre nach des Vaters Tode brachten die Felder tausend Malter, und der neue Eigcnrhümer verschenkte hundert Malter a!» Zehnten, wie eS fein Barer gethan hatte; aber er that es mit schwerem Herzen, den» nur ungern verkürzte er in dieser Werse sein Einkommen. Als die Felder im zweiten Jahre wiederum raufend Malter brachten, behielt er Alles für sich. Und siehe, im folgenden Jahre belief. sich der Ertrag nur auf hundert

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.