Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 41 (26.5.1887)
- Date
- 1887-05-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Ter oben wicdergcgebene Ausspruch dieses großen Weisen ist in vielen Beziehungen dunkel. Zunächst erscheint die Ausdrucksweise nicht folgerichtig. Er lügt im Ansang: „Jeder. der auf sich nimmt das Zech der Thora, dem mntnit man ad 2c." Dementsprechend hätte er im Schlußsätze sagen sollen: „Wer aber nicht auf sich nimmt das Jock der Thora, dem nimmt man nicht ab :c." 2iau dessen aber sagt er: Jeder, der abwirst das Joch der Thora, dem legt man auf rc. Ferner ist zu erörtern, was eigentlich e>'272 und p» 7-- r:y heißen soll. Wir haben cs nu't „das Joch des staatlichen Druckes und das Jock der täglichen Sorgen," der Erklärung Bartincra's folgend, übersetzt; doch gibt cs noch andere Erklärungen dafür, wie wir später anssühren werden. Tie von uns obenerwähnte Frage wurde von Rabbi Lamncl de Si'eda angeregt, der ne auch beantwortet: wir ziehen cs jedoch vor, die Tarstellung des Rabbi Herz Wesel hier wicdcrzngebcu, in welcher die Beantwortung der erwähurcn Frage liegt. Ter Weise, sagt der genannte Erklärer, spricht hier von cinem solchen Manne, der trotz vieler Nörhe und Drangsale das Joch der Gotteslehre ans stch nimmt und sich stets :mt ihr beschäsligt, wie der sromme Körrig sagt (Psalm I!'.», B. ION und ferner): „Wicwobl mein Leben stets in Gefahr, so habe ich doch Deine Lehre nicht vergessen. Böscwichler haben mir Schlingen gelegt, ich aber diu von Deinen Befehlen nicht abgcirrr. Deine Zengnisic sind mein ewiges Erbgut, denn sic sind die Wonne meine» Herzens. Ich habe gelenkt mein Herz, Deine Satzungen zu vollziehen — ewig ist der Lohn." Der zuletzt erwähnte Vers drückt am Deutlichsten den unsrer Aischnah zu Grunde liegenden Gedanken ans. Wiewohl des Menschen Herz von Rarur dazu geneigt ist, seinen Sorgen und xrnmmeruisscn nachznhängcu und dadurch vom Studium der Gottcslchre sich abzuwcndcn, so gibt das der Fromme nicht zu, sondern lenkt cs mit starkem Willen zu den Satzungen unsres Gottes. Das heißt rrsn Sy-v.-y irrpr: 72 „wer, trotz aller cntgegcustchcnden Hn:dernisie ans sich nimmt das Joch der Thora." Ihm wird dcr^Lohn zu Thcil, daß ihn alle Sorgen und »kümmernisse, mögen sie nun voui staatlichen Drucke herrühren oder mögen sie ans trüben Familicnverhülrrnsien oder aus der Schwere der Erringung des täglichen Brodcs herrührcn, abgenormncn werden, und dann wird der Fromme das Joch der Goucslchre in Freuden tragen und an nichts Mange! leiden. „Wer aber das Joch der Thora von sich adwirst." Jeder Israelit ist schon durch seine Geburt dazu verpflichtet » das Joch der Gotteslehre zu tragen, wie unsre Voreltern am Berge Sinai für sich und alle ihre Nachkommen es beschworen haben. Wer jedoch durch die trüben Verhältnisse, in denen er lebt, nicht dazu gelangt, dem Thorastudlnm sich hinzugcbcn, von dem kann man nicht sagen, daß er das Joch der Thora adrvirft, denn nichi der Muchwille des eigenen Herzens har ihn dahin gebracht, sondern der Druck der Äerhältniffe. Wer aber in der glücklichen Lage ist. frei von Sorgen und ftümmcrnincn, seine Zeit der Erforschung der Gorreslcüre widmen zu können, sich aber dennoch der Beschäftigung mit eitlen und unnützen Dingen hingrbl, der wirft mmhwillt'g das Joch der Thora ab. Zur Strafe dafür werden ihm Sorgen und Kümmernisse aufgelegt — sei cs von Seiten des staatlichen Druckes oder fei es durch Trübung seiner persönlichen Verhältnisse. Mil dieser Erklärung ist die Frage des Rabbi Samuel de Sscda beantwortet. Ter erste Tbeü der Mischuah redet von einem solchen Manne, der unter staatlichern Druck oder unter anderer Sorgenlast derart leider, daß cs ihm fast unmöglich wird, sich mit denr Studium der Thora zu beschäftigen: dennoch überwindet er alle Hindernisse und nimmt gleichsam das Joch der Thora auf's Reue auf sich. Er wird von den Sorgen befreit, damit er freudig seinen frommen Willen auszusühren vermag. Ter Schlußsatz der Mischuah redet aber von einem solchen Manne, der in Frieden und ohne Sorge» lebt und in seinem Uebermmbe das Joch der Thora abwirft: über ihn kommen Kümmernisse von allen Seilen. Wir lernen ans der Lehre des weisen Rabbi Rechunja den Hakauah, daß Niemand berechtigt ist, zu sagen, das;, weil trübe Verhältnisse und Sorgen ihn Niederdrücken, Gon bcstimult habe, daß er nicht in der Thora forschen solle. Er hat vielmehr die straft, trotz allem Entgcgcnstchendcm, das Joch der Thora auf sich zu nehmen, die quälenden Gedanken zu verscheuchen und sein Herz zu den Satzungen unsres Gottes hcnzukcn'en. In diesem edlen Thun wird die ücberzengurrg ihn bestärken, daß der Allmächtige bereit ist. ihm zu helfen und von Sorgen und Ztnmmer ihn zn befreien. ' (Fortsetzung folgt.)