Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-06-30 · Heft 50 (30.6.1887) · page 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 50 (30.6.1887)
Date
1887-06-30
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449747--26729-2516572
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

150, '-•-1_T'. Beobachtungen vom See Genezareth (n*U3 D% rsA. t , (Fortmtznog^ / * ‘ ° Endlich sind wir am Warmbade angelangt. j Die Saison ist da. Eine Gruppe von Zeiten, das i blendend weisse, kuppelgekrönte neue Badehaus! mit seinen grünen Fensterläden, das rege Lenen und Treiben der Gäste macht in der sonst öden Gegend den wobltlmendsteu Eindruck. SndHch von dem unscheinbaren alten Badehause treuen wir noch eine Ruine. welche von einem Gebäude herrühren dürfte. Wenden wir uns bergan, so stossen wir auf mehrere dicke Mauerreste. Die Arbeit ist unschön und scheint desshalb in Eile gemacht worden zu sein. Kleinere Basaltsteine, welche keine Spur von Bearbeitung zeigen, werden von einer Masse Mörtel znsaramengehalten. Gegen die Stadt hin sind diese Mauerstücke; glatt und ziemlich vollkommen, die südliche Seite aber ist rauh und vielfach zerstört. Sie! ragen nicht mehr als Mannshöhe über den Boden. j Etwas nördlich davon, bereits am steilen Abhang I liegt ein jüdisches Heiligthum. Durch < das Thor der Umfassungsmauer tritt man in einen ziemlich geräumigen Hot. Er ist zum Theil ge- ' pflastert. Zwei schornsteinähnliche Brandaltäre I erheben sich auf demselben. Einige Stufen erj möglichen dem Opfernden, seine Spende auf den; hohen lisch zu legen. Eine rauchgeschwärzte : Vertiefung ist zu ihrer Aufnahme bestimmt, j Diese Altäre gehören den Sephardim. Das j Gebäude selbst bildet einen rechten Winkel j mit ungleichen Schenkeln, lu dem kürzeren beim-! det sich ein hohes geräumiges Gemach mit einem! Gitter umgebenen, hoch aufgemauerten Grabmal, j Viele Nischen sind an dem letzteren bemerkbar, j in welche Lampen gestellt werden. Jüdische i Männer und Frauen beten eifrig innerhalb die- I ses abgegrenzten Raumes. Ein Hinterzimmer * enthält eine Bibliothek von talmudischen Sclirii- J ten und Gebetbüchern. Der andere Flügel des i Baues gehört speciell den Aschkenasiro. Sein; Material ist ein schöner rot her Stein, welcher , sich recht wirkungsvoll ausnimmt. Die Wände \ sind von ziemlich hohen, vergitterten Bogenfenstern durchbrochen, welche dem Ganzen ein : stattliches Aussehen verleihen. Im Parterre lie-; gen keine Räume. Dagegen fuhrt uns eine Treppe | in einen offenen Hof des ersten Stockwerks, welchem jene Fenster angehören. Wiederum; fallt uns hier der Brandaltar auf, der etwas \ grössere Dimensionen als die beiden schon er-! wähnten hat. ln einem anstossenden Zimmer , ragt an der südlichen Wand aus einem unteres Raume das aufrechtstehende Grab des hier verehrten Heiligen empor. Die Aschk**nasim behaupten nämlich, Sie seien in dessen Besitz und das zuerst genannte Monnment im anderen Theile des Gebäudes enthalte nicht di« Ueberreste. des Gefeierten. Der Käme des Mannes ist Melr Baal Hannes, d. h. ,MeTr, der Herr des Zeichens“, oder ,der Wunderthäter*. Den Jaden gilt er als ein Enkel Neros, welcher sich za ihrer Religion bekehrte. Sein Ansehen ist bedeutend. Selbst einem ,Rambam* wird nicht so viel Ehre zu Theil, wie Melr. Während meiner Anwesenheit beging man seinen angeblichen Todestag, den 12. Jjar, welcher 1884 auf den 7. Mai üeL Aus grosser Entfernung sammelten sieh die Feiernden. Selbst Jerusalem stellte sein (Jontigent. Am Abend begann das Fest. . Die Sephardim erfüllten den vor dem Gebäude sich ausdehnenden Hof. Ein Tänzer, der zugleich als Vorsänger functionirte, zog einen dichten Kreis von Zuschauern und Zuhörern um sich. Seine halb gesprochenen, halb gesungenen, von komischen Arm- und Beinbewegungen begleiteten Worte wurden von dem ganzen Chore jeweilen mehrmals wiederholt. Jeder Theilnehmeude schwang den rechten Arm auf und nieder, bald langsamer, bald schneller, je nach dem Tempo des Vorsängers. Bisweilen wurden die Schenkel geschlagen, dann wieder klatschte man die Hände und nickte mit dem Kopfe. Aach eine Gruppe jüdischer Beduinen, welche im Chor herumschweifen sollen, hatten sich zn dem Schauspiel eingefunden und nahm einen regen Antheil daran. Im oberen Hofe, demjenigen der Aschkenasim, ertönten Geigen und Gesänge. Einzeltänzer bewegten sich um den Brandaltar. Die Vorbereitungen zur Feuerspende wurden getroffen- Alte Kleider und Lumpen legte man in den beckenartigen Kopf des Altars und übergoss sie mit ganzen Eimern von OlivenöL Ein Ausrufer versteigerte nun die Ehre des Anründens. Endlich, nachdem die Nacht schon la*vre eingebrochen war, steckte der Käufer das Opfer vermittelst ölgetränkter brennender Lumpen an und alsbald züngelten die Flammen auf dem Altar, einen grellen Schein auf die lärmende bunte Menge werfend. Unweit dieser Stätte an den felsigen Hügel hinter dem Warmbade verlegen die Juden das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.