Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 40 (23.5.1887)
- Date
- 1887-05-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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712 und Edle ererben. Oder hasten diese Eigemhümlichkettcu diesem Volke an, seitdem es in der Wune unter Moses Führung zum selbstständigen Volke geworden? Auch das nicht, weil ein Voll, welches wie Israel eine Lehre von C\5ott empfängt, die die Quelle alles Lichtes und aller Erkenntniß ist, weil, sogen wir. ein Volk, das zu solch' hoher Mission auserkoren ist, wohl die edelsten Eigenschaften in dasselbe luvranfyiKScn unS bemüssigl. Oder hatten uns die Iosira's, die Gideon's, die Davids, die Hasmonäer diese verächtlichen Eigenheiten vererbt? Das auch nicht. Oder gar das mittelalterliche Indenthum? Das schon gar nicht, denn die bösen Eigenschasten, wie man sie den Inden am häufigsten und am liebsten vorzuwerfeu pflegt, wie Habsucht. Eigennutz, Aufdringlichkeit ». s. w. finden sich beim mittelalterlichen Indenthum am allerwenigsten bestätigt. Es opferte gerne und willig alle Glücksgürer des Lebens, ja das Leben selbst, wo es galt fein höchstes Ideal, seine Lehre zu erhalten. Man bot ihm hohe Aemler, Würden, Macht und Einstnst, wenn es sein Gott. seine Religion verleugnen wolle: bereitwilligst öffnete man ihm die Ttzore, die snin Paradiese des irdischen Daseins fahren, aber die schönsten Verlockungen srnchtetcn nichts; cs duldete lieber, ertrug ergeben sein Mistgeschick, warf Hab und Gut und Leben in edler Selbstlosigkeit und Selbstverleuguuug hin und blieb treu seiucm Ideal, seinem Glauben. So sahen von jeher die Habsucht, der Eigennutz und die Ausdringlichlcit aus in Israel, und so sicht es noch heule aus im augefeiudeten Iudeutb,:rm, wo es in seiner Mildrhaiigkeit, in seiner Aufovsermtgssähigkeit für jede gute' Lache, ia ftinein Iam-Iieu- und Zusammcugehörigleitssian einzig in seiner Art dastehl. Einer solchen Race, einem Volke mit solchen Eigenthümlichkeiten, gehören wir an. lind darum wurde Israel, nach der oben an» gesühneu Midraschstelle von allen andern Völkern bevorzugt und die allbeglückende Gotteslehre wurde ihm am Sinaiberge verkündet, weil es von jeher einer Race angehört, die die edelsten Eigenschaften besessen hat. Gott sprach nun zu den übrigen Völkern: Bringer mir euren Adelsbriet, wer sind euere Almen? Amen. Moab, Edom, Manaan, Raubritter, wilde Horden; und wer sind Israels Ahnen? die edelsten Geschlechter, Ritter der Tugend, Ritter des Edelmmhs und des HochsinnS, Abraham, Irak, Jakob, dis wohin unser Stammbaum reicht — wahrlich vom ältesten und vornehmsten Adel — unsere spätem Ahnen waren das Geschlecht, welches die Lehre Gottes empfangen und zuerst die Einheit Gottes anerkannte, unsere noch spätem Ahnen, jene Hcldcngeschlechtcr. wie wir sie oben bis am die heutige Zeit vorgcsührl haben. Unser Adelsbrief ist nicht aus vergilbtem Papier verzeichnet, sondem in dem Goucsbuche und in der Geschichte dcr Menschheit. Wir sind stolz darauf, einer solchen Race anzugchörcn, und alle die edlen Eigenthümlichkeiten derselben zu besitzen; die Edlen und Einsichtsvollen der Völker wissen uns darob zu würdigen und zu schätzen, aber die von Neid und Haß Verblendeten sind darüber eitel Wmh und Grimm. Drei Denkmäler sind es, welche die Welt an daS große Ereigniß vom K. Siwan erinnern, der Sinaiberg, das Schabuothfeft und Israel. Alle diese drei haben einen gemeinsamen Zug, der sic besonders kennzeichnet, dieser ist: Tic Lcscheidcnhcit. Der Sinaiberg blickt nicht von stolzer Höhe herab ans seine übrigen Brüder, sondern er ist ein Berg von bescheidener Höhe. Das Schabuothfeft verlangt von uns keine bcsondcm Opfer, wie das Peßachfest die Mazzos, das Sukkothfesr, die Laubhütte und den Icftstrauß, sondern cs tritt sehr bescheiden und anspruchslos auf; cs verlangt nichts vouZuns als die Erinnerung an die Offenbarung Gottes. Israel ist ein kleines Völkchen, welches wohl die Lehre mm Gott empfangen har, welches auch den ältesten und vornehmsten Adel unter allen Völkern nachznwciftn vermag, welches viele schöne Tugenden besitzt, welches aber auch bescheiden und zurückgezogen sich verhält, sich nie mit seiner sittliche:: Größe brüstet und nichts anders wünscht als Wahrheit und Frieden, Recht und Gerechtigkeit, und welches nur dann feine hohe Bedeutung hervörkehn, wcm: eS dazu herausgcfordert wird. Mit diesem Bewußtsein feiern wir das OffenbarungSfest. S o b o r t e n. fax -c~3 H. Galandauer, Rabbiner. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 19. Mai. Tie Würfel sind gefallen. Das Plenum des Reichstages har in der Schechttafrage fein Unheil gefällt im Sinne der Humanitär, der Gerechtigkeit und vor Allem — der Wahrheit. Abgesehen von der hohen sachlichen Wichtigkeit der Entscheidung, durch welche die Schcchiraangelcgendeir. wegen deren die deutsche Iuöeubeit seit Jahren auf's Tiefste beunruhigt worden ist, cndgilrig. und hoffen wir für immer, in einer