Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 42 (2.6.1887)
- Date
- 1887-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVHL Jahrgang. M 42. Ei, Zentral - Organ für das orthodoXe IudenLHum. Hcrausgegebcn von Dr. Lehman» in Mainz. Donnerstag, de« 2. Juni 5647 (1887). Leitende Artikel. Are Sprüche der Aäter. Drittes Buch. XIII. Mainz, 26. Mai. Die (Erklärung unsrer Mischnah, die wir im vorigen Kapitel gegeben haben, wird im Midrasch bestätigt und näher ausgeführt. Daselbst werden eine große Anzahl schlimmer Tinge aufgezählt, von denen Derjenige verschont bleibt, welcher das Joch der Thora auf sich nimmt, wie es heißt «Psalm 19): „Die Befehle Gottes sind gerade, erfreuen das Herz; das Gebot Gottes ist hell, erleuchtet die Augen." — Wer aber das Joch der Thora von sich wirft, von dem heißt es: „Weil du nicht gedient hast dem Ewigen deinem Gotte in Freude und mit zufriedenem Herzen in der Fülle des Besitzes, so wirst du dienen muffen deinen Feinden in Hunger und in Durst, in Nacktheit und in Mangel an Allem." Wenn ein Armer bei einem Neichen um eine Erquickung bittet, und der Reiche versagt sie ihm, so werden feindliche Krieger kommen und den besten Wein aus seinem Keller verlangen. — Wenn ein Armer um ein altes Gewand bittet, um seine Blöße zu bedecken, und der Reiche versagt es ihm, so werden feindliche Krieger kommen und ihm seine besten Kleider nehmen (Eliahu Sutta E. 16). Warum, fragen die Weisen, (Thanchnma Ehuckarh) wurde die Thora in der Wüste gegeben '< Wie diese Wüste weder bearbeitet noch besäet, noch mit Steuern belastet werden kann, so wird Jeder frei von allen Sorgen sein, welcher das Joch der Thora auf sich nimmt." Wir haben im vorigen Kapital bemerkt, daß die Worte px *p*i nzbo bv noch eine andere Deutung zulaffen. Eine ganz eigenthümliche Erklärung gibt Rabbi Samuel de Oseda. In zwiefacher Weise, sagt er, wird die Welt regiert: durch den göttlichen Willen und durch die von Gott der Natur zu Grunde gelegten Gesetze. Die erstgenannte Art der Wcltlenkung heißt rv2>v, die Regierung. Gott verhängt und bestimmt nach Seinem fteien Ermessen und nach Seinem allweisen Willen, was geschehen oder unterbleiben soll. Die zweite Att heißt px *p-i, „der Weg der Erde," das heißt, der gewöhnliche Lauf der Dinge. So nun Jemand das Joch der Gottcslehre voll und ganz auf sich nimmt, daun erlangt er dadurch eine so hohe Stufe, daß er nicht allein den Naturgesetzen nicht nnterworfen wird, sondern daß sogar der Wille des Allheiligen vor dem seinen manchmal zurücktritt. Als die Israeliten am Fuße des Berges Sinai ein Götzenbild gemacht und es angcbetet hatten, da beschloß der allmächtige Gort, sie allesammt zu vertilgen. Wer war es, der diesen Beschluß rückgängig machtet Moscheh war cs, unser großer Lehrer, der so Großes zu vollbringe» vermochte, weil er das Joch der Gotteslchre voll und ganz auf sich genommen hatte. — So finden wir auch, daß der wahrhaft Fromme den natürlichen Lauf der Dinge px pi zu verändern vermag. Das Klima des heiligen Landes bringt es mit sich, daß es zur Zeit der Weizenernte nicht regnet; dennoch vermochte der Prophet Samuel, um sein Bolk zu ermahnen und von bösen Wegen abzuhalten, in der erwähnten Jahreszeit einen Gewitterregen herbeizuführen. — Das Entgegengesetzte wird uns vom Propheten Elijahn berichtet. Wiewohl es der Lauf der Natur ist, daß cs zur Winterszeit im heiligen Lande regnet, so blieb doch auf sein Geheiß drei Jahre nacheinander der Regen aus, um die von Gott abgefallenen Israeliten ob ihres Götzendienstes durch schwere Hungersnot zu bestrafen und zur Gotteserkenntniß zurückzuführen.