Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 56 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1 "*•* 11 1 •*^~»«- .:W-<*jmi,TTw,-,^%-^J.v-^-1,-»;in;.-:,. 1009 lisnbgeschirk geben sich in Israel in ungewöhnlicher Seife zu erkennen, Sellen wohl wild Jemand einem einfältigen Irraeliken b-oeanen; wohl aber weist Jedermann, wie sonderlich begabt der ISraelite ist. und im Leben den Senk» von Menichen und Gegenständen zu schären, ein Geschäft, den Pros» oder Lchaden desselben zu berechnen, vor Erricht dar f*ür und StDcr herauSzusinde., und wie unermüdlich er seine Unrelnehmungn: verfolgt. entweder im Mahnen und Mahnen nicht uachlassend, oder, wenn er aussichtslos sich;eige, die -Lache von gan; anderer Leite beginnend.- ein ganzes Geschäft mir einem Male umgestaltend. Plännrr und grauen, wie klug wissen sie ihren und der Ihrigen LedensunterKalt zu erwerben, und wie onrtll lig zeigen sich dafür schon die Kinder! Sie Hingen»,-kl und ausmklksom und sie schon i» der Lchulr: wie frühe rängt der Jüngling, ja der Knabe schon an binauszutrerrn in das Leben und ein Geschäft zu beginnen! Ter ISraelite ist selten productiv. dagegen benfci ei ein außerordentliches «beschick zu rrproduciren. daS Boihandene in neuer Gestalt. in neuer Seife wieder vorzuiühren. so in Iabrikalion und Handel und fo in Kunst und Sijfemchasr, was die Kunst betriff», sonderlich in der Musik, was die Sisienschasr betrifft. sonderlich in der Mediein und in der RechlSkunde; er dewegl sich mit b«-;oiibe£cr BorHede und Leichtigkeit aus dem Boden der Advokatur und der Journalistik. Er ist der Mann vorzüglich der vrakrischen Gejchicklichkeir; die heillose Stellung in der Mitte der herrschenden und überall ihn beschränkenden und venolgrnde» Volker bat unendlich viel dazu beigerragen. eine solche dlirrbalbrausendjähn'ge Nöibigung. sich iür seine tfritten; zu wehren, sich wie ein Lairsragan durch daS harre Gestrin hindurchzuarbeiten und aus dürrem Erdreich zu üppichem Taiein emporzuwachfen. mußte dazu Mitwirken, daß diese Dichtung deS geistigen Lebens so »nächtig wurde; aber sie liegk schon in der unprünglichen Begabung; schon die Geschichte der Erzmütter und des Bolkes in otanaan. lange kor der Zerstreuung unter die Böller, gibt Belege dafür; Israel har sie mir anderen Orientalen, auch Armeniern. Geicchen' u. dergl. gemein, nur daß die klassischen »Griechen, so wir die GotreSmenschen der Bibel zumeiil darüber sich erhoben. Ter vorherrschende Beistand veS Bolkes Israel ist übrigens auch einer gan; anderen Richtung fähig; er war es »ich: nur in den Zeiten Mofes und der Propheten. da rr die wunderbar'':e Begadung r'ük Eorreserkenntnist und Eotlesdienst. für Lraarskuiitt und Safiendicnst. für t^eichichlfcheeidnng und Beredrramkeit, Lediweisheit und Tichtkunst. Musik und Baukunst an den Lag gelegt hat. sondern er hak sich diese Iähigkeir bewahrt, auch noch in den Zeiten der Zerstreuung, weriugleich die praktische Richtung vorwallet. Ter 'Belstand des Bolkes weist sich auch zu ganz abstraktem Tenken zu erheben, zu Mathematik und Pdilofovuie. und er weist sich in die Grdermnisfe der Theesovhie und Mvstik :n versenken. Tie Literatur der Tiaspora har dewundtrunaSwerrbe Tenlmale von Geistesschärfe und Geiitesriefe, von Ge!-t,rsämkeit und DarsiellungSgade. sie har Meisterwerke, wie die Septuaginta. die Midraschim, den Talmud, den Lohar. die Masiora. das Buch Eoiri von Hallevi. den Uorelr linnnoln<-kiim von Mose Maimon. LvinozaS Ethik; sie hat auch noch erneu re.chen äle>r von Tichrungen. lorifchen. epischen undival- »ischen. von den riessten Tönen der Buße und des Heimwehs di» zu der höchsten Begeisterung für die Herrlichkeit Gottes, und dreier Poesie siebt ein gottesdienstlicher Gesang zur Leite, welcher mir dem Iestkalren uralter Tempelmelodien eine desunderungswenbe .Zreiheu und Lchönheik de» Bortrags zu vereinigen weist. Tas?riw sind eigemdümliche Lichtseiten in dem Edarakier der iSeaelititchen Tiaspora. Lie hak auch ihre eigenldüm'.iLen Schattenseiten. danmier obenan die Lcharrenfeiren des Handels — LLaLer und Sud»er. Es verdient nicht aller israrliti'chcr Handel diefc beiden Ramen. wie viele Ehrjiren unoenrändiger und ungerechter Seife meinen; es gibt dnrchsu» rechtschaffene und ehrenwert he israelitische Handelt- und Dank» Häuser und bis in dar geringste GefchäsiSleden herab rechtschaffene und ebrenwebrke Händler und Wechsler. Es ist aber an dem israrliritchen Handel sehr virleS. was de! aller Xechlschas» feudeii und Ehrlichkeit dennoch der christlichen Bevölkerung sehr länig sein kann, und darum — nur darum schon verdächtigt und verlästert wird. ES ist für den ISraeliren in der Thal leichter als iür einen Ehesten ein Handelsgeschäft zu gründen und zu namha'lem Ausschwung zu dringen, denn er har einmal l) die orientalische Begadu» \ dafür, L» die zwestaufendjährige LLnle der Zwangsstellnng nn'er den Jälkern. und L» gan; deiouderS de» Borrheil der Minorität, deren Ängitzsrrgr weit mehr zu'ammrndaltrn, einander Vorschub leisten, zu gemeinsamen Unternehmungen sich verbinden, oder durch Mure- und Wege eröffnen. a!S dieS bei den Angehörigen der Rajoeiräk und vol» lends einer so großen I : 109 und einer national und konfessionell so gespaireneu Majorität der .Tall ist. Sir wollen jedoch die weltgeschichtlichen Lcharteuseiren der israelitischen Diaspora damit nicht in Abrede ziehen, man kan» eS nicht; wir wollen nur zur richtigeren Beuerbeilung damit beitragen, und insbesondere zum vorsichtigen und gerechten Unterscheiden der einzelne» Angehörigen der TiaLvora und ganrer Kreise derselben. Weniger beachtet als die Schattenseiten der iLraelümschen Diaspora sind die ibr ergenthümlichen Lichtseiten. E» ist nicht zu verwriirdeln. — ES ist vor allem eirre auch sonst bemerkbare Untilgerid der Menschen, daß sie au andern weit eher daS lieble in» Auge fassen, denn da» Eure, die meisten Ehrrsten sodann kennen daS Boik Israel auch säst nur nach dem Arten und 'Jieaen Testament, oder nach de» so vielseitig von Unwisienheie und IanariSmuS eingegedenen Berichten früherer Jahrhunderte, unv baden kaum eine Ahnung davon, wie vieles doch die Zerstreuung an Israel gebessert bar. Znm Tritten müsieu wir auch bedenken. Last, während dir Schattenseiten Israels vorzüglich in die OesieniUchtiit fallen, die Lichtseiten mehr dem Privatleben angehören, und ein Ebrist schon in ein genaureS Berhä'.inist zu Israeliten kommen must, um diese Lichtseiien recht kennen und jchäpen;n lernen. Israel ist ein Garten, hinter dessen Mauern, wer nur vorüber gebt, auch nur die Wipfel der Bäume sich bewegen sieht, ohne eine Kennmist von alldem Lieblichen und G-,rcn. daS der Gatten in seinemLchoste birg»; wer dagegen Gelegenheit bekommt und rin Herz dafür har, in das Privatleben des Bolkes tiefer bineinzuschaurn odrr;n horchen z B. wie Kinder von ihrem Elternhaus erzählen von fireud und Leid, von Serklag und Ladbar. von Jett - und Iasttagen. dem wird e4 warm um das Her;, und der lernt daS Bolk vielfach ganz anders denn ziroor kennen. Sa4 für Beirvrele ließen sich da erinirreln von Liede der Kinder gegen die E'tern und gegen die «^erchwister, von Sohltbärigkeir gegen Dürftige. Kranke, jilemdlinge. Bernnglü/re; va4 für Brispiele. wie fauer die Väter und die Mütter rS sich werden lasien. um die Ihrigen durchzubringen.;n versorgen, wie das ,Familienleben geweiht und verschönt ist durch die heiligen Gebräuche. Ader auch wer ihnen ferner steh», jedoch ein wenig beobachtet, bemerkt doch wohl einzelne eigentdümliche Tugenden, so. wie selten man einem betrunkenen ISraeliren begegnet, wie selten einen, der an Handeln und Lch'.äzereinr sich betdeikigt. wie selten man einen Israeliten stuchrn hört; wie selten eine Armenbchörde Beranlassnng erhält, für einen armen Israeliten die Angehörigen desselben;n feiner Besorgung erst anruhrlten oder denselben gar in vssentlichr Unlkn:üz-!l»g zu nehmen, szürwahr. eine Bevölkerung von dieser Lädigöeit der Errüenz. von dieser leiblichen und geistigen Begabung und von diesen eigentdümliche» Tugenden. — die trägt auch unter der» »Gewicht der Zerstreuung «inen Iond de» Lebens in sich!