Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 56 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1006 Wer nun grundsätzlich die an dem Lpferthiere vollzogene Heiligung nicht anerkennt rs ^rcn, er betrachtet nach wie vor die crnp, die Heiligtümer, als;*tnn als unhcilig, wer »die Heiligung" als unmöglich erachtet, der bezeugt damit, daß er nicht an den Allhciligcn glaubt, daß er daSTasein des einzigen Gotte», von dem die Heiligung ausgeht, leugnet. »Ter Bösewicht in seinem Hochnnnhe wird nach nichts fragen; es iß kein Gott, darauf beruhen alle feine Pläne." (Psalm 10. 4.) nnjnsn r» rr.zzrx „Hub wer da die Feiertage verachtet." Tie Sabbate und die Festzeiten bat der allgürigc Gott eingesetzt zum Zeichen, daß Er der Schöpfer und der Regierer des Weltalls iß. Von dem Sabbate heißt cS: „Tenn ein Zeichen ist er zwischen Mir und euch, daß in sechs Lagen der Ewige die Himmel und die Erde gemacht und am siebenten Lage geruht, da Er Sein Ziel erreicht hatte." Tie Fcßzciten hat Gott bestimm: zum Andenken an die Wunder, die Er vollbracht. Wenn die Welt und der Lauf derselben nach ewigen, unabänderlichen (besetzen sich richten müßte, dann wären Wunder unmöglich. Ta aber der allmächtige Kon zu Zeiten in die Naturgesetze cingegrisfen und Lhatcn wider den Lauf der Natur vollbracht hat, so hat Er damit bekundet, daß Er der Leuker und Regierer des Weltalls iß. über das Er herrscht nach Seinem heilige'.'. Willen, nach Seinem weisen Ermessen. Wer also grundsätzlich den Sabbat verachtet. der leugnet damit, daß Gott der Schöpfer des Weltalls; wer grundsätzlich die Fcstzeitcn, die Zeugnis; oblegen von den Wundern, also von der Herrschaft Kolkes über die Naturgesetze, verachtet, der leugnet damit die Wcltlcnkung des Allerhöchsten. 2-3-2 rcn *:s r^-rrr. „Und wer seinen Ncbenmcnschen öffentlich beschämt." Es iß uns heilige - Pflicht, in jedem Mitmenschen das Ebenbild Gottes zu achten und zu ehren; wer aber feinen Ncdcnmcnsckcn so gering schätzt, daß er ihn öffentlich beschämt — nicht etwa ans Unkcnntniß der großen Sünde oder, weil er vom Zorne oder der Leidenschaft dazu hingerissen wurde, sondern grundsätzlich, weil er seinen Nebenmenschen für nichts achtet — der bezeugt damit, daß er an die Ebcnbkldlichkeit der Menschen nicht glaubt, daß er die Erhabenheit der menschlichen Seele nickt anerkennt. Ihm iß der Mensch nickt mehr als das Ldicr, der Vogel oder die Pßauzc, mit denen er nach Gutdünken verfahren kann. rry “*2x crrcs rr --rnrr?. »Hub wer den mit unsrem Vater Abraham geschloneum Bund zerstört." Unter allen Völkern der Erde hat der allmächtige Gott unser Volk erwählt und Seinen Bund an unsrem Fleische besiegelt. Wer nun diese» Bund zerstört, der leugnet damit die Erwählung, die Bevorzugung Israels. Ter Weise sagt nicht: Wer nicht eimrcten will in den Bund Abrahams, oder: wer die Bcschneidung an sich selbst oder aa seinem Sohne nicht vollziehen läßt, sondern: Wer den AbrahamSbund zerstört, das heißt, wer grundsätzlich die Bedeutung dieses BuitdeszeichenS leugnet. re^ra s&sr .tjtc cä r&cni. »Und wer die Lhora der religiösen Vorschrift nicht entsprechend, erklärt." Er leugnet, daß diese Thora, die wir besitzen, in ihrer Ganzheit und Vollkommenheit, sowohl die schriftliche wie die mündliche Lehre, der göttlichen Offenbarung entstamme. Tie Thora enthält viele dunkle Stcllerr, viele Vorschriften und Gesetze, die wir nicht verstehen und nicht begreifen. Wer an den göttlichen Ursprung der Thora glaubt, der wird auch das Unverständliche und Unbegreifliche mir ehrfurchtsvollen Blicken betrachten. W.°r aber nicht an die Göttlichkeit der Thora glaubt, der wird sie >vie Menschenwcrk behandeln und nach eigenem Gutdünken mit ihr verfahren. So erzählen unsre Weisen von Mcnaschch, dem Könige von Juda, der gefragt: »Wozu brauchte Mofcheh diese oder jene' höchst glcichgilnge Erzählung in die Thora aufzunchmeu,? B.» daß das ttcbswcib des ElifaS Thimnah geheißen i »Ihm antwortete eine Stimme vom Himmel (Psalm '»0. B. 20—21.): Hättest du dich lnngcsctzt, um wider deinen Bruder zu reden, den Sohn deiner Mutter zu verleumden. hättest du dieses getha». Ich hätte geschwiegen. 2u_ aber meinst. Ich sei wie du, so werde Ich dich strafe« und Meine Allmacht dir vor Augen führen." — Al» später Mcnaschch in die Gefangenschaft des ttönigs von Babel gericth und bei lebendigem Leibe gebraten werden sollte, da ries er vergeben» alle Götter an, bi» sein Herz zum einzige» Goue sich wandte; da erbarmte sich sein der allmächtige Gott und rettete ihn. — Wer also grundsätzlich die schriftliche oder die mündliche Lehre als Mensche», werk betrachtet und tte nach seiner Willkür, nach dem Ermenen seiner unzulänglichen Einsicht behandelt. wer z. B. starr der vier Pßanzenattcn am Hültenseste einen beliebigen Fcststrauß zu nehmen vorschlägt, oder wer da lehrt, die Laubhütte habe heute nur noch eine symbolische Bedeutung, mau brauche am Hüttenseste nicht in der Fcsthütte zu wohnen, wenn man sich nur ihren Endzweck m Gedanken vorstclle und wie alle die hübschen Tmge beschaffen, welche d'e modcrncu Rcsormradbincr