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Der Israelit · 1887-07-28 · Heft 58 (28.7.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 58 (28.7.1887)
Date
1887-07-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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2000 L-St. dn, dne Summe, die bisher nicht war erreicht worden. Fe« 11 1 t t 9 tu I>ie ßonoeriitin. Boa Friedrich Rott. (Fortsetzung.) 23. Kapitel. Herr von Lilienfeld befand sich in feinem Ar« beitszimmer neben dem Comptoir, eben war ihm die »zweite Post" überbracht Wörden und war er im Begriffe einen der eingelaufcnen Briefe zu öffnen, als ein leichtes Klopfen an der Thür ihn unterbrach. Auf fein einladendes, »Herein" trat einer seiner nähern Bekannten in das Zimmer; mit ausgestreckter Hand eilte er ihm entgegen. »Ah, mein lieber Herr Kalman! Herzlich erfreut, Sie wieder zu sehen. Wie geht eS Ihnen?" Der Eiugetretene, ein schon älterer, aber noch sehr wohl conservkrter Herr mit überaus freundlichem Aeußern, nachdem er die herzliche Begrüßung des Hausherrn erwidert hatte, zuckle mit komischem Seufzer die Achseln. »Wie soll es mir gehen? — so, so, 1», la — wenn man Strohwittwer ist — aber das sind Sie doch auch —" »Ich Strohwittwer?" eutgegnete Herr von Lilienfeld — lächelnd. »Sie vergessen, daß ich noch nicht verheirathct bin." Herr Kalman schlug sich mit der Hand gegen die Stirn, »'s ist ja wahr, Sie haben recht, vor der Hochzeit pflegt man noch nicht Strohwittwer zu sein. Also sind Sie gegenwärtig Strohbräutigam." »Ebensowenig," lachte Herr von Lilienfeld, »oder Sie wären gegenwärtig ein Strohmann." »Nicht übel, nicht übel," entgegnete der Andere gleichfalls lachend. »Aber wissen Sir, daß es zuweilen gar kein so schlechtes Geschäft ist, Strohmann zu sein." »CTest celon." »Freilich e’est celon, aber zuweilen. — Möchte eigentlich wissen, wer die Institution der Strohmänner erfunden hat?" »Wenn Sie wollen, schlage ich im Buche der Erfindungen nach," scherzte Herr von Lilienfeld. »Bezweifle, daß Sie den Namen des Erfinders dort finden werden; ein Strohkopf war er jedoch keinesfalls. Jedenfalls ist der Strohmann eine Er« rungenschast der Neuzeit." »Der Neuzeit — mag sein, der. neuesten Zeit jedoch wohl nicht." »Möglich, daß Sie recht haben, aber Strohmänner gibt es heutzutage die Masse. Und wissen Sie, woran unser Zeitalter noch reich ist? — au große» Männern." »An großen Männern?" wiederholte Alexander verwundert. »Ja, ja, ja, machen Sie nur ein so erstaunte- Gesicht, aber ich sage Ihnen von Adam bis zu Rohling hat es noch keine Zeit gegeben, in der eS so sehr, ich möchte fast sagen, gewimmelt hat von großen Männern, wie in der unscrigen. Und wenn Sie zweifeln, so nehmen Sie nur das erste beste neujüdische Blatt in die Hand, auf jeder Spalte ein großer Gelehrter, ein berühmter, gefeierter Schriftsteller, von dem Sie und ich und die ganze Welt zwar noch nicht gewußt haben, aber das thut nichts, darum ist er doch berühmt und gefeiert." Herr von Lilienfeld lächelte, Herr Kalman ritt wieder einmal sein Steckenpferd, »Und die vielen großen Gelehrten, die wir haben," fuhr der alte Herr grimmig fort, »möchte eigentlich wissen, warum trotzdem daS Maß an Wissen von Jahr zu Jahr geringer wird, und die Leichtfertigkeit in religiöser Beziehung immer größer." Herr von Lilienfeld athmete tief auf. »Daß Letzteres durch Erstercs bedingt wird, läßt sich allerdings nicht leugnen, und doch würde man, namentlich in unscrm Kronland, irre gehen, wollte man Mangel an Wissen für die leider mehr und mehr überhand nehmende Leichtfertigkeit verantwortlich machen. In gewisser Beziehung möchte ich sogar sagen, das Gegentheil ist der Fall. Wenn der Herr der Heerhe zürnt, schlägt er die Leithammel mit Blindheit. Das ist's. Unsere Führer und Leiter haben die Zeit nicht verstanden, verstehen sie noch nicht und wollen sie nicht verstehen. Absichtlich schließen sie die Augen und wollen nicht sehen, mit geschlossenen Augen wollenste die Heerde leiten, ist cs da ein Wunder, wenn die Leichtfertigkeit überhand-nimmt?" »Sie haben recht, lieber Freund, stimme Ihnen vollkommen bei — Gott bessere es! — Aber ich vergesse beinahe den Zweck meines Kommens. Sehen Sie", fuhr er fort, indem er einen Brief aus der Tasche zog, »habe heute Morgen ein Schreiben von einem Advokaten aus O. — erhalten, m dem er

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