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Der Israelit · 1887-05-05 · Heft 35 (5.5.1887) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 35 (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
– (sequence 22)
Language
German
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118 Bio sanitären Verhältnisse Jeroasalem’s, nebst statistischem Bericht des freiherrlieh Kotlischiid'schen Hospitales vom Jahre 1886. Von Director Dr. SCHWARZ.1.' Es ist kein erfreuliches Bild, das ich zu entwerfen habe. Was ich vor Jahren an dieser Stelle des Jahrbuches über die öffentliche Hygiene in Jerusalem geschrielien, gilt auch für heute und wird leider noch ii'ir sehr lange Zeit gelten ... . Das Einzige, wozu sich nnsere Stadtväter aufgerafft haben, ist die NeubepflaMernng einiger Gassen und die Verbauung der wenigen noch der Stadt gehörigen freien Plätze; als ob das bischen reine Luft die Herren so geuirt hätte. — Doch nicht mit den Eingeborenen will ich rechten; wer kennt nicht die Indolenz und den sittlichen Werth des Orientalen! Was ich hier brandmarken möchte, ist der Unverstand unserer Glaubensgenossen, welche entgegen all' den Reinlichkeitsgesetzen M o s i s, Schmutz auf Schmutz häufend, sich so zu sagen ihr eigenes frühes Grab graben. Und leider sind es zumeist die Aschkenasim, also die aus Europa eingewanderten Juden, deren Äusseres nicht minder unreinlich ist, als ihre Behausung1). Es ist ein allgemein verbreiteter Irrthum zu glauben, dass der Orientale mit Wasser und Seife auf gespanntem Kusse lebe. Wohl sind die orientalischen Städte nichts weniger als reinlich, aber nur insofern man darunter die öffentlichen Plätze und Gassen, um welche sich weder Privatmann, noch Behörde kümmert, versteht. Die liier-eigenthümlichen Verhältnisse, und noch mehr die einst so berüchtigte Paschawirthschaft brachten es mit sich, dass der Orientale den Luxus nur auf das _ Innere seiner Behausung beschränkend, das Äussere derselben absichtlich >) Ans dem demnächst erscheinenden II. Jahrg. des trefflichen Jahrbuches »Jerusalem* * von A. 31. Luncz in Jerusalem. Der unglückliche, in toller Jugendblüthe noch dastehende und vollständig erblindete Herausgeber verdient die allgemeinste und wärmste Thcilnahme. Ich bitte darum innigst um zahlreiche Abonnements und erkläre mich zur Entgegennahme solcher ä 5 31. pro Jahrg. freudig bereit. Auch den L Jahrg. vermittle ich gern zu diesem Preise. Salvendi. -) Unser geehrter llitarbeiter als pract. Arzt besucht nur dann die Wohnungen unserer armen Brüder, wenn ein Familienglied bedenklich erkrankt nnd seine Umgebung ton der Krankenpflege derartig in Anspruch genommen ist, dass auf die Reinhaltung des beschränkten Wohnlokales nicht genügend geachtet werden kann; sein Unheil trifft durchaus nicht für alle Aschkenasim zu. Luncz.; so unansehnlich wie möglich gestaltete. Wer ' aber Gelegenheit findet das Innere eines orien- talischen Hauses zu betreten, wird nicht wenig; erstaunt sein, die skrupulöseste Reinlichkeit in J allen Räumen desselben anzutreffen. j$o auch bei i den orientalischen Juden. Wenn ich also oben i von Schmutz redete, so meinte ich den impor- I tirten. nnd wie ich glaube, spezifisch slavi- ■ sehen Schmutz; sehen wir doch, dass die slaj rischen Ländern entstammenden Juden die i schmutzigsten sind. Schon die Tracht derselben | begünstigt die Unreinlichkeit, und dennoch hali ten sie so zähe an dem verunstaltenden „Sträu-; me!“ und dem „Talar“ mit slavischem Schnitt : fest, als ol» sie dieselben von den tapferen Söhj nen des Makkabäns ererbt hätten. In dem Maasse als die Einwanderung von | rumänischen, russischen nnd polnischen Juden in ’ den letzten Jahren zunahm, wuchs auch von! Tag zu Tag der Wohnungsmangel in Jerusalem. I Aus Nullt und Spekulation bildeten sich Associai tionen, welche ausserhalb der Stadtmauer die! sogenannten Kolonien anlegten. So gesund diese Idee auch an und für sieh war, ebenso Unglück-; lieh fiel die Ausführung aus. Anstatt kleine. . billige und isolirt stehende Häuschen zu errich- I ten. wurden grosse Bodencomplexe zumeist im j Viereck kasernenartig oft mit dem schlechtesten; Material bebaut. Auf solche Weise entstanden : hunderte, nur durch je eine poröse3) Zwischen-; mauer getrennte Wohnungen. Kein Baum, kein; Strauch und nicht die geringste Pflanzenanlage ist da ringsherum zu finden4). Zimmer reiht : sich an Zimmer, von den Wänden trieft die; Feuchtigkeit und Feuchtigkeit dringt ans dem; mit schlechten Steinen belegten Fussboden. Der; Eingangsthüre gegenüber befinden sich dieSenki gruben, daneben förmliche Unrathshügel die Luft; mit ihren Ausdünstungen verpestend. In nicht; immer sehr sauber gehaltenen lüsternen wird das ' Regenwasser im Winter aufgelangen, nnd dieses muss dann das ganze Jahr hindurch als Nutz- *) Nicht überall! Luncz. *} Der Verwaltungs-Kalb «1er Kolonie “TrC n~rrC- durch Beihilfe des .Sir Moses MontefioTe Testiam*’* nial-Fuud* ia London entstanden, hat jüngstens beschlossen. den grossen von den Gebäudes umringten Platz mit schattigen Bäumen zu bepflanzen, wozu der Anfang i bereits gemacht worden ist. Luncz.

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