Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-07-25 · Heft 57 (25.7.1887) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 57 (25.7.1887)
Date
1887-07-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449754--26875-2516725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1037 dann gewöhnlich zwei dem jüdischen Stamme angehören. Ich begab mich nun in den Waggon, wo ich im Ganzen vier Reisende fand, die mit untcrgeschlagcnen Beinen auf einer breiten niederen Bank kauerten und dabei melancholisch und still ihre Nargilchs (Wasserpfeifen) rauchten. In einer Ecke des Waggons stand ein steinernes Gcfäst mit Wasser, darnit die Reisenden während der bevorstehenden Wüstcnfahrt wenigstens keinen Durst leiden sollen. Das zum Essen Erfotdcrliche must man niit sich bringen, da cS auf den Zwischeustatiouett nichts zu kaufen gibt. Bon meinen vier Waggongcuossen sasteu drei beisammen auf einer Dank, während der Vierte auf der gcgcnübcrstchendcn Bank in einem Winkel säst. Ich nahm daher an dessen Seite Play und begrüßte ihn auf turkomannische Weise, indem ich meine rechte Hand an mein Herz drückte und dabei Aman! (Unverletzlichkeit!) sagte. Mit diesem Gruste deuten diese Turkomcncn, die bis 1883 noch insgesammt Wegelagerer und Halsabschneider waren, an, dast sie ihrem Mitreisenden nichts Böses anhaben werden. Äls Gegengrub griff daun mein Waggougcnossc nach dem Saum meines Rockes Und küstrc denselben. Er reichte mir zugleich sein langes Pfeifenrohr zum Rauchen hin, das ich ihm jedoch mit Tank gleich wieder zurückgab. Da ich ncbsr Persisch auch etwas Türkisch spreche, so knüpfte ich sogleich mit meinem Reiscgcnosien eine Konversation an, in der ich mich ihm dann vorstelltc. Dasselbe that er auch seinerseits nur mit dem Unterschiede, dast er mir seine Worte'ins Lhr raunte. Er wollte nämlich vor seinen übrigen drei Reisegefährte», die grimmige Turkomencn waren, nicht frei heraussagcn, dast er Jude sei, um so von ihnen auf der Fahrt nicht beschimpft zu werden. Ich erfuhr dann von ihm auch, dast er aus Bokhara stamme, seit Kurzem aber iu Mcrw wohne, wo er ein gutes Klcidcr- und Juwelengcschäft besitze. Er lasse jetzt seine Frau mit seinem einzigen Sohne und zwei Töchtern, von denen die ältere, obwohl sie erst elf Jahre zählte, schon glückliche Braut war, zu sich nach Mcrw kommen und fahre er ihnen dis Tfchardschui, wo sic vor einigen Tagen mit einer Karawane, cingctroffen, entgegen, um sicdort persönlich abzuholcnund nach Mcrw zu dringen. Er gedenke daher noch im Lause dieser Woche von Tfchardschui nach Merw zurückzufahrcn, und da auch ich dies zu thun beabsichtigte. so verabredeten vir, auch die Rückreise gemeinsam zu machen. Zugleich versprach mir mein Reisegefährte, dast er mir in Tfchardschui, wo eZ keine Herberge und kein Hotel gibt, bei einem Anverwandten ei» Absteigquarticr verschaffen werde. Unterdessen war der Zug in der ersten Station eingetroffcn. Bon einem Stationsgebäude keine Spur, und bestand die ganze Station aus einer einfache« Stange an der eine kleine Fahne flatterte. Ich erfuhr dann, daß die Station vorläufig erst auf dem Papiere cxistire, und daß man nun bemüht sei. für dieselbe auch die erforderliche Bevölkerung herbeizu schaffen. Die Transkaspibahn führt nämlich von Mcrw nach Tfchardschui durch die Wüste, die bisher nur von wilden Thiercn bewohnt war. Jetzt erst beginnen die Russen die ganze Gegend längs der Bahn zu cultiviren und bewohnbar zu machen. Sie legen nämlich daselbst Dörfer und Kanäle an, graben artesische Brunnen, legen Waldungen an und brechen den Boden auf. damit er den ausnehme. Auch pflanzen sie zu beiden Seiten des Bahnkörpers Bäume, damit dieselben den aus der Wüste kommenden Flugsand von den Schienen zurückhalten sollen. Tie Transkaspibahn hat daher einen doppelten Zweck, den Verkehr zwischen dcm Amu-Tarja und dem KaSpisee zu vermitteln und dabei zugleich auch die turkomanische Wüste für die Eultur und den Menschen brauchbar zu machen. (Fortsetzung folgt.) i> pp Jtrcitafl. 29. )u!i, 8. Sb. Tamstag, 30. Juli, 9. Sb r*” Tonnlag, 31. Juli, IO Sb rrre 2N3 ‘Ö Labdar-SuSgang 8 Uhr 30 Mi«. (Mainzer Uhr). Briefkasten der Expedition. Herrn s?öx u. Ettling er, Turin: 40 Mk. dankend erhallen. Herrn S. I. Mandel st am. Dunaburg: L Rub. dankenb erhalten. Noch L Rub. bi» I. Jan. 1888.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.