Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 53 (11.7.1887)
- Date
- 1887-07-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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964 frrejrazione di caritä) und je 300 Lire für fünf benachbarte Ortschaften, deren Bürger der Berstordene war. Sein Andenken wird daher nicht sobald erlöschen, sondern noch Jahrhunderte lang in unserer Mitte fortlebcn! Mesopotamien. Bagdad. Seit mehreren Wochen empfing das Ecntral-Eomite der „All. Isr.- traurige Nachrichten über die Lage der armen isr. Bevölkerung in Bagdad und Umgebung. In Folge der tteberschwemmungen des Euphrat und des Tigris ist jede Hoffnung auf eine Ernte geschwunden und in Folge dieses eine große Hungersnoth entstanden. Bon den 25000 Israeliten in Bagdad leben zwei Trine! von Hand zu Mund. Jeder Handel hat aufgehört und die Lokalindustric ruht. Ein großer Thcil der armen mohamedanischen und isr. Bevölkerung war gezwungen ihre Möbel, und sogar ihre Kleider zu verkaufen, um Brod zu kaufen. Das Ecntral-Eorrrit«'- der All. hat zur Bestreitung der ersten Bedürfnisse 5000 Fr. dahingeschickt. Baron Hirsch har zu diesem Zwecke 25000 Fr. für die Israeliten und 3000 Francs für die Muselmänner der „Allianceübergeben. Hillch (Babel) am Euphrat. Wie armenische Blätter melden, ist jetzt ein jtn Ban (Türkisch Armenien) lebender armenischer Mönch, der früher einige Jahre in einem griechischen Kloster in Mesopotamien gelebt und dabei zugleich auch oft die Ruinen Babels besucht und durchforscht hätte, damit beschäftigt, eine dctaillirte topographische Karte von dieser Stadt und ihrem großen historischen Nuincnfclde zu entwerfen, -um dieselbe dann in mehreren europäischen Sprachen erscheinen zu lassen. Tie Nützlichkeit und Nothwcndigkeit einer solchen 5tarte für die Gelehrten- und Forschcrwclt ist so in die Augen springend, daß sie einer weitern Empschlung gar nicht bedarf. Aber auch die Ausgabe einer Geschichte der Stadt Babel von ihrer Gründung an durch das nr-sn t.t (Leute aus der dilnvianifchen Epoche) bis zu ihrer vollständigen Zerstörung durch die Satrapen der parthischen Könige, die so ungefähr 110 Jahre vor dem *:r n*2 pnn (Zerstörung des zweiten Tempels) erfolgte, wäre sehr erwünscht und ihr Vcrsasicr könnte sich einen unsterblichen Namen dadurch erwerben. Bon der Geschichte der Stadt Babel sind uns nämlich, da dic Ehronikcn der babylonischen Könige, wie bekannt, in Keilschriften auf in der Sonne getrockneten Lchmtäfelchen ein geritzt waren, von denen jedoch der größte Thcil schon längst wieder in Staub zerfallen ist, während die noch vorhandene« Täfelchen einem versiegelten Buche gleichen, da sie nur schwer zu enträthseln sind, nur wenige Bruchstücke bekannt, die selbstverständlich nicht genügen, um aus ihnen eine vollständige Geschichte zusammenzustcllen. Leider enthalten auch die Bücher der heiligen Schrift nur wenig Geschichtliches über Babel und als man später au die Zusammenstellung des babylonischen Talmud schritt, da existirte Babel schon längst nicht mehr als Stadt und bestand nur noch aus großen Trümmerhaufen. Wir wissen daher nur, daß Eyrus (m-s) König der Perser, diese Stadt erobert hat und zwar dadurch, daß er i» einer Nacht, als die Babylonier ein großes Festgelsge feierten (wahrscheinlich war dieses das Fest» welches der König Balschazar veranstaltete und von dem uns das Buch Tanicl eine interessante Episode erzählt) den Euphrat aus seinem Bette ab- und in ein neues zu diesem Zwecke schon vor mehreren Tagen heimlich gegrabenes lenken ließ. Tie Perser drangen mm durch das so trocken gelegte Euphratbctt in die Stadt Babel ein, ermordeten dort den König mit feinen Getreue» und einem großen Theile der Bevölkernug, worauf sie Eyrus auch zum Könige von Babylonien auSricfcn. Tiefes historische Ercigniß mag sich so 470 vor der Zerstörung deS zweiten Tempels zugetragen haben. Eyrus schonte, jedoch die Stadt und ihre Bewohner und erhob sogar Babel zu seiner dritten Residenzstadt neben Susa und Ecbatana (jetzt Hamadan (wrnre). Unter Darms Hustasp (bei den Griechen Hislaspis) — derselbe wird im Buche Daniel (Daniel VI, l) rm (Darms der Meder) genannt, — empörten sich die Babylonier gegen die persische Herrschaft und wollten sie ihre Stadt wieder zum Sitze eines babylonischen Königs machen. Darms eilte jedoch schnell mit einem gewaltigen Heere herbei, unterdrückte den Ausstand und ließ den Anstifter desselben hinrichten. Er befahl dann Babel seines Festungscharakters, zu entkleiden und in eine osscnc Stadt umzuwandeln. Tie Fcstungsmauern welche fünfzig Ellen hoch waren und eine Länge von 365 Stadien oder neun deutschen Meile» hatten —. ich hielt mich hier an die Angaben des griechischen Geographen Strabo — wurden nun vollständig nicdcrgerisseu und mit ihnen selbstverständlich auch die 230 Thürme, die auf denselben standen unb von denen ein jeder eine Höhe von 60 Ellen hatte. Tie eherne» Tbore der Stadt dagegen, deren Anzahl sich auf 100 belaufen haben soll, wurden abgchauen, in Stücke zerschlagen und nach Susa geschleppt, um dort cmgeschmölzcn zu worden. Bekanntlich haben die Ja-