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Der Israelit · 1887-06-06 · Heft 43 (6.6.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 43 (6.6.1887)
Date
1887-06-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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bauet hinzu, und auch die anderen Erklärer finden in unserer Mischnah noch manches Auffällige, waS wir im Lause unserer Tarstcllung erwähnen werden. Man erficht jedoch schon aus den drei hier wicdcrgcgcbcnen Fragen, wie schwer unsere Mischnah zu erkläre» ist. Einiges Licht wirft auf fie der erwähnte Ausspruch in Berachoth, den wir deßhalb unseren Lesern vorsühren wollen. Tort heißt cs: Nobin bar Ada sagte im Namen des Rabbi Iiz chak: Woher in bewiesen, daß der Heilige, gelobt sei Er, in derLynagogc gegenwärtig ist? Tenn so heißt cs: Gott ficht in der Gemeinde (Lottes. Und woher ist bewiesen, das; bei Zehn, die gcmcinschast- «ich beten, Lottes Majestät sich befindet? Ls heißt cs: hJoii ficht in der Gemeinde Lottes. Und woher ist bewiesen. daß bei Dreien, die zu Gericht sitzen, Gottes Majestät gcgenwänig ist? Tenn jo heißt cs: 3» der Milte der Richter wird Er richten. Und woher ist bewiesen, daß bei Zweien, die da zttsanrnrenfirzen und sich mit der Tbora beschäftigen, Gottes Majestät gegenwärtig ist? Tenn so heißt eS: Tann untcrredcn sich die Gottesfürchtige» einer mit dem andern, und cs vernimmt es der Ewige und hört es, und cs wird eingeschrieben im Bucke des Gedächtnisses vor Ihm für die Gorresfürchtigcu, und die Leinen Namen achten. (Was heißt das: Und die Leinen Namen achten? Rarv Ajchi sagte: Hat Jemand die Absicht gehabt, ein GoltcSgcbot zu erfüllen, und er ist verhindert worden. daß er cs nicht ausführe» konnte, so rechnet ihm das die heilige Lchrift an, wie wenn er es geihan hätte.) Und tvohcr ist bewiesen, daß sogar bei Einem, der da sitzt und sich mit der Thora beschäftigt, Gottes Majestät gegenwärtig ist? Tenn so heißt cs: An jedem Cuc, an welchem Ich Meinen Namen erwähnen lassen werde, werde ich zu dir komnten und dich segnen. — Lowcir der AuSsprirch; urid nun fragt die Gemara: Ta schon bei Einem Gottes Majestät ist, um wie viel mehr bei Zweien? Und sic antwortet: Bei Zweien werden ihre Worte ausgeschrieben im Buche des Gcdächtnines; die Worten eines Einzelnen werden aber nicht ausgeschrieben im Buche des Gedächtnisses. — Wenn mm das schon, fragt die Gemara weiter, bei Zweien der Fall ist, um wie viel mehr bei Dreien? — Weil ich gemeint hätte, lautet die Antwort, daß Rechtsprechung bloße FriedcuSstistung sei, zu der Gottes Majestät nicht erscheine, so thnt die heilige Lchrisr uns kund, daß Rechtsprechung dem Tdoralernen glcichgcachtct wird. — Wenn nun das, fragt die Gemara zum Lcklune, bei Treten der Fall ist, um wie viel mehr bei Zehnen? Tic Antwort lautet: Bei zehn Acuten erscheint GotteS Majestät zu¬ '66 erst, bei Dreien hingegen erst dann, wenn fie sich nicdergcsevt haben. Unsere geehrten Leser ersehe», daß die Antworten der Gemara im höchsten Grade unverständlich find und der Erklärung bedürfen, die wir später zu gebe» uns bemühen werde»; aber das Eine ergibt sich klar aus diesen Fragen und Antworten, daß Lluscnfolgcn eristircn. die sich nach der Zahl Derjenigen richten, die sich zuut T Hora lernen zusammenfinden. Ter Ehaßid Rabbi Joseph Iabcz uiackt das an einem schönen Gleichnisse klar. Ter Ltönig eines großen Landes wohnt fast immer iu der Hauptstadt, die er zu seiner Residenz erkoren. In den Ltädtcn zweiten Ranges erbaut er sich einen Palast, in welchem er einige Wochen wohnt. In noch kleinere» Ltädtcn hält er sich vorübergehend einige Tage auf; an noch kleineren Plätzen nimmt er nur für einen Tag Aufenthalt; an den kleinsten Crtcu verweilt er eine ganz kurze Zeit und gibt seinen Berclucru Gelegenheit, sein Antlitz zu scharren. Lo verhält cs sich gleichsam bei dem hier Besprochenem. Wo Zehn sich zusammensinden, um in der Thora zu forschen, da ist gleichsam des allmächtigen Königs Residenz, wie cs heißt: Gott steht (nimmt gleichsam seinen ständigen Auseuthalt) in der Gemeinde Gorres. Wo fünf Leute sich gemeinschasrlich mit der Thora beschäftigen, da errichtet gleichsam der König aller Könige sich euren Palast zum längeren Bcrweilcn, wie cs heißt: Und Leine Feste hat auf Erden Er gegründet. Wo drei Leute zusammen in der Thora forschen, da erscheint der Körrig in ihrer Mine, aber nicht zu längerem Aus. enthalt, wie cs heißt: Iu der Mitte der Richter wird Er richten. Bei Zweien nimmt Er ihre Borträge entgegen, wie cs heißt: Und Gott vernimmt und hört. Zu Einem lourmt Er aber nnr, um ihm Lein Amlitz leuchten zu lassen, wie cs beißt: Au jedcnt Orte, an welchem Ich Meinen Namen erwähnen lassen werde, werde Ich zu dir kommen und dich segnen. Lo schön dieses Glcichniß ist und so hübsch auch zu demselben die angeführten Bidclstcllen sich cinsügc», so ist es eben nur ein Glcichniß. das nickt im einfachen Linnc genommen werden darf. Gott ist nicht wie ein irdischer völlig, Gott ist aller Orten und z» allen Zeile» gegenwärtig. Wie diese Ltusensolgc zu verstehen ist, das werden wir, so Gott will, im folgenden Kapitel auseinanderzusenen uns bemühen. (Fortsetzung folgt.)

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