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Der Israelit · 1887-05-16 · Heft 38 (16.5.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 38 (16.5.1887)
Date
1887-05-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Fenster zertrümmerten. Leute, die sich zur Wehre semen, wurden mißhandelt. Es gelang der Behörde nicht ohne Anstrengung, wieder Ordnung zu schaffen; durch die Bczirkshauptmannschaft von Prcrau mußlc Militär rcquirirt werden, Es wurden vierzig Exzcdcnten verhaftet, die man nach der Frodnfeste Olmütz brachte. Eine uns heute vorliegende Eorrefpondenz aus 5tojclein spricht sich mit großer Anerkennung über das thärige und energische Eingreifen des Gcndarmerie-Postcnführcrs Lkotlas und des Polizei-Kommissärs Herr KolovSky aus, welche Alles aufbotcn, um der Unruhen Herr zu werden. Man fürchtet aber in Kojcteiu, daß sich die Exzesse wiederholen werden. — Aus Brünn wird telegraphier, daß Vormittag am 7. d. die Gendarmerie von Prcrau nach Kojetein gekommen war, da bcunruhigeude Gerüchte verbreitet waren: dieselbe kehrte aber, als bis!0 Uhr Nachts Ruhe blieb, wieder nach Prcrau zurück. Um 11 Uhr Nachts brach der Krawall los; meistens waren.die Erzedeulcn czechischc Baucnibnrsche der Umgebung. Gestern sind Tragoner in .Kojetein zur Ausrcchthalrung der Ordnung eingcrückr. Unter den Hetzern sollen sich auch Anarchisten besinde», welche die abetttcuerlichstcn Gerüchte verbreiten. A u m ä n i e n. I)r. C. Bukarest, 8. Mai. Ter „Monitor»! Ofsicial" (Amtsblatt) vom 29. März (11. April) d. odruckt auf Leite 7408 das Gesuch dcS Advokareu ltsicchts-„Gelehrten") Petre Gradifchtanu an den Ersten Präsidenten dcS Bukarest er Tribunals o.b. in welchem G. verlangt, daß das rumänische Gericht das vom Gericht in Venedig l Italien) ausgesprochene Erkcnntniß. durch welches Petent zur Zahlung von 2410 Lei (Francs) an Moisc dclaTourn u. Eie. in Venedig vcrnrthcilt wurde, daß das Bukarcster Gericht dieses Unheil nicht cxcquire. TaS Agumcnt. welches Gradischtcanu auruft, ist: Moisc de la Torre ist ein Hebräer: Bei Prozessen zwischen rumänisch-mosaische» undchristlichen Parteien kann ein solcher Grund allerdings ausschlaggebend sein, glücklicherweise aber ist de la Torre ein italienischer Hebräer. Ter ehrliche rumänische Edristcnmcnsch Gradischtcanu har sicher seinen glücklichsten Einfall gehabt, als er sein Gesuch wie oben motivine: denn dadurch wird cs nicht nur in Rumänien sondern auch in der übrigen, noch etwas größeren. Welt bekannt, zu welchen nicberrräLtigcn Rcch:saussassnugen man in Rumänien fähig in, besonders wenn cs sich um „Juden" handelt. Ter niedrige Stand der Begriffe von Rechtlichkeit, Gewinenhaftigkeit und Ehrlichkeit, wie er ausgedrückt ist selbst bei einer Person, die sie zu allerem besitzen muß. wird ein Maßstab sein für die Masse der Anderen, die das Recht nicht gelernt haben, und man wird sich im Ausland hüten, solchen Leuten etwas zu geben, bei welchen man nichts zurückerlangen kann. In Bezug auf ISraclücn sind wir, wie Sie sehen, im vollen Mittelalter, und für denjenigen, dem die Motiviruug unglaublich vorkommt, habe ich oben die genaue amtliche Ouelle angegeben. Ter amtlichen Zeitung entnehme ich weiter einen Bericht über den Stand an Tctinirten im Monat November 1886. In den 19 Gefängnissen des Landes befanden sich im angegebenen Monat zusaimncn 424.1 Häftlinge. Davon sind 9534 griechisch-orientalischer (Landes-) Religion (Rumänen, Griechen, Bulgaren, Serben, Mazedonier re.): 144 verschiedener Religionen (Protestanten, Katholiken, Mohamedaner, die in unbedeutender Anzahl vorhanden); 130 sind Israeliten. Tie 3524 Griechisch- Orientalen, zu denen Gradischtcanu gehört, sind eine Illustration zu seinem Gesuche und nehmen sich schlecht aus gegen.die nur 130 Israeliten in 19 Gcfänguincn, wobei zu bemerken ist, daß letztere wohl sämmrlich Bankerotte betreffen, die von den rumänischen Gerichten zur eigenen Bereicherung mit Gewalt herbeigesührt werden, auch wenn cs sich nur um die augenblickliche Zahlungsstockung eines Israeliten handelt. Dafür gibt es auch in Rumänien ein (christliches) Wort des Bedauerns, welches heißt: „es darein armer Ehrisrenmenfch bei einem Juden di e b ein Huhn gestohlen!" Tic ausgezeichnet redigirte „Rcvista Jsraelita" des Herrn Tr. Leck in Bukarest veröffentlicht die Erlebnine des Mr. Benjamin F. Pcirotto, welche dieser Israelit in seiner Eigenschaft als Generalkonsul der Bereinigten Staaten von Nordamerika nach 1870 in Rumänien gehabt. Pcirotto war nach Rumänien gekommen, um die Lage der Israeliten zu studrren und wenn möglich bester zu stellen. Eine Unterredung, die derselbe mit dem damalige» diplomatischen Agenten des deutschen Reiches Herrn von Radowitz hatte, dürste auch für deutsche Leser von Interesse sein: Peixotro: „Warum versolgt man hier die Israeliten? v. Radowitz: Weil sic arbcirssamer, sparsanier und umcruchmenderHmd. P.: Man sagt mir', daß die hiesigen Isracliteu mehr mit den Deutschen sympathisircn, als mit den Franzosen (was letzteres bei den Ehristcn der Fall) v. R.: Ich glaube es nicht. So viel ich beobachten konnte, sind sie mit dem im Lande vorherrschenden Gedanken völlig identifizirt: und die Intclligeutcsien reden auch Französisch, wenn auch nicht

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