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Der Israelit · 1887-06-13 · Heft 45 (13.6.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 45 (13.6.1887)
Date
1887-06-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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--^^•»•ci-J4.K4HafenC 811 Aufsehen, nnb die großen, politischen Zeitungen nahmen Notiz davon. Daß Tr. Wiener schon vorher diese Bemerkung vcröncntlicht halte, war uns nicht bekannt. Was können wir dafür, wenn die obscurcn jüdischen Nefor.nblättcr .unter Ausschluß der Lcffentlichkeit" erscheinen und Niemand von ihnen Notiz nimmt? — Den rvn.T esr haben wir schon im Knabenalter gelesen, noch che wir mußten, daß ein Dr. Wiener crrstirle. Dafür müssen wir un§ nun sagen lassen, „daß Freibeuterei, Lug und Drng sich «lil den orthodorcn Princivien ganz gut vertragen!!: (5-5 scheint, das inNedc stehende Ncformblatt — \*isr by cn-sr ns srx ^2: — spcculirt zu sehr auf unsere Langmmh, da wir bis jetzt noch niemals die Hilfe der (Berichte gegen Verleumder und Beleidiger angcrusen. Bcrliir, 2. Juni. Die öffentliche Discussion über die Schachts na g c!:at wieder einmal die in .der beschichte osl erprobte Erfahrung neu bewiesen, daß die katholische Presse fast ausnahmslos sich mit wärmster Dheilnahme dcS jüdischen NcligionsgesetzeS angenommen und den Beschluß des Reichstags freudig begrüßt har. Als besonders bcmcrkcnswcrth sind hierbei die Lrinnucn der i t a l i c n i s ch c n und französischen katholischen Blätter zu verzeichnen. Der vatikanische „Ä 0 n i t c u r d c N 0 m c" bringt die Nedc von Windhorst und fügt lakonisch hinzu: „Wer wagt es, angesichts dieser Neben noch von der Undnldsamlcit der ttarholikcn zu sprechen?" Die ofsiciösc.R i s 0 r nr a" und die ambardi a" bringen einen Hrmurns ans die kräftige Gcgcnagilation des Herrn Dr. Hildesheimer. Der .Tiritto" amüsirt sich höhnend über die „nngchcncrlichcn Blasen der religiösen Intoleranz in Deutschland." Ter vatikanische ^Olservatorc cattolico" schreibt n. A. Folgendes: „Der illnstrc Dr. Windhorst, stets gerecht gegen den Klaube» anderer ponfessioncn, war cs, der die Gcgcnpctition der jüdischen Kcmrmdcn mit wahrhaft herrlichen Argumenten venheidigre und konstatirtc, daß die Negierung keinerlei Riecht habe, die religiösen Traditionen irgend welcher Neligionsgenrcinschaft durch eine derartige Ginmischurig zu schädigen. Diese Anschauung thcilrcn alle übrigen Ncdncr, ausgenommen der samor'e Antisemit Böckel- (sapistrano, der die Auslegungen der Israeliten leidenschaftlich angriff. Allein Böcke! predigte den Steinen. Somit ist dieser Thci! des jüdischen Ritus gerettet, und die Israclircu können sich bei denjenigen bedanken, welche nichts unterließen, um diesen L5rso!g zu erringen. Obschon wir selbst keine Philoscmitcn sind, müstcn wir doch gestehen, daß uns dieser AnSgang zur besonderen Gcnugthuung gereicht." Das vornehmste, französische Katholikenblatt, der .(5 onstitutioncl," schreibt: Die deutschen Abgeordneten zerbrechen sich schon jetzt darüber den Kopf, auf welche Weise die Schlachrttsiere am Besten um's Leben gebracht werden. Unter dem Borwand, den Thicrcn das Sterben zu erleichtern, hatten die Thier schutzvercine zu Gunsten der Thicre eine besondere Petition cingcreicht, welche in Wahrheit ans den wenig mildthätigen Zweck abziclte, den Inden in ritueller Hinsicht Knüttel zwischen die Beine zu werfen. (5s war daS eine neue 'Manier, - den Antisemitismus zu bcthätigcn. Durch einen Spruch des Reichstages sollten die Juden «n d»e angenehme Lage verletzt werden, eutlvedcr mit ihren Glanbcnssatznngcn zu brechen, oder Hungers zu sterben. Das Parlament hat jedoch die bettenenden Anträge taktvoll zurückgcloiescn. Was sich doch die Thierschüylcr alles erlauben; Ten Nächsten entweder Hungers sterben zu lasten, oder ihm die Bcthätigung seines Glaubens zu verbieten, — diese Prinzipien haben mit dem Thicrichntz doch sicherlich gar nichts zu thun. In dieser Debatte hat sich ein sar:bered Individuurn wieder hcrvorgclhan; cs ist daS der berüchtigte Antisemitensührcr Böcke l-(5apistrano, von Ursprung selbst ei» Jude *) und Lohn . . . (5r suchte zu beweisen, daß jene Petition eine ernste Tragweite besitze, und daß die Negierung gezwungen sei, sic in Betracht zu ziehen. Der NeichStagspräsidcnt mußte ihn deßwcgcn sehr energisch znr Ordnung rufe«. Herr W indth 0 r st seinerseits berhätigte wieder den Liberalismus dcS deutschen Katholizismus, indem er entschieden erklärte, daß die Negierung die Tradition der jüdischen Religion respektiren muffe. Alle anderen Fraktionen unterstützen diese edle Erklärung. Damit ist dieser Zwischenfall beendigt; cS ging das nicht ohne Lch'.vicrigkcilcn. Lckou seit Wochen und Monaten dauerte dieser Konflikt, und wenn die Inden jetzt den Sieg davongctragcn haben, so schulden sie die Wahrung ihrer Gewissensfreiheit hauptsächlich dem wohlorganistrien Feldzug, welchen n. A. der berühmte Rabbiner und Philanthrop Dr. Hildesheimer gegen die Petition in'S Werk richtete. Derselbe halte eine Gegenpcntion entworfen, welche von mehr als zweitausend jüdischen Gemeinden unterzeichnet wurde. Außerdem hat derselbe die gntachtlichen Acußernngen einer großen Zahl von Bttcrinären, Phnsiologcn und Medizinern gesammelt, unter denen sich auch mehrere französische Berühmtheiten befinden. Aus allen diesen *) Anmrrt. vrr Red.: Taist unS nru.

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