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Der Israelit · 1887-06-16 · Heft 46 (16.6.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 46 (16.6.1887)
Date
1887-06-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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823 ödioncn nur durch Israeliten besorgen, da er zu deren Geschäftsgeist -das unbedingteste Vertrauen bat. Nun denke ms» sich die Privarkaffe des Sultans um circa f>00 Mill. Frs. verurehrr, welche erfreuliche Perspective gewährt dies nicht der jüdischen Geschäftswelt in Fez. die wieder mit ihren Glaubcnsdrüdcru in den andern marokkanischen Städten in Verbindung steht. Tie Juden Marokkos gönnen daher ihrem Herrn und Gebieter den gefundenen Schav von ganzem Herzen. Feuilleton. Die Lonverlitin. Von Friedrich Nott. (Fortsetzung.)!7. Kapitel. Als die Kinder sich zur Ruhe begaben, zog sich Marino, wie gewöhnlich, in ihr eigenes Zimmer zurück. Sie fühlte noch keine Neigung zu schlafen, auch zur Lektüre keine Lust: sie trat au das geöffnete Fenster und blickte hinauf zu dem sternbesäetcn azurblauen Abendhimmel. Leise säuselnd fuhr der Nachtwind durch das Laub der Bäume, hin und wieder vernahm man das Zirpen einer Grasmücke und plötzlich erscholl aus dem dichten Gebüsch des Gartcus eine Nachtigall. Marina lehnte im Fenster, mir ungehaltenem Athem den wunderbar lieblichen Tönen lauschend. Sie harre den verflossenen Tag, wie gewöhnlich, in heiterem Verkehr mit ihren Schülerinnen verbracht. am Abend sogar ungewöhnlich viel gelacht und gescherzt und seltsam, jetzt üverkam cs sie so wehmuthsvoll, — das Herz war ihr so schwer, sie wußte nicht wcschalb. — Sic war sich selbst ein Nätbscl, und um cs zu lösen, ries sie nochmals zurück Alles, was sie am heurigen Tag gedacht, gesprochen und vernommen. Und plötzlich war cs ibr, als hafte ein Angenpaar auf ihr, wunderbar schöne Augen, gross und dunkel, feurig und mild. (5s waren Herrn von Lilienfeld's Augen, sein Blick hatte heute wiederholt aus ihr geruht, voll und mild. So, wähnte sic, müsse dereinst ihr Vater aus sie geblickt haben, und nun glaubte sic sich klar zu sein, und eine unnennbare Sehnsucht nach dem längst Verlorenen ci füllte ihr Herz. Ter Gesang der Nachtigall war ven'rurnmt, riefe Ruhe herrschte ringsum, Marina sah die Sterne des Lrion doppelt, denn ihre Augen füllten Thronen. Sie stand ja doch allein in der Welt, ganz allciu — die freundliche Zuneigung der kle'meu Mädchen, die sie unterrichtete und die sie gleichfalls aufrichtig liebte, war das einzige Band, das sie an die Menschen knünfte — warum empfand sie das mit einem Mal so tief? — Sie war sich doch ein Näthsel — zwar wenn sie etwas schärfer mit sich selbst hätte zu Gericht gehen wollen, sie hätte doch vielleicht das Näthsel lösen können. Aber — Sie fuhr sich mit dem Tuche über die feuchten Augen, schloss das Fenster und begab sich rasch znr Ruhe. Nur wenige Stunden waren verstrichen, die kurze Sommernacht war kaum vorüber, als ein Klopfen an ihrer Zimmenhüre sie weckte. „Fräulein Swobada! Fräulein Swobada?" Erschreckt fuhr sie auf und rieb sich die Augen. „Wer ruft?" fragte sie halblaut. „Ich bin's." (5s war die Stimme des alten Jean, der hier aus dem Lande die Funktionen des Hausmeisters versah. „Ein Bore hat einen Exprcssbrief au Sie gebracht." Kopfschüttelnd erhob sich Marina, kleidete sich hastig an und nahm den Brief in Empfang. Nachdem der alte Jean sich entfernt hatte, schloß sie die Thürc wiederum, doch sic beeilte sich nicht, den empfangenen, Brief zu öffnen, prüfend blickte sie auf die Adreste — und mit einem Mal schleuderte sic ihn von sich, bis in die entfernteste Ecke des Zrmmcrs, sie hatte die Schrift erkannt, sie war von der Hand des Pater Ansclmo. Manna wollte die Zuschrift nicht lesen, gleich am Morgen wollte sie sie verbrennen, doch jetzt wollte sic schlafen. Sie warf sich auf das Bett und schloss die Augen, gegen ihren Willen öffneten sie sich wieder und wandten sich wieder und immer wieder zu jenem Winkel, in den sie das Schreiben geschleudert. Ihre Müdigkeit war geschwunden, numutdig erhob sie sich, griff nach dem empfangeucn Briese und war eben im Begriff, ihn durch ein entzündetes Streichholz irr Brand zu setzen, als sie sich eines andern besann, das Hölzchen löschte und das couvcmrre Schreiben auseinanderriss. Sie las: „Geliebte Tochter im Herrn! Tu hast es zwar nicht verdient, dennoch wacht meine väterliche Sorge über Tich und sucht Dich zu schützen und zu schirmen vor jeglichem Hebel. Zu meinem grössten Leidwesen weilest. Tu noch immer unter dem Tacke jener gottlosen Ketzer, die demnächst das Strafgericht des Allmächtigen treffen wird. Durch eine Fügung des Himmels ist solches

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