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Der Israelit · 1887-05-26 · Heft 41 (26.5.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 41 (26.5.1887)
Date
1887-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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720 in Madrid aufgetaucht — mit welchen Mttcln sie den weiten Weg zurückgelegt haben, wisien wir nicht — und um eine solche „Lumperei" solches Klagegeschrei. Was würde daS Eomit« thun, wenn weitere unglückliche „13", sagen wir aus Tunis oder Marokko, in Madrid austauchen würden V Tics ist zwar nicht glaublich, weil diese Israeliten weder Deutsch noch Französisch l cs cn können, um von der spanischen Idee etwas erfahren zu haben. Gesetzt jedoch den Fall, so kann man unmöglich schon jetzt mit den Lciträgen der „Iudcnschasl der ganzen Welt" rechnen, sondern, ich glaube ganz unmaßgcblich, daß allein HerrLapuya. bezw. richtiger: das Eentro Espannol und die israelitischen Befürworter seiner Idee mit ihren respektive» und respektablen .Börsen für ihre „spanische" Agitation ein st eben.ilciii Unternehmen ohne Risiko! Wenn Herrn Lapnya und den Promotoren seiner Idee an der „Wohlfahrt Spaniens" etwas liegt, so müsicn sie sie, zunächst wenigstens mit ihren eigenen Mitteln in jeder Weise fördern und alle Konsequenzen . tragen. Vergebens wird man sich jetzt zu vcrthcidigcn suchen, das; man Mittcllosc gewarnt hat, nach Spanien zu gehen, i^ui s'oxnise, s*aecu.se. sagt der Franzose sehr richtig: man hätte vorher bedenken müsicn, das; für Vcrmöglichc keine Agitation nöthig ist, daß das „Aus-"Waiidcrn eben bloß Mittellose angcht, und daß gerade diese die Warnungen nicht in Acht nehmen werden, weil ihnen die Glanzmalerei, die sic nicht bcurrheilcn können, verlockender erscheinen muß, als die traurige Wirklichkeit, in welcher sie leben. Diejenigen die für Spanien cingctreten aber, sind noch „Lavuyi'scher" als er selbst ausgetreten. Tenn während Lapnya die Ginwanderung als „für Spaniens Wohlfahrt" not Hw endig bezeichneie, betrachten die Erücrcn sic als Gunst (!?), als ob cs sich nur die Wohlfahrt der cinwanderndcn Israeliten handelt. Und doch mußten sich die Verthcidigcr israelitischer Inrcrcsicn sage», daß Lapuna, als Privatperson, die er in, Spanien nicht vcrpflich. ten könne, daß Privar-GomiEs nicht nntcrnchmen können, was Sache der önentlichcn Staatsgewalt ist und einzig in der .Kompetenz der jeweiligen Regierungen liegt. Tic jetzige Regierung nun lhul ihrerseits nichts, um die Einwanderung zu begünstigen und sicher zu stellen, die jetzige und dicRcgienrngcn, die später kommen werden und alleinige Leiterinnen der Geschicke Spaniens sind, können jederzeit die Peranstalrungen des Herrn Lapnya desavnircn und zunichte machen. Tics ist dcrZiardinalpunkt auf den nächst demjenigen, was das Land in der Lage ist, Ankömmlingen zu bieten, die ganze Schwere des Gewichtes fällt. Was noch sonst in Erwägung zu ziehen ist. habe ich in den vorhergegangenen Aufsätzen auseinandergcsctzt. Alle» zusammen Härte von einer Propaganda abhaltcn sollen, und nun wäre cs ein unbegreifliches Sichwcgwcrsen, eine Leichtfertigkeit ohne Gleichen mit der Einwanderung in Spanien weiter zu spielen. Für mich kann es nur eine Art der Einwanderung in Spanien geben: wenn die Negierung sie in die Hand nimmt. Auch dann noch freilich bleiben verschiedene Bedenken bestehen, mindestens aber trägt sie einen offiziellen Eharakter, der jedenfalls eine gewisse Bürgschaft ist. Tie bloße Intcrprelirung eines vorhandenenDerfaffungSanikclS von der „Niederlanung" Fremder, die f. Z. so sehr in'S Liärr gestellt wurde *), bietet keine Garantie; inrcrpretiren kann man heute so und morgen anders. Es müßte für diesen Spezial fall ein spezielles Gesetz geschaffen werden, welches ausdrücklich enthalten soll: Widerruf des Ausireibnngsediktcs von H02, Gcnngthuung durch Schenkung , als eine Rückerstattung der cingezogencn Liegenschaften (Synagogen, Privalhäuser, Friedhöfe u. s. w.), Einladung zum Ricderlasscn und Vergünstigungen für diejenigen, welche zu irgend einem Thun kommen.*) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 22. Mai. Ter Beschluß des deutschen Reichstages, die Schechita betreffend, har in der gcsammtcn Presse einen nicht geringen Eindruck bintcrlaffcn. Während die wenigen raffeuanriscunlischen Organe ihre ohnmächtige Wuth in Ansrufnngszcichen und Gedankenstrichen bei der Wiedergabe dcrRcichstagsvcrhandlnngcn nicderlegcn, schweigen sich die konservativen Blätter in scham- Kastcr Tcmuth aus. Tie unabhängige Presse feiert den Beschluß des Reichstags als einen Sieg des gebeugten Rechts und der bedrohten Gewincnsfreihcil und als ein sicheres Zeichen, daß die schlimmen Tage der nationalen Hctzbewcgung nun bald zu t) Und bos xsitbrr rin «^renb gegen «ine erpresse Agitetion in. bn doch nach ihm dasNiederlagen ohnehin Jedermann freiftehr. 2>?C5 wirtliche Bettler und gewerbsmäßige Richrstburr nacd Lxanien geben werden. berweiNe ich: Handwerker und kttrinkrämer aber müssen ebenso willkommen sein, wie kkapiralisten, wenn mau uichr ganz egoistisch sein will.

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