Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 41 (26.5.1887)
- Date
- 1887-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVIII. Jahrgang. M 4L ei« KenLrat - Grgan für das orthodoxe Zudenthunt. Herausgegebcn von Di-. Lehmaa« in Mainz. Donner ft ag, den 26. Mai 5647 <1887). ESST“ Wegen des heil. Wochenfeftes erscheint die nächste Nummer Donnerstag den 2. Juni. Leitende Artikel. Die Sprüche der Käter. Drittes Buch. XII. Mainz, 23. Mai. nrn b'y vby ispcn bi *cw n;pn p N’^ru •jcc pisn pn b',?' txfrs ^-7 n->- :px -pn b'ir> rccfca by r^y rs« ,n*Kn 717 „Rabbi Nechunja bcn Hakanah pflegte zu sagen: Jeder, der da auf sich nimmt da- Joch der Thora, dem nimmt man ab das Joch des staatlichen Druckes und der täglichen Sorgen; jeder aber, der das Joch der Thora von sich abwirft, dem legt man ans das Joch des staatlichen Druckes., und das Joch der täglichen Sorgen." Ter in unsrer Mischnah genannte Weise lebte zu der Zeit, als der heilige Tempel noch stand, und war ein Zcitgcnoffc des Rabbon Jochanan bcn Sackai. (Vergleiche Baba Batrah 10k, woraus dervorzugehen scheint, daß er zu den Schülern des Letztgenannten gehörte; dagegen spricht jedoch, daß Rabbon Jockanan ihm den Titel Rabbi beigelegt, während er seine Schüler stets einfach bei ihrem Namen nannte.) Am Bekanntesten ist Rabbi Nechunja ben Hakanah durch die Gebete geworden, die er beim Besuche und beim Vertanen des Lcth Hamidrasch zu sprechen pflegte (Berochoth 28 k). Beim Eintritt in das Bcth Hamidrasch sprach er: Es sei wohlgefällig vor Dir, Ewiger, mein Gon, daß durch mich nichts Unrechtes geschehe und daß ich nicht strauchele in der Halachah, so daß meine Genossen sich durch Schadenfreude an mir versündigen könnten, und daß ich nicht sage auf unrein rein oder aus rein unrein, und daß meine Genossen nicht straucheln in der Halachah, damit ich mich nickt an ihnen durch Schadenfreude versündige. — Beim Verlassen des Bcth Hamidrasch sprach er: Ich danke Dir, Ewiger, mein Gott, daß Tu meinen Anthcil gegeben unter denen, die im Beth Hamidrasch sitzen und nicht unter denen, die an den Straßenecken (oder in den Wirthshäusern) sich aufhalten; denn ich stehe früh auf und sie stehen früh auf; ich stehe früh auf zu den Worten der Thora, und sie stehen früh auf zu unnützen Dingen. Ich bemühe mich und sie bemühen sich; ich werde einst für mein Blühen Lohn empfangen, sie aber werden für ihr Mühen keinen Lohn empfangen. Ich laufe und sie laufen; ich eile dem ewigen Leben entgegen; sie aber rennen in die Gruft des Verderbens. — Rabbi Nechunja bcn Hakanah erreichte ein hohes Alter, wie unsre Weisen Traktat Megillah 28 a. erzählen. Ihn fragten seine Schüler: Rabbi, wodurch Haft du ein so hohes Alter erreicht? Und er sprach zu ihnen: Niemals habe ich durch Herabsetzung meines Nächsten nach Ehre gestrebt; wenn mich Jemand beleidigt hatte, so habe ich ihm verziehen, noch ehe ich mein Lager aussuchte; mit meinem Gelde suchte ich so viel als möglich Gutes zu rhun, namentlich dadurch, daß ich durch Darlehen Unbemittelten dazu verhals, sich redlich zu ernähren. Wir ersehen daraus, welche edle Eharattercigenschaftcn Rabbi Nechunja bcn Hakanah besaß; aber auch seine geistige Größe, feine unermeßliche Gelehrsamkeit wird ungemein gerühmt; ihm wird die Autorschaft des kabalistischen Werkes vrcmsa zugeschrieben.