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Der Israelit · 1887-06-20 · Heft 47 (20.6.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 47 (20.6.1887)
Date
1887-06-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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843 Doch ihr ward keine Aufforderung einzutreten, der- Nttthlrch hatte sie zu leise geklovft: sie klopfte etwas lauter. Ta ward "der Riegel drinnen zurückgefchoben, die Thür ging auf; im höchsten Grad erstaunt, blickte Alexander auf das erregte junge Mädchen. Er war so überrascht, daß er nicht einmal den Morgcngruß erwiderte, den ihre bebenden Lippen geflüstert, er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als glaube er den eigenen Augen nicht trauen zu dürfen, doch mir Gewalt suchte er sich dieser Befangenheit zu entziehen. „Guten Morgen, Fräulein — welchem Umstand habe ich Ihren Besuch zu danken? — Tie .minder befinden sich hoffentlich wohl?" „Tie Kinder schlafen noch, ich aber habe vor einigen Stunden einen Erprcßbricf erhalten und hielt mich verpflichtet, denselben Ihnen zu übergeben und zwar baldmöglichst und möglichst unbemerkt, — wcsthalb ich mir erlaubt habe, trotz der frühen Stunde. —'* „Bitte, bitte, das hat ja gar nichts auf sich." Er nahm das Blatt, das sie ihm bot und sein Blick streifte das anmulhigc junge Mädchen, das gesenkten Blickes vor ihm stand. Wie war sie doch so schön, so wunderbar schön, — sein Herz pochte laut. Wie der Stütze bedürftig, lehnte sie an den Tisch; er hätte sic gern eufgcfordcrt, sich zu setzen, ein ihm selbst unerklärliches Etwas hielt ihn zurück — hastig entfaltete er das Schreiben und trat zum Fenster, doch kaum halte er die Zeilen durchflogen, als er sich wieder zu ihr wandte. „Das ist derselbe Geistliche, der im Frühjahr an Sic geschrieben?" Sie neigte bejahend das Haupt. „Tcrsclbe." Mit incinanderverschränkten Armen stand er da, dann schritt er sinnend einige Mal durch das Zimmer. „Zu welchem Zwecke haben Sie mir das Schreiben übergeben?" „Um Sie zu warnen." „Ich danke Ihnen. — Und was haben Sie beschlossen?" „Ich? — beschlossen?' — was sollte ich beschließen? —" „Beabsichtigen Sie, der darin enthaltenen Aufforderung zu entsprechen?" „Um keinen Preis!" Sie war so schön in ihrer Erregung, so wunderbar schön, er mußte sich zwingen, sein Auge von ihr zu wenden, und er zwang sich. — Vielleicht klang auch deßhalb seine Stimme so kalt, so abweisend als er sagte: „Sie könnten sich au die Comteffe Walewska wenden, die hat Ihnen doch ihren Schutz zugesagt." Marina stützte sich fester auf den Tisch. „Fra» von Lilienfeld hat mich engagirt", sprach sie mit Anstrengung, „ich bin mir bewußt, meinen Pflichten zu entsprechen. —" „Gewiß, gewiß" fiel er ein, „Frau von Lilienfeld schätzt Sie hoch, würde Sic vermuthlich eben so sehr vcrmiffe», wie Ihre Schülerinnen — ich dachte nur, ob Sic cs nicht dennoch vorzieheu sollten unter Glaudcnsgenoffen... —" Sie schüttelte heftig den stopf. „Glaubensgenoffen — seit ich —" sic stockte, er blickte sie befremdet an. doch als sie schwieg, nahm auch er nicht das Wort. Er griff nach dem Schreiben des Pater Ansclmo und durchlas cs nochmals. „Sie persönlich legen demnach keinen Werth auf die Minheilungcn des Geistlichen?" Sie zuckle die Achseln. „Tas möchte ich doch nicht behaupten — im Gcgenthcil — wenn ich an die jüngstvcrflossenen Tage zurückocnke — es fällt mir freilich jetzt erst auf." „Was fällt Ihnen auf?" fragte er lebhaft „bitte, thcilcn Sic es genau mit." „Es ist vicllciäit nicht von Belang, aber ausfallend ist cs immerhin, weil es bisher noch nicht vorgckonnnen ist. Als ich nämlich gestern mit den Bindern durch das Torf ging, riesen einige Gaffcnbuben: ZidovK,, Zidovky! und streckten die Zunge gegen die Kinder." „Weiter nichts?" „Ich weiß nicht, ob dieses als gar so geringfügig betrachtet werden sollte, um so mehr, wenn mau bedenkt, daß bisher sämmtlichc Torfbewohner, also die Gaffenbuben gleichfalls, überaus höflich, oft sogar kriechend höflich gegen die Kinder waren, die allerdings wiederholt ihr ganzes Taschengeld dazu verwendet haben, den Torskiudern eine Freude zu bereiten." Alexander zuckte die Achseln. „Tergleichcn sind wir Juden gewöhnt und künnnert uns derartiges so wenig wie den Mond, wenn die Möpse ihn anbcllen. Daß cs Sie, als gebildete Ehristin, frappirt, finde ich begreiflich." Marina errörhete; daß er ihrer Wanmng so wenig Werth beilegte, erregte sie mehr und mehr, und plötzlich erschien gar Manches in einem andern Lichte, was sie bisher kaum beachtet hatte. „Ich muß sehr um Entschuldigung bitten" sprach sie schüchtern und mit leicht vibrirender Stimme, „ich fürchte beinahe zudringlich zu erscheinen — allein die Warnung, die mir durch jenes Schreiben geworden verbunden mit meinem

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