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Der Israelit · 1887-07-04 · Heft 51 (4.7.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 51 (4.7.1887)
Date
1887-07-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XjvYIII. Jahrgang. Berlage zu Nr. 31 ües Israelit. Leitender Artikel. Znm Wrande in Bottuschan. Appell! Durch die politischen Zeitungen hat man schon erfahren, daß io der letzwergangenen Woche in Bottuschan, einer der größeren Städte Rumäniens, ein verheerender Brand staugcfundcn hat. loöo Häuser und 5 Millionen Francs an Grundcigcnrhum und Waaren Und, nach Berichten, bei dem an jcncnl Tage rasenden Sturmwind dem unerbittlichen Elemente zum Opfer gefallen, mehrere Tausend Familien obdachlos geworden. Einige Todte, Schrvcrveru'uttdetc und Vcrnrkßte sind ebenfalls;n verzeichnen und wieviele von ihnen unter den rauchenden Trümmern liegen, ist setz! noch nicht zu übersehen. Das Elend kann man bei der Größe des Schadens sich leicht denken. Ju Anbetracht, daß das Feuer gerade im kommerziellen und israelitischen Viertel gcwüthct hat und daß die ohnehin unter der politischen Lage — Gesetzgebung und Verwaltung — seufzenden Glaubensgenofftn fast ohne Ausnahme davon getroffen und nun, was die Stadt Bottuschan anlangt, vollends zu Grunde gerichtet sind, glaube ich, daß es meine Pflicht ist, die ausländischen Glaubensgenossen auf das schwere Ercignrß ganz besonders aufmerksam zu machen, sie zur schleunigen, ausgiebigen und zweckmäßigen Hilfe aufzurufen. Zu den durch die Prohibitivgesetze speziell seit 1882 — und auch schon lange früher — geschaffenen Bettlern sind neue Tausende hiuzugclretcn, die erst gestern noch sich eines gewissen, wenngleich bei den im Lande herrschenden Verhältnissen, unsicheren Wohlstandes erfreuten. Während die von Gesetz und Rechts wegen im Laufe der Jahre ruinirtcn Israeliten in Bottuschan bis nun bei ih.cn noch nicht angetaftcten Glaubensgenosse» eine geringe Aushilfe oder Beschäftigung finden konnten, ist ihnen jetzt auch dies abgcschniltcn: ihre Wohlthärcr von gestern sind heute durch das Element ihre Leidensgenossen geworden — auch sie sind auf Hilfe angewiesen. Bei dem Umstande, daß das Land nur klein, die Bewoüner in ihrer Gesammltzcrt sehr arm oder verarmt sind, die Veranstaltungen im Lande demnach zu einer wirklichen Hilfe nicht führen können, ist ein Appell an das in Mitsühleu und in Mit» leiden viel weiter entwickelte und mehr vernlögcnde Ausland durchaus nothwendig. Und wie dieses schon für die weitesten Länder und Städte seine inildthätige Hand geöffnet, für Java, Murcia, Jschia. Szegedin, Przemysl, Kowno u. f. w., so bietet sich ihm jetzt die Gelegenheit ein Reis seiner Bildung und Gesittung — die Humanität und Solidarität in großen Rothständen — in einem andern Orte cinzupflanzcn. Wenn ich mich jedoch durch diesen Aufruf speziell an das israelitische Ausland wende, so hat dies mehrere Gründe: Die eigentlichen Abbrändler sind Israeliten. Es ist mir leider nur zu bekannt, daß diese nickt nur politisch als »Fremde* angesehen werden, sondern daß sie auch bei solchen schweren Ereignissen und bei den Gelegenheiten, wo es sich um Bcthätigung der Menschlichkeit handelt» Nichtbeachtung und Zurücksetzung sersahrcn. Rach den Gepflogenheiten bei der Bert Heilung von (Mabcn oder Einnahmen ans Wohllhätigkeitsveranflollungen *) sind schreiende Ungerechtigkeiten und Benachlheiligungen zu Gunsten von sogar fernstehenden Ehristen und oft von dergleichen politischen Parteigängern — es ist dies wiedeo holt durch die rumLnifchc« Tageszeitungen bekannt geworden -- regelmäßig zu verzeichnen. Und wenn schon die Israeliten, nicht geradezu — und nicht stets übergangen worden siiid, so ist das Verhältniß der Thcile, so ziemlich in allen Fällen wie 1000 Francs für Ehristen zu 100 Francs für Israeliten. selbst wenn diese die Bedürftigen und wenn von diesen eiu großer Theil der Einnahmen herrührt. Ern anderer Grund zu einem speziell israelirischen Aufruf, ist der,.-däß die-Lage der rumänischen Glaubensgenossen ohnehin unhaltbar ist und mit jedern Tage prekärer wird. -Eine-Unterstützung derselben zum Bleiben im Lande ist daher nicht zweckmäßig. Und T)a der Zug zum AnSwandrrn sehr lebhaft undutuanfbattsam ist, überdies seit 1884, dem Jahre, wo allein 20,000 Hausirer brodlos gemacht wurden .-' jedes Jahr und das ganze Jahr hindurch schon viele Taufend, so gut sie es selber zu Stande dringen konnten, den vn- *) Lgt. Kitine Oorrsspondtnz in Jlt. » bei 1887.

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