Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-07-07 · Heft 52 (7.7.1887) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 52 (7.7.1887)
Date
1887-07-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449749--26757-2516602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

942 Und alle die Zecher und die Plünderer knieten um ihn her und wiederholren flüsternd ferne Worte. Währenddessen hatte Herr von Lilienfeld noch immer mit dem Kinde im Arm. sich nach dem Inhaber der Schänke und dessen Leute umgcsehen. Lange fand er keinen, die Ticnftleute waren entflohen, und auf dem Fußboden in der Lüche lag der Schankwirth blutübcmrdmt, und feine Frau kniete schluchzend neben ihm und suchte die heftige Blutung zu stillen. Einer der Wütheriche hatte die schöne junge Frau umarmen wollen, ihr Gatte hatte den rohen Gesellen znrückgestoßcn, dieser hatte seine Branntweinflasche mit solcher Gewalt gegen den Kopf des Schankwirthcs geschleudert, daß derselbe bewußtlos zu Boden gestürzt war, die Flasche hatte die Schläfe getroffen. Alexander übergab der Frau das wimmernde' Lind, dann eilte er zu dem in der Nähe wohnenden Bader und wußte denselben durch in Aussicht gestellte Belohnung zu veranlassen. daß er schleunigst mit seinem Verbandzeug zu dem Verwundeten eilte. Inzwischen hatte die Schänke sich nahezu geleert. Einer nach dem Andern hatten sich die Plünderer davongcschlichcn, nachdem der Pfarrer sie nochmals eindringlich ermahnt harte, jetzt ruhig nach Hanse zu gehen und morgen nach besten .straften ' das verübte Unrecht wieder gut zu machen, widrigenfalls er sie „iu’S Eriminal" bringen werde. Aber die Aufregung und die Anstrengung hauen den Greis vollständig erschöpft. Alerandcr traf ihn einer Ohnmacht nahe, ganz allein in dem Sckanklokal. Er suchte ihn zu laben und dann geleitete er ihn sorgsam heim und in warmen, tiefempfundenen Worten sprach er ihm seinen Dank aus. „Ich weiß, daß cs Sie verletzen würde, hochwürdiger Herr, wollte ich es wagen. Ihnen durch ein Geschenk meinen Dank auszudrücken. Aber gestatten werden Sie mir. Ihnen 50d<* Gulden §a übergeben, die Sie nach eigenem Ermessen für Ihre Gemeinde verwenden wollen.- „Das nehme ich dankend an,- erwiderte der Pfarrer freudig erregt, indem er Alexander'- Rechte kräftig schüttelte. „Zwar weiß ich im Augenblick noch nicht, zu was ich Ihre reiche Spende verwenden werde, aber halten Sie sich überzeugt, Herr von Lilienfeld, es wird Segen daraus erwachsen.- 21. Kapitel. Frau von Lilienfeld und ihre Angehörigen waren von der Familie Aronowitsch auf's Herzlichste empfangen worden und bedarf cs kaum der Erwähnung, daß sie ihre Mission, wie sie cs nannte, noch am selben Abend mit bestem Erfolg in Angriff genommen hatte. Die Verbindung ihrer Tochter mit dem hochangesehenen reichen Herrn von Lilienfeld betrachteten die Eltern mit vollem Recht a!3 ein zu großes Glück, als daß sie nicht freudig bereit gewesen wären, selbst Opfer dafür zu bringen, und ein Opfer war eS in der Thar nicht, die Verlobung statt am Donnerstag am Sonntag zu feiern. . Nur die schöne Nosalke, obgleich sic sich im Innersten ihres Herzens recht sehr geschmeichelt fühlte durch die drängende Eile ihres präfumptivcn Bräutigams, glaubte doch einige Schwierigkeiten machen zu müssen. Ihre Toilette wäre noch nicht vollständig in Ordnung, sie liebe die Uebercilung in keiner Sache und wäre cs ihr daher weit angenehmer, wenn es bei dem bereits bestimmten Termin bleiben würde. (Fortsetzung folgt.) Auflösung des RäthselS in Nr. 50: 2NV 2o°b — 2‘i'K Hiob — Feind. .?rr Israeli!' rrichcinl wöLrru'.ich zweimal» Montag» und Donnerstags» jedesmal in minderen» 2Bozen. Preis dcS Jahrgangs für Tcutfchland und Scirrrrcich 12 RciLs^Mark. für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man adonnirr 5-~» jährig, halbjährig oder viruelj-ädriZ. SUe Buchhandlungen und Postämter nehmen ^Bestellungen an. — Durch in Luchhandel •s drrirhr» bei €. *. Steinacker. Leipzig. Doholah 18. — Imrrare 25 Pfennige die drrizrsrÄrrne Prkitreile oder deren Kaum. — Lesterreichische Banknoten laut efourS. — Tirecre iZrancorusrndung unter Srrri'band pro Jahrgang für Leutichland und Lrsrerrrtch 14 RrichS-Mark oder. 5 fL öittzr., »ür'6 iiuz'.enb iü Reichs-Ma^ an die V*jrrt>ir:on franco einjnicnden. Inhalt (Hanptblatr): Leitender ÄNrkrl: Tie Svrüche der Bätrr. — Zeitungsnachrichten und Sorrefsondetnen Teüerr.'Ungcr. Monarchie: Lien. 2ma! prstd. — Rumänien: Bukarest. — England: London. — Meioporsmirn: Lahardeah am lzuphrat. — Amerika: — Feuilleton: Tie C'untxnititt. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und ^orrrivondenrrn: Trunchland: Berlin. t^keichenoresrn. Mergentheim. — O«st.-Ungar. Monarchie: Prag. Lmal Prfth. — i»ng!and: 2mcl London. — Türkei: Konnantinopel. — Syrien: Tamsscur — Meiopotamien: Hilleh (Babel). — Inhalt der Extrabeilagen: Spenden Brrzeichniffe. Brranmonliche Rrdamon: vr. Lehmann in Mainz. — Vrprdirion dcS .Israelin große Bleich« Rr. 45. TruL und Srerlag von Tscar Lehmann in Mainj. (Hirrzn drei Beilagen.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.