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Der Israelit · 1887-06-06 · Heft 43 (6.6.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 43 (6.6.1887)
Date
1887-06-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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771 „3dj kann nicht — cs widerspricht meiner innersten Ueberzeugung." „Haben Sie nie gebeichtet?" fragte Alexander verwundert. „Ehedem wohl." versetzte Marina erröthend. „aber meine Anschauung hat sich geändert — und — und — gegen meine lleberzcngung —'* „Tas möchte ich Ihnen allerdings nicht cmpsehlcn -- wissen Sie denn »einen, durch den Sie Ihre Pathe beeinfluNcn lassen könnten — sagten Sie nicht, dass die Tochter der Gräfin Sic ihres Schutzes gegen die diesbezüglichen Intentionen ihrer Mutter versichert?" „Ja, ja!" rief Marina freudig, „an die Komtesse werde ich mich wenden, die kann und wird mir Helsen, in meiner Angst Halle ich ganz an sie vergessen. — Verzeihung, gnädige Iran, daß ich Sie erschreckt habe, aber —" ßh bedarf keiner Entschuldigung, liebes Fräulein." unterbrach sic amu von Lilienfeld, „ich bin nur froh, das; ich Sic wieder frisch sehe. Aber, wo sind denn die Atinber?" fragte sie, um sich blickend. „Ich habe sie in das andere Zimmer geschickt," sagte Alexander, die Thür desselben öffnend, „Gabi, Jini kommt herein, Euer Fräulein ist schon wieder hergcftcllt." Jubelnd eilten beide auf die geliebte Lehrerin zu. „Ist cs wahr, Fräulein, fühlen Sic sich wirklich wieder ganz wohl?" „Ganz wirklich wahr," erwiderte Marina lächelnd, „cs tlmt mir nur leid, daß ich die gnädige Frau und (such erschreckt habe." „Ach, das macht nichts," sagte Gabriele, „wenn Ihnen nur wieder gut ist. Werden Sie essen können, Fräulein?" „Ich hoffe." „Ich hoffe auch," ries Ioscfine, „wir haben heute Mazzelokschcn, den kennen Sie noch gar nicht, Fräulein, das wäre zu Schade, wenn Sic den nicht esse» würden." „Waschet Euch, Kinder!" rief Alerander. der wie auch seine Mutter, bereits am Tische seinen Platz eingenommen harre. Tic Kinder entsprachen der Aufforderung und saften bald, ihre Lehrerin in der Mitte, an ihren gewohnten Plätzen. In heiterster Unterhaltung ward das Mittagcsicn eingenommen, auch Marina betheiligte sich lebhaft daran, von ihrem vorübergehenden Unwohlsein war keine Spur mehr vorhanden, frisch und blühend wie gewöhnlich, unterhielt sie sich mit Fra» von Lilienfeld und scherzte mir den Kindern. Auch Frau von Lilienfeld befand sich in auimirler Stimmung, sie war ebenso wie die Kinder, von Herzen froh. Marina wieder frisch zn sehen. Sie hatte das junge Mädchen, durch deren Umgang ihre Kinder so feine aristokratische Manieren sich angcciguct hatten, von ganzem Herzen lieb gewonnen, obgleich sie cs allerdings noch immer nicht verschmerzen konnte, daß dieselbe sich mit ihrer hochgeborene» Pathe überworfe» hatte. Nur Alexander war heute schweigsamer als gewöhnlich, ein aufmerksamer Beobachter hätte jedoch gewahren können, daß er trotz seiner Schweigsamkeit, sich für das, was Marina sprach, lebhaft intcressirte, vielleicht ohne daß er cs wußte, weilte sein Blick wiederholt auf der ihm gegenüber Sitzenden. Iosefinc schien das zu bemerken: während des Essens sprang sie einmal auf, lief zu ihrem Bruder und schlang, wie sic cs zuweilen zu thun pflegte, ihre Arme um seinen Hals. „Nicht tvahr, Alex," flüstenc sie ihm in's Ohr, „Fräulein sich! heute noch viel schöner aus als sonst?" „Das ist ein Schmeichelkätzchen," sagte die Mutter lächelnd. „Ein Plaudertäschchen ist sie," entgegnete Alexander, indem er sich ihrer Umarmung entwand. „Gnädige Frau werden nichts dagegen haben, wenn wir heute mit dem Unterricht etwas später beginnen; ich möchte der Eomtcffe baldmöglichst schreiben." „Thun Sie das Fräulein, das geht Allem vor. Oder würden Sic cs nicht vielleicht'vorzichcn, sie persönlich anfzusuchen?" „Ich könnte sie nicht treffen, ohne mich in die Wohnung ihrer Mutter zu begeben, das möchte ich möglichst vermeiden." „Gewiß müssen Sie das vermeiden," fiel Alerander hastig ein, „und nicht nur möglichst, sondern um jeden Preis müssen Sie das vermeiden." Marina blickte dankend zu ihm hinüber; diese Thcilnahmc an ihrem Geschick, die er heute zum ersten Mal bekundete, that ihr sichtlich wohl. „Ich werde ihr gleich nach Tische schrciben und werde den Brief des Pater Anselms cinlcgen." „Tas wird das Beste sein," sagte Frau von Lilienfeld, „ich hoffe, Sie haben nichts weiter zu fürchten." Marina hatte mit den Kindern das Zimmer bereits verlassen, a!s_ Frau von Lilienfeld sich kopfschüttelnd an ihren Lohn wandte. „Doch ein eigenthümliches Persönchen, diese Gouvernante, für nichts und wieder nichts uns einen

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