Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 56 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVÜL Jahrgang. ■M 56. Der Israelit. ' (Ha Gentrat - Organ für das orthodoxe IudentHum. Herausgegcbe«l vou Vp. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den LI. Juli 5G47 (1S87). Leitende Artikel. Aie Sprüche der Kater. Drittes Buch. XX VH. Mainz, 18. Juli. Alle die irrigen Ansichten, welche unsrer heiligen Religio» curgegcutrctcn, lassen sich in fünf große Klaffen cinrcihcn. Tic schlimmsten van allen sind diejenigen, welche das Dasein GotteS leugnen. Tahin gehören die philosophischen Systeme der Materialisten, der Atomistcn, der Pessimisten und andcre. — Die zweite Klaffe bilde« diejenigen, welche zwar an das Dasein einer Gottheit glauben, aber nicht, daß Gott die Welt erschaffen habe. Sie halten die Welt für ebenso ewig und von jeher daseiend wie die Gottheit Auf dieser Grundlage beruht die Philosophie dcS Aristoteles und seiner Nachfolger. — Tie dritte .Klaffe glaubt zwar, daß ein Gott ist und daß Er die Sikli erschaffen habe, leugnet jedoch, daß der Mensch im Ebcnbilde Gottes erschaffen worden sei, das heißt, daß er eine göttliche Seele besitze. TaS sind die sogenannten Monisten, welche .Körper und Seele für eins erklären und behanplcn, daß die Seele nichts anderes sei als das Produkt der Functionen der Organe dcö urenschlichrn Körpers. — Tie vierte Klaffe besteht aus denjenigen, welche zwar die Bcvonugrmg der menschlichen Seele anerkennen, dagegen leugnen, daß Israel das ausenväbltc Volk Gottes sei, bestimmt, den Namen Gottes ans Erden zu tragen, zu fciu rin Reich von Priestern und ein heiliges Volk, das da der Oncndarung und der Prophetie gewürdigt worden sei. — Zu der fünften Klaffe gehören alle diejenigen, die zwar an Gott. den Schöpfer des Weltalls glauben, die Göttlichkeit der menschlichen Seele und die Bevorzugung Israels unter den Nationen anerkennen, die aber die Thora nach verschiedenen Seilen hin angreifcn, indem sie etwa die Integrität der Thora anzwciseln, oder deren Gebote nicht mehr alle für verbindlich erachten. oder indem sie nianche derselben anders als in traditioneller Weise erklären, auffaffen und ausgcfübrt wiffcn wollen. — Alle die helcrodoxen. verwerflichen Anschauungen, die in der Welt cxistiren, lassen sich in eine der hier anfgezählten fünf Klaffen einreiheu, und die Verfechter sind eS. von denen Rabbi Elasar Hammoda» lehrt, daß sie keinen Anthcil haben an der zukünftigen Welt, selbst wenn sie Thorakenntniß besitzen oder gute Thalen vollbracht haben. trc-npn nx ^ran. „Wer da die Hciligthümcr entweiht." Speziell bezieht sich dieser Satz auf die Opferthierr im heilige» Tempel.» Der Stier, der zum Ganzopser bestimmt wurde, war vorher ciu Stier wie andere Stiere auch. Man durfte ihn zirr Arbeit benutzen, man durfte ihn schlachten, wo man wollte, sei» Fleisch kochen oder braten, je nach Belieben» man durste es verzehren, wo und wann man wollte. Durch die drei Worte des EigcnlbümcrS nrj? n: 'vn „dieser sei Ganzopser," war der Stier ein anderer geworden; er war vxy „heilig dem Ewigen." Er durste nur im heiligen Tempel geschlachtet, mußte daselbst dargebracht und aus dem Altäre vom Feuer verzehrt werden. Wer ihn nach der Heiligung zur Arbeit dcnuptc, wer ihn außerhalb dcS heiligen Tenipels schlachtete, sein Fleisch oder sein Fett oder sein Blut 2C. irgendwie verwendete, der beging eine Veruntreuung au dem Heiligen. Wer ein Sündopser, ein Freudeuopfer, ein Tankopfer barbrachte und bei der Darbringung den Gedanken hatte, däS Fleisch zu einer andern Zerr als zu der vorgeschricbcnen zu verzehren, der entweihte das Heilige und machte das Opfer zu einem verworfenen pur).