Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 37 (12.5.1887)
- Date
- 1887-05-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXVIII. Jahrgang. M Nr. 37 des Israelit. Feuilleton. DerSLammbaum Derer v. Schönerer. Der Gutsherr von Rosenau Ham die Jude»; dieses feindselige Verhältniß beruht aus Gcgenscirigkcit, denn man mühte lügen, wollte man behaupten, daß die Juden Herrn von Schönerer lieben. Ser Herr Abgeordnete von Zwettl bahr aber auch diejenigen, die er von Gott und Rechtswegen zu lieben verpflichtet wäre — und diese Thatsache zeigt seinen Haß wie seine Liebe schon in einem viel bedenklicheren Lichte. Bereits seit geraumer Zeit sickerte das Gerücht in die Ocsscmlichkcit, daß Herrn Schönerers Juden-- daß ein ganz unnatürlicher sei, man niunkelte, daß die bessere Hälfte des großen Jndcrrhasscrs, nämlich 'eine Gattin, jüdischer Abkunst wäre. Wir ließen uns die Mühe nicht verdrießen, dieser eigcngcartelcn Mär auf die Spur zu gehen und wir sind beurc in der Lage in der authentischesten und unwider- Icp.lidmcn Weise den Rachweis z» liefern, daß in den Adern der legitimen Nachkommenschaft des Herrn von Schönerer ebenso zweifellos jüdisches Blut fließt, wie nur in irgend einem aller anderen Kinder Israels, gegen die Herr von Schönerer so leidenschaftlich wüthct. Ter Urgroßvater der Ehegattin der Herrn von Schönerer war noch ein geborener Jude. Dieses .Faktum wird durch folgende uns von verläßlichster Seite zukomulcude Mittheilung außer allen Zweifel gestellt: * .. . . Ter Ur-Großvatcr der Gattin des Herrn Georg von Schönerer. Herr Leopold Prot'andcr, hieß ursprünglich Schmnel Le eb Kohn. Derselbe war im Jahre 1762 zu Pohrlitz in Mähren geboren; sein Vater Jvalf Josna Mohn übte in der dortigen Synagoge die pricsterlichen Funktionen der „ftoljaniui". Schmnel Leeb Ltolm trat in späteren Jahren in der Gcuicindc Urspiv zum Ehrisrcnthum über, wobei er seinen jüdischen Ravien „Leeb" in .Leopoldumwandclte und den Familiennamen seines Taufpathen „Provander" annahm. Der getaufte Schmnel Lccd rtohn erlangte nach seiner Dause den Tabak-Großverschleiß für Pohrliv und Umgebung, wodurch er sein Fortkommen sicherte, water wurde er auch Armee-Getreidelieferant und gelangte so zu Vermögen. I Tie Tochter des früheren Schmnel Leeb Kohn und nachmaligen Leopold Provander, Rameus Therese, heirarhctc den in dem benachbarten Grobhof! bcdiensteten, erzherzoglichen Wirthschafts-Beamlen, Edlen von Gschmcidler, der sodann nach Pohrlitz übcrsiedelte und daselbst das Posthaus erwarb. Dieser Ehe entsproß der Barer der jetzigen Frau Philippine von Schönerer, der Gattin des Abgeordneten von Zwettl. Schmuel Leeb Mohn, alias Leopold Provander, starb im Juni 1832; sein Bruder Mayer Kohn, welcher ihn überlebte und Jude blieb, war bei Herrn von Gschmcidler als Briefträger in Verwendung. In Pohrliv leben noch heute jüdische Gemeindeaugehsrrge, die der dem Gottesdienste in der dortigen Synagoge den llr-Großvatcr der Gattin des Herrn Georg Ritrer vor« Schönerer die ritualen Gebete verrichten gesehen haben. Er wurde beim Verlesen der Thora nrit dem Namen Schmnel Leeb den Rabbi Joschua Häkchen, zum Scgcnsspruch über die Thora anfgcrufen." Gcgcn diese notorischen Thatsachcn, welche die unverfälscht jüdische Race der Kinder des Herrn Georg Rincr von Schönerer erweisen, kämpfen alle „unverfälscht deutschen Worte" vergebens. Ja. Herr von Schönerer, haßt und schmäht seine eigenen Sprößlinge und Niemand Anderer klagt ihn dieses unnatürlichen Gefühles an, als — er selbst. In seiner jüngsten im Abgcordnctenhause gehaltenen Siede sagt Herr von Schönerer (wir citircn wörtlich nach dem onicicllen stenographischen Protokoll Seile 496-1 bis -4967») folgendes: .Unser Antisemitismus richtet sich nicht gegen die Religion sondern gegen die Racccigemhümlichkcit der Juden. „Unserem Volke aber mit seinem gesunden nationalen Sinn werden Sie cs niemals, auf die Tauer wenigstens nicht, weiß «lachen können, daß aus ein und derselben Judenfamilie stammende Kinder etwas anderes als eben wieder Juden sein können (Heiterkeit), daß aus denselben jemals etwas arideres als immer wieder Juden werden können, wenn sic auch vielleicht im Interesse ihres Fortkommens zumeist sich verschiedene Sprachen ancigncn, wenn sic sich auch in dem einen Falle confessionslos erklären, oder in einem andern Falle sich taufen lassen." 1 Das ist klar und deutlich! Kinder, die aus