Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 59 (1.8.1887)
- Date
- 1887-08-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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166 IM©' SColonlsatfton P&lästfiaa’s. \_ 7^--— Beobachtungen vom See Genezareth (m^3 D'). (IIL Fortsetzung.*) -»---- Ende April und Anfangs Mai war der Himmel oft bewölkt. Ara 3. und 4. Mai regnete es heftig. Am 5. sah man dunkele Gewitterwolken und hörte Donnerschläge. Nördliche Winde kühlen die Luft stark ab. Später fiel kein Tropfen mehr, auch auf meiner weiteren Reise nicht, mit Ausnahme eines kleinen localen Gewitters, welches mich am 25. Mai im Karmel eine Stunde südlich von Esfije, überraschte und durchnässte. Westwinde waren häufig. Regelmässig erhoben sie sich etwas nach Mittag, nahmen gegen Abend an Stärke zu und hörten erst Nachts 10 Uhr auf. Doch spürte man sie in Tiberias nur in unbedeutendem Grade, dagegen stürmten sie mit Wucht die nach der Gennesarebene auslaufenden Thäler hinunter und brachten den See in nicht geringe Bewegung. Auf seiner breiten Fläche können sie sich ungehemmt entfalten und je weiter sie ostwärts dringen, desto tiefer wühlen sie ihn auf. Hohe schaumgekrönte Wogen prallen dort ans Gestade. Stets musste inein Fährmann das Boot in die schützende Bucht des Semakthals steuern und für den Rest des Tages war der See nicht mehr fahrbar. Ostwind stellte sich niemals ein. Dagegen strich am 29. April ein heisser Südwind das Ghor hinauf. Die Luft wurde mit Staub eriüllt, das Sonnenlicht gedämpit, die Berge erschienen schwarz. Um die Flora von Tiberias ist es übel bestellt. Die Berghänge sind öde und kahl. Zwei Mandelbäume stehen oberhalb der Rabbinergräber. Das sind die einzigen Repräsentanten des Baum Wuchses. Doch innerhalb der Stadt zeigt sich etwas mehr Grün. Vor dem Castell und dein Serai spenden acht Oelbäume einigen Schatten. Einen prächtigen Schmuck bilden die Palmen, die ihre Kronen über den weissen Häusern wiegen. Ich zählte zwanzig ansehnlichere. Man versicherte mir, dass die Leute sich au! iure Befruchtung verständen und dass die Datteln zur Reife kämen, ln den wenig cactus umhegten Gärtchen werden gern Gurken gepflanzt. Kleine Gurkenfelder sah ich auch ausserhalb der Mauern neben den spärlichen Getreideäckern. Würden die Tiberienser etwas fleissiger Wasser tragen, so Hesse sich dem Boden mehr abringen. Man thut es aber nur in einigen hart an den See stossenden Gemüsegärtchen und für den •> s. Nr. rtr. Trinkfcedarf. Das Regenwasser wird nicht gesammelt, wie anderwärts. Die Häuser besitzen keine Cisternen. Einen Sod-Brunnen allein hat das lateinische Kloster. Aus der Fauna des Sees hebe ich zunächst die zahlreichen kleinen Krabben hervor. Am Rande des Wassers, unter den feuchten Steinen, halten sie sich besonders gerne auf. Sie wandern aber auch landeinwärts. Man sieht sie öfters auf der staubbedeckten Strasse, ja selbstaii'den Abhängen in noch weiterer Entfernung vom See. Die Angehörigen der griechischen Confession fangen und essen diese Thiere; Juden, Muslimen und auch Lateiner verabscheuen sie. — Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen die Fische, an welchen namentlich die nördliche Hälfte des See*s reich ist. Gesehen und gefangen habe ich drei Arten, es wurden mir aber deren fünf genannt. Der Fischfang wird mit Leine und Netz betrieben, und zwar sowohl mit dem kleinen Hand- und Warfuetz, als auch mit dem Zugnetz. Ersteres last sich nur am Ufer benutzen. Der Fischer späht die seichten Stellen aus, wo sich die Thiere in grosser Zahl sammeln, schleicht leise herzu und wirft das zusammengewundene bleibeschwerte Garn so geschickt, dass es sich rasch im Fluge ausbreitet und die arglosen Wasserbewohner bedeckt. Sorgfältig werden dann seine Enden dicht am Boden zusammengeschoben und die zappelnde Beute ihrem Elemente enthoben. Diese Fangart lässt sich besonders gut an dem ruhigen Ostufer anwenden. Mein arabischer Gefährte, einHaddschi Schädi aus Tiberias, fing mir dem kleinen Netze einmal nicht weniger als 28 grosse Fische in einem Wurf. Es lässt sich daraus schon der enorme Fischreichthum des Sees erschlossen. Die Fischerei-im Grossen verpachtet die Regierung. Schwimmende Zugnetze werden dazu verwendet. Ein anderes Erforderniss ist ein ordentliches Boot. In Tiberias giebt es gegenwärtig neun Fahrzeuge, alle mit SegelvorrithUmg. Mein genannter unternehmungslustiger Begleiter trug sich sogar mit dem Gedanken, einen kleinen Dampfer anznkaufen, tür welches Project er mehrere Theilnehmer zu gewinnen hoffte. Die Posfbarkassen des Suezkanals und die kleinen Hafendampfer, welche er auf seiner Mekkafahrt gesehen, brachten ihn auf die originelle Idee. Der Verdienstlichkeit der Pilgerreise geht nämlich auch nach arabi-