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Der Israelit · 1887-05-23 · Heft 40 (23.5.1887) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 40 (23.5.1887)
Date
1887-05-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVUL Jahrgang. 40* Qin KenLrak - Grgan für das orthodoxe Iudenthum. Hcrausgcgcbcn von Vr. Lehmatt« in Mainz. Montag, den 23. Mai 5S47 (1887). Leitende Artikel. Das rituelle Schächten vor dem deutschen Reichstage. Berlin, 19. Mai. Und sie bewegt sich doch! .... batte nach den Erfahrungen des letzten Zahrzchnrs wirklich glauben wögen, daß die Uhr der Weltgeschichte sich rÄckwäns gewendet oder zum mindestens full gestanden Härte, und das vielgepriesene 19. Jahrhundert drohte das Lieblingswort spottender Ironie zu werden. Aus der Rumpelkammer längst verschollener Zeiten wurden die verrosteten Waffen geholt, um das Menschenrecht mit ihnen zu besiegen, Neid und Bosheit begannen den Sturmlauf gegen die staatliche Gleichbercchttgnng sricdlicbcndcr Bürger, und die finsteren Geister' des Haffes stiegen aus ihren verachteten Schlupfwinkeln -cnipor aus die Kanzel und da? Katheder, um hohnlachcnd den Bau zu zertrümmern, den zahllose Mcnschcngcschlechrcr orühsam errichtet hatten. Zu diesen Angriffen auf unsere bürgerliche Cristen; gesellten sich frivole Verleumdungen, die unsere Religion, unsere Glaubcnswahrheiten und Glanbensvorschristen treffen sollten. Ter Talmud wurde verlästert, die Gescyesauellcn besudelt, die unsittliche Verworfenheit der Aasscnhetzcr sah überall nur ihr eigenes Bild. Bor etwa 2 Jahren wurde die Welt durch die Kunde überrascht, daß eine Anzahl deutscher Thicrschntzvercine aus Erbarmen um ihr Bich nach schweizerischem Muster an die gesetzgebende Körperschaft de? deutschen Reiches die Bitte gerichtet hatte, das rimclle Schächten der Israeliten als Thicrquälerci Zu verbieten und es endlich einmal wie einst die Herenverbrennungen zu beseitigen. Dieser seltsame, unbegründete und unberechtigte Eingriff in die heiligsten Satzungen einer staatlich anerkannten Rcligionsgenossenschasr begegnete in den betheiligten Kreisen gerechter Entrüstung, man brachte die glänzendsten fachmännischen Gutachten über die humane Tödtungsart des Schächten», die Herren vom Thicrschuy ließen sich nicht beirren, und die Reichstagskommission überwies fast einstimmig die Petition dem Reichskanzler zur Erwägung. Ter Reichstag wurde geschloffen, neue Autoritäten gaben ihr schachtfreundliches Gutachten ab, und die HumanitätSrirter petitionirten von Neuem. So spann sich die Angelegenheit fort, bis schließlich sämmiliche jüdische Gemeinden Tcutschlands der erneuten Thicrschützlcrbittschrift Gcgcnpetilionen cntgegcnstelllen, die Mitglieder der Kommission wurden auf das eingehendste von kompetenter Seite informirt und die Kommission überwies abermals in ihrer Schlußberarhung die gcsammte Petition fast einstimmig dem Reichskanzler zur Erwägung. Sollte die Welt» geschickte wirklich ihren Lauf gehemmt haben? ... Rein, sie bewegt sich doch! Ter deutsche Reichstag hat diese Antwort ertheilt, f a st einstimmig ist das Parlament, wie Ihnen bereits ein Telegramm *) meldete, über das Ansinnen der Thierschutzvcremt, das rituelle Schächten zu verbieten, zur einfacher. Tagesordnung übergcgangen. Dieser schwerwiegende Beschluß wird, obwohl er allgemein erwartet wurde, gleichwohl Aufsehen und Freude erregen, zumal die Kommission die gesammle Petition dem Reichskanzler überweisen wollte. Nicht nur Ihr Referent, sondern auch andere, selbst politische Blätter haben s. Z. gemeldet, daß die Kommission den Passus gcgcy das Schächten einstimmig ab g leb nt habe. Meine Quelle war der süddeutsche Reichstags-Abgeordnete Sch., der zugleich der Komminion angehörte und jener *) Xc5 Telegramm fern Mittwoch Abends richtig in unsre Hände. Legen des chr. sieirrrags (Tonnrrsteg, IS. Mai) war .Ter Israelit' drreirS Mittwoch Nachmittags 4 Uhr der Post übergeben worden. so daß das erwähnte Telegramm kein« Aufnahme wehr find«, konnte. '

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