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Der Israelit · 1887-05-12 · Heft 37 (12.5.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 37 (12.5.1887)
Date
1887-05-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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644 Budapest, 7. Mai. Aus der Provinz langen Berichte ein, daß zwei blühende Städte Obernngarns völlig eingcäschcrt und ein Marktflecken im Araber Eomitatc von einer Fcucrbrunst total verheert worden sind. Aus Epcrics wird gemeldet: Gestern ist ein großer, entschieden der schönste Thcil unserer Stadt einem verheerenden Brande zum Opfer gefallen. Tie Stadt ist zur Stunde ein qualmender und glimmender Trümmerhaufen. Das Feuer kam gegen Iv Uhr Vormittags zum Ansbruche. Bon einem heftigen Winde angcfacht, verbreitete sich der Brand rapid über die ganze Umgebung und binnen Kurzem war die halbe Stadt in Flammen gehüllt. Die Anzahl der gänzlich abgebrannten Häuser geht in die Hunderte; von ösientlichen Gebäuden sind die lutherische Kirche, das Kollegium „Stephanum!", das Ralhhaus, das EomiraLshaus, das Telcgraphcnamt, das „Grand Hotel", die katholische Pfarrer, die Volksdank, die Sparkasse, der Bankverein, das Postgcbändc, das Gerichtsgebän.de, der Rcdonrcnsaal, das Theater und die Synagoge abgebrannt. Auch an Menschenleben hat die Katastrophe Ovfer gefordert. Zwei Kinder sind verbrannt aufgefundcn worden. Mehrere Familien, die sich in die Keller oder Parterrewohnungen retten wollten, erstickten. Bisher ist der Verlust von neun Menschenleben konstalirt. Aus Katchau langte ein Bataillon Infanterie als Hilfstruppe an; die Feuerwehren der Umgebung arbeiteten mit Todesverachtung. — Ans Nagn-Karolu wird gemeldet: Unsere Stadt ist beinahe vollständig vernichtet. Um 12 Uhr kam ein Feuer zum Ausbruch und bald darauf erhob sich ein furchtbarer Sturm, der zahlreiche Dächer abtrug, und viele starke Bäume entwurzelte. Ehe eine Stunde verging, war Nagn-Karoly ein einziges Flammenmeer. (5s brannte an allen Ecken und Enden. Tie Stadt ist förmlich von einem Flammcngürtel umringt. Tie Kirchen, Schulen und öffentlichen Gebäude — Alles ist ein Raub der Flammen geworden. Von dem grästich Karoly'ischcn Palais sind sämmtliche Stallungen und Nebengebäude eingeäschcrt, und nur durch übermenschliche Anstrengung gelang es, das Palais selbst zu retten. Tas sogenannte Judcnvicnel, ans mehreren Kunden Häusern bestehend, ist total nicdcrgcbrannt. Tas allgemein herrschende Entsetzen zu schildern, ist unmöglich. Tausende von Menschen sind brodlos und an den Bettelstab gebracht, wohlhabende Bürger rniniN. Glücklicherweise ist kein Menschenleben zu beklagen. An eine Renung von Hab und Gut oder Lokali- -siruug des Brandes war in Folge des furchtbaren Sturmes gar nicht zu denken. Ter Schaden ist ungeheuer, das Elend und Entsetzen unbeschreiblich. — Endlich meldet man auS Arad r Bei einem orkanartigen Sturme kam gestern m Kurtics, einer Gcntcinde des Araber Eomitats, ein heftiger Brand zum Ausbruch, welchem 150 Wohnhäuser undWirthschaftsgcbäude und eine Dampfmühle zum Opfer fielen. Unter Andern sind die sämmtlichen Wirthschaflsgcbäude der Obergcspans Fabian niedergebrannt. Um 1 Uhr Mittags ging die Araber Feuerwehr mir Requisiten mittels Srparatzuges auf den Brandplatz ab; ihrer Anstrengung ist es zu danken, daß man des Feuers endlich Herr wurde. Italien. Venedig, 5. Mai. Vor Kurzem hieß es bekanntlich, die Kaiserin von Rußland gedenke zu ihrer Erholung und auch, um die Königin der Adria näher kennen zu lernen, zu einem längeren Aufenthalte hichcr zu kommen. Daraufhin beeilte sich sogleich Baron Franchctti, ein Schwager der Rothschilds, der hohen Frau seinen hier am Eanal Grande gelegenen herrlichen Palast zur Verfügung zu stellen. Tas Anerbieten wurde nun auch dankbar angenommen, aber selbstverständlich nur für den Fall, daß die Kaiserin wirklich unsere Stadt mit ihrem hohen Besuche beehren sollte. Tie Gattin des mächtigen Herrschers, in dessen Reich die Juden noch heute vielen Bedrückungen und Drangsalen ausgcscsl find, wird nun so, falls sie wirklich hieher nach Venedig geht, unter einem jüdischen Tuche wohnen. Vielleicht benützt dann die hohe Frau ihren Aufenthalt hier zugleich auch dazu, um Vergleiche zwischen der socialen und bürgerlichen Stellung der Juden der Apennincn-Halbinsel und der ihres eigenen immensen Reiches anzustcllen, was dann auch für Letztere von Segen sein dürfte. — Unsere Stadt. mit ihren herrlichen Palästen und ihren berühmten Hotels besitzt nun auch eine Herberge für Obdachlose und Bettler und verdankt sic dieses wohlthärige Institut der Initiative des hiesigen Advocalcn, Tr. Graziano Rava, einem Sohne nnserers Volkes. Tiefes Hotel für die Armen und Acrmstcn wurde am 17. v. Mts. feierlich eröffnet und nahmen dabei das Wort unser Präsident GiuseppoMnssi, dann das Mitglied unseres Gcmcinderüthcs. Graf Tiepolo und zulcet auch der schon genannte Gründer dieses Hanfes, Tr. Rava, und dessen Eollcge I. Levi, der sich gleichfalls um das Zustandekommen dieses Afylhausegroße Verdienste erworben hat. Tie Obdachlosen brauchen daher hier nicht mehr auf dem hatten Straßenpstaster die Nächte zu verbringen.

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