Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-05-05 · Heft 35 (5.5.1887) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 35 (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449732--26367-2516185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XXVm. Jahrgang. Jfö AA Si» GenLrat - Grgan für das orthodore ZudenLHum. Herausgegeben von Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, de» 5. Mai 5647 (1887). LeitenderArtikel. Aie Sprüche der Fäter. Drittes Buch. VI. Mainz, 2. Mai. »In dem Vorauszchenden war nur von Zweien die Rede. Woher weiß ich, daß sogar Einem, der da sivt, und sich mit der Thora beschäftigt, der Heilige, gelobt sei Er, Lohn bestimmt? Denn so beißt es (Echah C. 3. V. 28): Einsam wird er sitzen und schweigen, denn er hat genommen auf sich.- Der hier wiedergegebene Schlußsatz unserer Mischnah ist überaus dunkel und schwer verständlich, so schwer, daß man ihn schon in alten Zeiten hat streichen wollen. (Vergleiche Rabbi Schimeon bar Zemach Duran in seinem Werke Magen Aboth.) Tie Mischnah erschien jenen alten Gelehrten mit dem ersten Theile derselben vollkommen abgeschlossen und abgerundet, so daß sie meinten, den Schlußsatz habe ein Unberufener nach der Analogie des Auswruches des Rabbi Ehalaphtha in der sechsten Mischnah dieses Perek hinzugefügt. Allein, cs ist ^wahrscheinlich, daß ein Unberufener etwas so Dunkles hinzugefügt haben sollte; außerdem findet sich die Mischnah, wie sie vor uns steht, in den ältesten und gediegensten Handschriften, und die ältesten Erklärer haben sie so oder ganz ähnlich vor üch gehabt. (Vergleiche Raschi, Maimonidcs und viele Andere.) Daß dieser Schlußsatz unsrer Mischvah so überaus dunkel ist, kömmt daher, weil der angeführte Bibelvers an und für sich sehr schwer vemändlich ist und weil überdies nicht leicht einzulrhen ist, wie derselbe als Beweis für die Behauptung des Rabbi Ehanania dieoen kann. Wir wollen Machn -äs Schwierige in diesem Verse, an und l« sich, hervorheben. bvi n DT1 T!3 3ST* »Er wird sitzen einsam und schweigen, den» er hat genommen auf sich- So lautet die wörtliche Ucbersetzung; aber, was heißt das, was bedeutet das? Roch unverständlicher wird die Sache, wenn wir aus diesem Bibelverse folgern sollen, daß Gott dem sich mit der Thora Beschäftigenden Lohn bestimmt. . Man wird sich leicht vorstellen können, daß dieser dunkle Ausspruch den Scharfsinn der Erklärer herausgefordert hat. und in der That gibt es eine große Menge von Erklärungen, von denen wir die wichtigsten hier wiedcrgeben wollen. Wir wolle« mit der Interpretation des Rabbi Joseph Jabez*) beginnen. Um den in Rede stehenden Vers richtig zu verstehen. müssen wir denselben im Zusammenhänge mit dem Vorhergehenden und dem Folgenden betrachten. Der Prophet Jirmijahu schildett im dritten Kapitel der Klagelieder das von ihm erlebte Elend zur Zeit der Zerstörung deS heiligen Tempels: „Ich bin der Mann, der das Elend gesehen, der die Zuchtruthe Seines Zornes erlebt; mich bar Er fongerissen und geführt in eine lichtlose Finsterniß!- In dieser Weise schildett der Prophet seine grenzenlosen Leiden, bis daß er voll Verzweifelung spricht: »Und es ward verlassen vom Frieden meine Seele, vergessen habe ich das Wohlbefinden. Und ich sprach: Verloren bin ich auf ewig, keine Hoffnung ist mehr für mich beim Ewigen.* — Mit diesem schrecklichen Ausbruche der Derzweiselung jedoch tritt ein Wendepunkt ein; trotz des ungeheuren Elends überkömmt ihn die Uebcrzeugung, daß Gottes Güte nie zu Ende geht, daß Sein Erbarmen niemals aufhött. »Mein Antheil ist der Ewige, so spricht meine Seele, deßhalb werde *) Tcrieftc »at einet der am Ende Ui 15. Jahrhundert» aui Spanien vertriebenen Israeliten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.