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Der Israelit · 1887-06-02 · Heft 42 (2.6.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 42 (2.6.1887)
Date
1887-06-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXYHL Iahrgav-. Erste Beilage zu Nr. 42 des Israelit., Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Mainz, 25. Mai. Bor ungefähr 14 Tagen ging uns eine Nummer der in Warschau erscheinenden hebräischen Zeitschrift „Hazephira" zu, die eine ebenso lächerliche wie unwa hreBeschuldigung gegen uns enthält. Wir können erst heute darauf entgegnen, weil wir zuvor Aufklärung von einem im fernen Osten wohnenden Mitarbeiter verlangen mußten. Tie Angelegenheit ist die folgende: Bor einiger Zeit erschien im „Israelit" eine Korrespondenz aus Hilleh (Babel), in welcher der Tod zweier berühmter Ehachamim beklagt wurde, deren Namen mitgciheilt waren. Wie sehr viele jüdische Blätter den „Israelit" regelmäßig abschreibcn und die Artikel, die uns schwere pekuniäre Opfer kosten, für sich anncctiren, so macht es auch „Hazephira". Nun schreibt derselben ein Herr Salomo Dechor Huzin aus Bagdad, daß jene beiden Nabbinen gar nicht existirt hätten. „Hazephirah" benutzt diese Mitthcilung, auf den „Israelit", dem sic fortwährend ihre Nachrichten entnimmt, weidlich zu schimpfen und den Ncdactcur des „Israelit" zu beschuldigen, daß er die orientalischen Korrespondenzen und Artikel selbst fabrizirelk! Wir sagten oben, das; diese Beschuldigung ebenso unwahr wie lächerlich sek. Welche ungeheure Gelehrsamkeit, welche wunderbarePhantasie müßte dcrNedarteur des „Israelit" besitzen, wenn er im Standewäre, dasAllcs selbst zumachen! Im Leserkreise des „ISraelit" befinden sich viele hochgelehrte Männer — wir ftagen sie, ob Einer unter ihnen ist, der sich.zmraute, alle jene Korrespondenzen aus allen Thcilcn von Asien, Afrika und der europäischen Türkei sich auszudenkcn!!! „Hazephira" fügt jedoch hinzu, daß sic bezweifele, daß in allen jenen Ländern, in Babel, Persien, Jemen, Indieu, Bokhara :c. rc. cs Männer gebe, denen die deutsche Sprache geläufig ist, so daß sic für den „Israelit" Korrespondenzen schreiben könnten; nun, dieser Zweifel ist durchaus berechtigt, und wir find darüber unfern geehrten Lesern Aufklärung schuldig. Es werden nun bald zwei Jahre sein, daß rs uns gelungen ist, einen Mitarbeiter zu erwerben, der ein großer Kenner der orientalischen Sprachen iU, lange Zeit die verschiedenen Länder des Orients bereist und daselbst Verbindungeu angeknüpft hat. Nachdem dieser gelehrte Herr in einer großen Stadt des Ostens, seinen festen Wohnsitz genommen, hat er seine Freunde und Bekannte in den fernen Ländern Asiens und Nordafrika's veranlaßt, ihm alles Wiffeuswerthe in Bezug auf unsre Glaubensgenossen — in ihrer Sprache — mitzutheilen. Die so erhaltenen Neuigkeiten bearbeitet dann unser gelehrter Mitarbeiter für den „Israelit" und datirt sie nach den ihm zugekommenen Originalbriefen. Diese Briefe, und namentlich die Eigennamen darin, sind oft sehr schwer zu lesen, „und so mag es gekommen sein", schreibt uns unser geehrter Mitarbeiter, „daß ich die Namen jener zwei Nabbinen nicht ganz richtig wiedergegebcn habe. Uebrigens müßte Herr Salomon Huzin in Bagdad, wenn diese Eorrespondcuzen erdacht wären, doch an den circa 20 Corrcspondcnzcn, die der „Israelit" aus Bagdad, dem Wohnorte dieses Herrn, veröffentlicht hat, schon längst Anstand genommen haben; denn alle diese Korrespondenzen sind in die hebräischen Zeitungen übergegangen, auch in „Hazephira", und sind ihm zu Gesichte gekommen! — Das ist doch wohl der beste Beweis, daß die Berichte aus Bagdad vollkommen der Wahrheit entsprechen, und wie diese so auch all' die andern. Daß bei der großen Schwierigkeit meiner ebenso umfangreichen wie oft schwer zu bewerkstelligenden Arbeit (Bearbeitung hebräischer, chaldäischer, arabischer, persischer Briefe oder solcher, die oft in einem Gemisch aus verschiedenen Sprachen geschrieben) kleine Irrthümer mitunterlaufen, läßt sich schwer vermeiden, pv« na n*.N*:cr." Wir haben daraufhin unfern geehrten Mitarbeiter um die größte Sorgfalt ersucht und ihn gebeten, solche Eorrcspondcnzcn, die nur schwer zu entziffern sind, künftig lieber gar nicht zu bearbeiten. Auf all' die lächerlichen und boshaften Bemerkungen, welche „Hazephira" an diesen Vorgang knüpft, haben wir nicht die Absicht zu antworten. Erst nützt sie uns aus, anuectirt ohne die geringftcn Kosten die Korrespondenzen, die wir für schweres Geld erwerben, und zum Danke dafür beschimpft sie uns öffentlich. Gleicht sie doch jenem Diebe, der dem Bestohlenen geschrieben: „Sie schlechter Kerl, der Hundertthalerschein, den ich Ihnen gestohlen, ist falsch!" — Unser gelehrter Mitarbeiter, im höchsten Grade empfindlich, wie große Gelehrte zu sein pflegen.

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